Mut­ter­spra­che: Di­gi­tal

Am John-Len­non- Gym­na­si­um dis­ku­tie­ren Schü­ler über den On­li­ne-All­tag

Der Tagesspiegel - - BERLIN LERNEN - Ma­ria-Mer­ce­des He­ring

„Di­gi­tal Na­ti­ves“nennt man Men­schen, für die Di­gi­ta­li­sie­rung so selbst­ver­ständ­lich ist, wie die ei­ge­ne Mut­ter­spra­che zu spre­chen. Wer heu­te zur Schu­le geht, ist meist schon so ge­prägt, tauscht sich in so­zia­len Me­di­en aus, in­for­miert sich on­li­ne, schaut Fil­me und hört Mu­sik über Strea­m­ing-Di­ens­te. Am John-Len­non-Gym­na­si­um in Mit­te dis­ku­tier­ten Schü­ler am Mon­tag, wie sie das di­gi­ta­le 21. Jahr­hun­dert gestal­ten wol­len. Bei der Ver­an­stal­tung un­ter dem Mot­to „Sharing New Views“wur­den sie von Re­gis­seur Wim Wen­ders und Ma­riya Ga­b­ri­el, EU-Kom­mis­sa­rin für di­gi­ta­le Wirt­schaft und Ge­sell­schaft un­ter­stützt. Ga­b­ri­el er­mun­ter­te die Schü­ler, die Chan­cen der Di­gi­ta­li­sie­rung zu nut­zen und an­ge­sichts der Ri­si­ken ver­ant­wor­tungs­voll zu sein. „Jun­ge Men­schen, di­gi­ta­le Na­ti­ves, Eu­ro­pa ge­hört euch“, sag­te sie.

Wie die Ju­gend­li­chen selbst das The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung an­ge­hen wol­len, be­spra­chen rund 60 Ober­stu­fen­schü­ler des Gym­na­si­ums in drei Work­shops. Zwölft­kläss­le­rin Ma­li­na be­rich­te­te bei der Ab­schluss­sit­zung von den Er­geb­nis­sen ih­rer Grup­pe, die sich mit di­gi­ta­ler Ent­wick­lung di­rekt an der Schu­le aus­ein­an­der­setz­te. Fa­zit der Ju­gend­li­chen: Smart­pho­nes sind ein Dau­er­the­ma im schu­li­schen All­tag. Die Schü­le­rin be­ton­te, dass Lehr­kräf­te die neu­en tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten nicht als ne­ga­ti­ven Ein­fluss be­grei­fen dürf­ten, son­dern sie er­mun­tern soll­ten, sich über di­gi­ta­le He- raus­for­de­run­gen und Chan­cen so­wie Si­cher­heit im Netz zu in­for­mie­ren. „Sie dür­fen das nicht ein­fach zu ei­ner schlech­ten Sa­che er­klä­ren, son­dern müs­sen uns auch die gu­ten Sei­ten zei­gen.“

Mit­schü­le­rin Fe­li­ne er­zähl­te vom Work­shop „So­ci­al Me­dia, So­ci­al Li­fe“. Die­ser wur­de von Klick­safe, der EU-In­itia­ti­ve für Si­cher­heit im Netz, or­ga­ni­siert und the­ma­ti­sier­te Fal­sch­mel­dun­gen und Fehl­in­for­ma­tio­nen im In­ter­net. Die Grup­pe er­ar­bei­te­te die Idee, ein Un­ter­richts­fach zur Di­gi­ta­li­sie­rung ein­zu­füh­ren. Hier könn­ten Schü­ler ler­nen, wie sie so­zia­le Me­di­en rich­tig be­nutz­ten.

Re­gis­seur Wim Wen­ders kam selbst ins John-Len­non-Gym­na­si­um, als sei­ne Stif­tung ei­nen Work­shop zum Film im di- gi­ta­len Zeit­al­ter prä­sen­tier­te. Mit den Teil­neh­mern sprach Wen­ders über die Fra­ge, ob das Ki­no durch Strea­m­ing-Di­ens­te er­setzt wor­den ist oder im­mer noch ein be­son­de­res Er­leb­nis dar­stellt. „Da wa­ren die Mei­nun­gen sehr ge­mischt“, er­zähl­te Schü­le­rin Vio­la, die an der Sit­zung teil­nahm.

Die Ver­an­stal­tung wur­de im Rah­men des – die­ses Jahr mit dem 5. Fe­bru­ar in die Win­ter­fe­ri­en ge­fal­le­nen – Sa­fer In­ter­net Day von der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on an­ge­regt und vom Sa­fer In­ter­net Cen­ter Deutsch­land or­ga­ni­siert. Die­ses such­te nach ei­ner Schu­le, an der ei­ne Ver­an­stal­tung zur Di­gi­ta­li­sie­rung statt­fin­den konn­te, und wur­de mit dem John-Len­non-Gym­na­si­um fün­dig. Die Schu­le wur­de im ver­gan­ge­nen Jahr von Bit­kom, dem Bran­chen­ver­band der Di­gi­tal­wirt­schaft, als ei­ne „Smart School“aus­ge­zeich­net, al­so als Schu­le, die bei der In­te­gra­ti­on neu­er Me­di­en in den schu­li­schen All­tag als Vor­rei­ter gel­ten kann. Zu­dem gibt es je­des Jahr ein Film­fes­ti­val an der Schu­le.

Die Ide­en aus dem Work­shop zur Han­dy­nut­zung sol­len nun di­rekt an der Schu­le über­dacht wer­den, sag­te Rek­to­rin Do­ris Hell­muth. Beim nächs­ten Stu­di­en­tag stün­de zu­dem das The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung auf der Ta­ges­ord­nung. Die Di­gi­ta­li­sie­rung spie­le schon jetzt ei­ne gro­ße Rol­le im Schul­all­tag. Und die­se Ent­wick­lung dürf­ten Schu­len auf kei­nen Fall ver­schla­fen.

F: Ma­ria-Mer­ce­des He­ring

Neue Ide­en. Schü­le­rin Vio­la (r.) spricht über ih­ren Work­shop.

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