Lin­ki­sches Ver­hal­ten

Ge­richt stellt Ge­mau­schel im Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um fest. Zwei Par­tei- Ge­nos­sin­nen wur­den be­för­dert

Der Tagesspiegel - - BERLIN / BRANDENBURG - Alex­an­der Fröh­lich

Pots­dam - An­ne Stol­pe ist Ab­tei­lungs­lei­te­rin im Bran­den­bur­ger So­zi­al­mi­nis­te­ri­um, Ma­ria Strauß dort Lei­te­rin des Bü­ros von Mi­nis­te­rin Su­san­na Ka­ra­wans­kij (Lin­ke). Ob die bei­den Frau­en ih­re heu­ti­gen Pos­ten je­mals be­kom­men hät­ten, steht durch ei­nen Be­schluss des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg (OVG) in­fra­ge. Grund ist aus­ge­rech­net we­ni­ge Mo­na­te vor der Land­tags­wahl am 1. Sep­tem­ber ge­richts­fest fest­ge­stell­tes Pos­ten­ge­scha­cher un­ter Lin­ke-Ge­nos­sen.

Die bei­den Ge­nos­sin­nen wa­ren bis 2015 in der Lei­tungs­ebe­ne des da­ma­li­gen Jus­tiz­mi­nis­ters Hel­muth Mar­kov (Lin­ke) wie üb­lich be­fris­tet und über­ta­rif­lich be­schäf­tigt: Stol­pe als Lei­te­rin des Mi­nis­ter­bü­ros und Strauß als Lei­te­rin der Pres­se­stel­le. Die Be­fris­tung sol­cher Stel­len in der po­li­ti­schen Lei­tungs­ebe­ne rich­tet sich nach der Amts­zeit der Mi­nis­ter – ori­en­tiert sich al­so an den

Wahl­pe­ri­oden.

Doch dann sind die bei­den Stel­len der

Be­sol­dungs­stu­fe B2

– ak­tu­ell mo­nat­lich

7286 Eu­ro – im Jahr 2015 ein­fach oh­ne Aus­schrei­bung und Aus­wahl­ver­fah­ren ent­fris­tet wor­den. Ih­nen sind al­so bis über das En­de der ak­tu­el­len rot-ro­ten Re­gie­rungs­zeit bis zur Ren­te hoch do­tier­te Ver­sor­gungs­pos­ten im öf­fent­li­chen Di­enst ge­si­chert wor­den.

Da­ge­gen hat der Per­so­nal­rat des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums ge­klagt, weil er von der im Ok­to­ber 2015 er­folg­ten Ent­fris­tung erst zu spät er­fuhr – und weil er ei­nen kla­ren Re­gel­ver­stoß sieht. Wie das OVG in dem En­de Ja­nu­ar er­gan­ge­nen und nun be­kannt ge­wor­de­nen Be­schluss ent­schie­den hat, ist der Per­so­nal­rat des Mi­nis­te­ri­ums zu Un­recht über­gan­gen wor­den. In dem Be­schluss des OVG, das da­mit ei­nen Be­schluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Pots­dam re­vi­diert, heißt es, dass aus­ge­rech­net das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um bei der Ent­fris­tung der Stel­len „das In­for­ma­ti­ons­recht“des Per­so­nal­rats „ver­letzt“hat.

Strauß ist in­zwi­schen Lei­te­rin des Mi­nis­ter­bü­ros im So­zi­al­res­sort. Stol­pe wur­de erst durch die Ent­fris­tung der wei­te­re Auf­stieg über­haupt er­mög­licht. Erst mit dem un­be­fris­te­ten Pos­ten konn­te sie sich für die Stel­le als Lei­te­rin der Zen­tral­ab­tei­lung im So­zi­al­mi­nis­te­ri­um be­wer­ben. Das war Tür­öff­ner für den Pos­ten mit Be­sol­dungs­stu­fe B5 – ak­tu­el­ler Sold: 8667 Eu­ro pro Mo­nat. Ab­tei­lungs­lei­ter ste­hen ei­ne Ebe­ne un­ter den Staats­se­kre­tä­ren, ih­re Be­ru­fung ist Sa­che des ak­tu­ell von Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke (SPD) ge­führ­ten Ka­bi­netts. So ge­schah es auch im Fall Stol­pe – ob­wohl Wo­id­ke ge­warnt war.

Das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um hat­te da­mals er­klärt, es sei üb­lich, dass Mit­ar­bei­tern nach län­ge­rer be­fris­te­ter Be­schäf­ti­gung ei­ne un­be­fris­te­te an­ge­bo­ten wird, dies ent­spre­che mo­der­ner Per­so­nal­füh­rung und er­öff­ne die Mög­lich­keit, sich auf an­de­re Stel­len in der Ver­wal­tung zu be­wer­ben. Ei­ne Aus­schrei­bung sei auf­grund des be­son­de­ren Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses der Stel­le im Mi­nis­ter­bü­ro nicht nö­tig ge­we­sen. Das OVG wi­der­spricht dem nun aus­drück­lich. Das Land kann da­ge­gen ei­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­le­gen. Der Be­schluss wer­de nun ge­prüft, sag­te ein Spre­cher des Mi­nis­te­ri­ums.

Dan­ny Ei­chel­baum, rechts­po­li­ti­scher Spre­cher der CDU-Frak­ti­on, sag­te: „Wäh­rend in den Ge­rich­ten Rich­ter­stel­len feh­len, schie­ben sich lin­ke Ge­nos­sen in der Lan­des­re­gie­rung lu­kra­ti­ve Spit­zen­jobs zu. Es wä­re ge­ra­de die Auf­ga­be des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums ge­we­sen, ein recht­mä­ßi­ges Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren zu ge­währ­leis­ten.“Per­so­nel­le Kon­se­quen­zen hat der Ge­richts­be­schluss zu­nächst nicht. Die Ge­nos­sin­nen wer­den ih­re Pos­ten nach­träg­lich nicht los.

Der Per­so­nal­rat be­grüß­te den Be­schluss den­noch. Die­ser stär­ke die Po­si­ti­on der Per­so­nal­ver­tre­tun­gen. Hier sei das Gre­mi­um nicht in der La­ge ge­we­sen, auf ein recht­mä­ßi­ges Ver­wal­tungs­ver­fah­ren hin­zu­wir­ken – ob­wohl es meh­re­re Ver­stö­ße ge­ge­ben ha­be. Zwar sei das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ver­pflich­tet, nach Recht und Ge­setz zu han­deln. Wenn aber dem pri­va­ten In­ter­es­se der Ver­sor­gung von Le­bens­ge­fähr­tin­nen ein­fluss­rei­cher Po­li­ti­ker mehr Wert bei­ge­mes­sen wer­de als dem öf­fent­li­chen In­ter­es­se ei­nes ord­nungs­ge­mä­ßen Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­rens, kom­me dem Per­so­nal­rat ei­ne be­son­de­re Rol­le zu, be­fand der Per­so­nal­rat. Stol­pe war frü­her mit Fi­nanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Gör­ke (Lin­ke) li­iert.

Ih­re neu­en Po­si­tio­nen kön­nen die Frau­en vo­r­erst be­hal­ten

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