Hau­stür­zu­stel­lung als Pre­mi­um­pro­dukt

Lie­fer­r­o­bo­ter und Droh­nen, Sta­tio­nen in Su­per­märk­ten und auf öf­fent­li­chen Plät­zen – der Pa­ket­ver­sand ver­än­dert sich ra­di­kal

Der Tagesspiegel - - WIRTSCHAFT - Mat­thi­as Punz

Ber­lin - Kof­fer­raum­zu­stel­lung, Lie­fe­rung hin­ter die Haus­tü­re und voll­au­to­ma­ti­sier­te Pa­ket­sta­tio­nen – nie­mand weiß, wie die Zu­kunft der Zu­stel­lung ge­nau aus­sieht und wel­che Tech­no­lo­gie sich durch­set­zen wird. „Pro­gno­sen auf 20 Jah­re wa­ge ich nicht, ich tue mich schon schwer ge­nug, die nächs­ten drei Jah­re zu über­bli­cken“, sagt Gun­nar An­ger, Ge­schäfts­füh­rer von Par­celLock. Das Un­ter­neh­men, das zu je­weils 50 Pro­zent DPD und Her­mes ge­hört, pro­gram­miert Soft­ware für Post­käs­ten. Das Kon­zept ist auf Ein­fa­mi­li­en- und Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser aus­ge­legt. Pa­ket­bo­ten kön­nen Pa­ke­te so di­rekt in die­se Bo­xen le­gen, wenn nie­mand zu Hau­se ist.

Die Deut­sche Post will sol­che Käs­ten für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser nun gar nicht mehr an­bie­ten – zu ge­ring war die Nach­fra­ge. Das sag­te Post-Chef Frank Ap­pel ver­gan­ge­ne Wo­che dem Ta­ges­spie­gel im In­ter­view. Den Kon­kur­ren­ten Par­celLock wun­dert das nicht: „Ich den­ke nicht, dass die Kun­den es gou­tie­ren, wenn ein Sys­tem nur für ei­nen An­bie­ter of­fen ist.“An­ders als bei der Deut­schen Post kön­nen das Par­celLock-Sys­tem al­le Zu­stel­l­an­bie­ter nut­zen.

Doch auch bei Par­celLock sind die Post­käs­ten für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser ein Pro­blem­fall: „Wir se­hen je­den­falls noch Nach­hol­be­darf in die­sem Seg­ment. Wenn wir hier ein biss­chen mehr für uns trom­meln, wird die Nach­fra­ge aber stei­gen.“Die Hür­den sind al­ler­dings hoch: In­ter­es­sen­ten müs­sen selbst in den Bau­markt ge­hen, sich so ei­ne Box kau­fen und die­se sel­ber in­stal­lie­ren.

Ein Kas­ten kos­tet zwi­schen 300 bis 400 Eu­ro. Es gibt aber auch Käs­ten, die bis zu 1000 Eu­ro kos­ten. „Von der Be­leuch­tung bis zur Darstel­lung der Haus­num­mer gibt es da die ver­schie­dens­ten Mo­del­le“, er­klärt An­ger ei­nen Teil des Pro­blems. Wie vie­le Bo­xen mit Par­celLock-Sys­tem ak­tu­ell in Be­trieb sind, will er „aus Wett­be­werbs­grün­den“nicht nen­nen.

Par­celLock lie­fert auch die Soft­ware für Bo­xen in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern: „Bei den Mehr­fa­mi­li­en­häu­ern läuft die Ver­wal­tung über den Ver­mie­ter und wird üb­li­cher­wei­se auf die Be­triebs­kos­ten um­ge­legt.“Das macht die Sa­che ein­fa­cher – laut An­ger ver­fünf­fach­te sich 2018 die Zahl der Käs­ten in die­sem Be­reich. Das drit­te Seg­ment, auf das sich Par­celLock kon­zen­triert, sind öf­fent­li­che Pa­ket­sta­tio­nen.

Das Pa­ket­vo­lu­men wer­de in den nächs­ten acht bis zehn Jah­ren von drei Mil­li­ar­den auf sechs Mil­li­ar­den Stück stei­gen, Der Be­darf so An­ger. Die Bran­che wer­de sich ra­di­kal ver­än­dern. „Ama­zon ist der do­mi­nie­ren­de Platz­hirsch in Deutsch­land im E-Com­mer­ce. Wenn chi­ne­si­sche Be­wer­ber wie Ali­ba­ba auch noch in den deut- schen Markt ein­tre­ten wer­den, dann muss sich je­der die Fra­ge stel­len, wie er sich in Zu­kunft stra­te­gisch auf­stellt“, er­klärt An­ger.

Das The­ma „Click and Collect“sei des­halb für die Zu­kunft span­nend – so­wohl für den Ein­zel­han­del als auch den Pa­ket­ver­sand. „Sie be­stel­len bei­spiels­wei­se bei Ama­zon, das Pa­ket kommt in die Pa­ket­sta­ti­on bei ei­ner DM-Fi­lia­le und sie kön­nen dort auch gleich ihr Dusch­gel kau­fen, wäh­rend sie das Pa­ket ab­ho­len“, so An­ger. Al­so ein Stopp, wo Kun­den al­les er­le­di­gen kön­nen. „Das ist auch die Ant­wort, die der Han­del braucht.“

Ins­ge­samt wer­de es aber nicht die ei­ne Tech­no­lo­gie ge­ben, die die Lö­sung ist, glaubt An­ger: „Es gibt ver­schie­dens­te Tech­no­lo­gi­en wie Lie­fer­r­o­bo­ter, Droh­nen, Kof­fer­raum­zu­stel­lung. Die wer­den al­le ih­re Be­rech­ti­gung ha­ben. Ich glau­be es wird ein Mix sein aus Hau­stür­zu­stel­lung als Pre­mi­um­pro­dukt, Pa­ket­shops als Ent­las­tung und Pa­ket­sta­tio­nen auf öf­fent­li­chen Plät­zen.“Ge­ra­de bei den öf­fent­li­chen Pa­ket­sta­tio­nen sieht An­ger noch Luft nach oben: „Wir ha­ben si­cher den Be­darf von 5000 bis 6000 neu­en Pa­ket­sta­tio­nen in Deutsch­land.“

Fo­to: im­a­go/Rust

an Pa­ket­sta­tio­nen wird wei­ter stei­gen.

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