„Wir ha­ben nun wirk­lich ge­lie­fert“

Snow­boar­de­rin Se­li­na Jörg über ih­ren WM-Ti­tel, neue Trends und die schwie­ri­ge Fi­nan­zie­rung ih­res Sports Se­li­na Jörg, 31,

Der Tagesspiegel - - SPORT -

Frau Jörg, wo er­wi­schen wir Sie denn ge­ra­de?

Ich bin zu­letzt ein paar Ta­ge in Süd­ko­rea ge­we­sen. Man kommt ja gut rum in so ei­ner Sai­son.

Er­zäh­len Sie mal.

Vor ei­nem Mo­nat war ich noch in Mos­kau. Dann in den USA und in Ko­rea. Jetzt geht es wei­ter nach Chi­na.

Klingt an­stren­gend.

Es macht vor al­lem Spaß. Aber ja, es ist auch an­stren­gend. Vor al­lem na­tür­lich die gan­ze Flie­ge­rei mit dem vie­len Ge­päck, ei­ne gro­ße Ta­sche plus zwei Sport­bags. Und dann die un­ter­schied­li­chen Zeit­zo­nen.

Der Stress hat sich ge­lohnt: Sie sind in der ver­gan­ge­nen Wo­che Welt­meis­te­rin im Pa-

ge­wann bei den Olym­pi­schen Spie­len 2018 die Sil­ber­me­dail­le und zu­letzt den WM-Ti­tel. Ne­ben den Welt­cup­ren­nen mach­te sie ei­nen Mas­ter in Wirt­schafts­psy­cho­lo­gie.

ral­lel-Rie­sen­sla­lom ge­wor­den. Herz­li­chen Glück­wunsch.

Vie­len Dank. Ich bin sehr glück­lich dar­über. Es be­deu­tet mir noch mehr als die Sil­ber­me­dail­le bei den Olym­pi­schen Spie­len im ver­gan­ge­nen Jahr in Pyeong­chang. Wenn man ganz vor­ne ist, ist das ein­fach noch­mal was an­de­res.

Im Vier­tel­fi­na­le muss­ten Sie Ih­re Team­kol­le­gin Ca­ro­lin Lan­gen­horst aus­schal­ten.

Ja, und es ist im­mer be­son­ders doof, wenn man so früh mit ei­ner Freun­din auf­ein­an­der­trifft. Aber so ist das eben in dem Sport. Je­den­falls ha­ben wir uns gleich im Ziel um­armt.

Mit 31 Jah­ren war das bis­her Ihr größ­ter Er­folg. War­um hat es so lan­ge ge­dau­ert? Das Ma­te­ri­al und die Phy­sis sind wich­ti­ge Fak­to­ren. Aber ich den­ke in­zwi­schen, dass der Kopf ent­schei­dend ist. Und durch mei­ne Er­fah­rung las­se ich mich nicht mehr so schnell aus der Ru­he brin­gen.

Sie sind im All­gäu auf­ge­wach­sen. Wie sind Sie zum Snow­board ge­kom­men?

Im All­gäu kommt man ja qua­si mit den Ski­ern auf die Welt. So war das auch bei mir. Mit drei Jah­ren ha­be ich schon auf Ski­ern ge­stan­den, mit neun Jah­ren bin ich auf Snow­board um­ge­stie­gen. Da hat mich mei­ne gro­ße Schwes­ter in­spi­riert. Und das war ja auch der Trend da­mals.

Das ist heu­te an­ders. Im Win­ter­sport do­mi­nie­ren wie­der ein­deu­tig die Ski­fah­rer.

Das stimmt. Seit die Car­ving-Skier auf­ge­kom­men sind, hat sich der Trend wie­der um­ge­dreht. Und das mer­ken wir na­tür­lich.

In­wie­fern?

Vor al­lem das öf­fent­li­che In­ter­es­se hat wie­der ab­ge­nom­men. Wir be­kom­men ja kaum noch Fern­seh­zei­ten, ob­wohl die Quo­ten im­mer gut sind, wenn wir mal über­tra­gen wer­den. Aber das Spon­so­ring fällt und steht ein­fach mit der Län­ge der Fern­seh­über­tra­gung. Das spü­ren wir sehr stark.

Sie sind bei der Bun­des­wehr an­ge­stellt. Wä­re Ih­re sport­li­che Kar­rie­re oh­ne die För­de­rung mög­lich?

Nein, oh­ne die För­de­rung wä­re das nicht fi­nan­zier­bar, das ist ganz klar. Für das, was wir an Preis- und Spon­so­ren­gel­dern in ei­ner Sai­son be­kom­men, schnü­ren sich die Pro­fi­fuß­bal­ler nicht ein­mal die Schu­he. Da­bei ha­ben wir nun wirk­lich ge­lie­fert und vie­le Er­fol­ge ge­fei­ert. Zu­dem ha­ben wir tol­le Per­sön­lich­kei­ten, die viel zu er­zäh­len ha­ben. Von da­her weiß ich nicht, was zu­min­dest wir noch al­les ma­chen müs­sen, um Snow­board nach vor­ne zu brin­gen.

Wie lan­ge wol­len Sie noch fah­ren?

Al­so die nächs­ten Olym­pi­schen Spie­le wer­de ich nicht mehr mit­ma­chen. Ich wer­de nun die Sai­son sa­cken las­sen und dann mal über­le­gen, wie es wei­ter­geht. als Schwarz, der in der Sai­son ei­ner der bes­ten Sla­lom­fah­rer ist. „Im un­te­ren Hang bin ich et­was zu hart ge­fah­ren, lei­der“, mein­te er. Im­mer­hin: So gut wie Stra­ßer war in ei­ner WM-Kom­bi­na­ti­on zu­letzt Mar­kus Was­mei­er 1989.

Au­ßer­dem soll die ers­te so­li­de Leis­tung der ge­sam­ten Sai­son – in dem er es in acht Welt­cup-Sla­loms kein ein­zi­ges Mal in den zwei­ten Lauf ge­schafft hat­te – dem Sport­ler des TSV 1860 Mün­chen Mut ma­chen für den Team-Event am Diens­tag (16.00 Uhr/ZDF und Eu­ro­sport). Dort ist er der stärks­te Ath­let der deut­schen Trup­pe, die um die Me­dail­len mit­fah­ren will. „Ich ha­be wie­der ein gu­tes Ski­ge­fühl ge­fun­den“, sag­te er. dpa

Fo­to: Alex Good­lett/dpa

Auf Kan­te. Bei den Welt­meis­ter­schaf­ten in Park Ci­ty/Utah (USA) war Se­li­na Jörg am ers­ten Fe­bru­ar­wo­chen­en­de im Par­al­lel-Sla­lom nicht zu schla­gen. Ins­ge­samt hol­ten die deut­schen Star­ter fünf Me­dail­len in den Ab­tei­lun­gen Race und Cross.

Fo­to: dpa

— Das Ge­spräch führ­te Mar­tin Ein­sied­ler. Viel ris­kiert. Und trotz­dem reicht es für Li­nus Stra­ßer nicht zu ei­ner Me­dail­le.

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