Nürn­bergs Coach Köll­ner vor dem Aus

Auf­sichts­rat setzt auf ei­nen Trai­ner­wech­sel

Der Tagesspiegel - - SPORT -

Nürn­berg - Als der 1. FC Nürn­berg am Sams­tag zu Han­no­ver 96 fuhr, war der Spott groß. Der Vor­letz­te traf auf den Letz­ten, frän­ki­sche Angst­ha­sen­fuß­bal­ler auf nie­der­säch­si­sche Nichts­kön­ner, ein eu­pho­rie­lo­ser Auf­stei­ger auf ei­nen im Kind-Cha­os be­find­li­chen Tra­di­ti­ons­klub, der kurz zu­vor den Trai­ner aus­ge­tauscht hat­te, der wie­der­um beim 0:3 ge­gen Leip­zig ei­nen ver­hee­ren­den Ein­stand er­lebt hat­te. Da­zu exis­tier­ten die­se trau­ri­gen Bi­lan­zen: Neun Spie­le war Han­no­ver vor dem Heim­spiel ge­gen Nürn­berg sieg­los ge­blie­ben, gar 14 der „Club“, der Be­griff „El Ka­cki­co“mach­te in den so­zia­len Me­di­en die Run­de. Dass der „El Ka­cki­co“mit „El Cla­si­co“, dem Du­ell zwi­schen Re­al Ma­drid und dem FC Bar­ce­lo­na, we­nig ge­mein ha­ben wür­de, be­wies das Spiel – ein 2:0 für Han­no­ver – dann auch. Nur ei­ne Sa­che war qua­si wie bei „El Cla­si­co“: In den Rei­hen der Ver­lie­rer wur­de in­ten­siv nach den Schul­di­gen ge­fahn­det. Im kon­kre­ten Fall lau­te­te die Fra­ge beim 1. FC Nürn­berg: Ist Trai­ner Micha­el Köll­ner noch der rich­ti­ge Mann an der Sei­ten­li­nie?

Am Mon­tag­abend soll es ei­ne Ant­wort ge­ge­ben ha­ben, zu­min­dest nach In­for­ma­tio­nen der „Bild“-Zei­tung. Dem­nach steht Köll­ner un­mit­tel­bar vor der Be­ur­lau­bung beim FCN. Ei­ne Mehr­heit im Auf­sichts­rat des Ta­bel­len­letz­ten der Fuß­ball-Bun­des­li­ga will dem­zu­fol­ge ei­nen neu­en Coach. Al­ler­dings soll Sport­vor­stand Andre­as Bor­ne­mann wei­ter zu Köll­ner ste­hen.

Der Auf­sichts­rat der Nürn­ber­ger, ein Kon­troll­gre­mi­um, war am Mon­tag zu­sam­men­ge­kom­men, um über die Kri­se des Ver­eins und die Zu­kunft von Köll­ner zu be­ra­ten. Of­fi­zi­el­le Stel­lung­nah­men gab es zu­nächst nicht.

Bor­ne­mann und Fi­nanz­vor­stand Niels Ros­s­ow ver­ant­wor­ten beim seit 15 Bun­des­li­ga­spie­len sieg­lo­sen Ver­ein das Ta­ges­ge­schäft. Ent­schei­dun­gen wie in ei­ner Trai­ner­fra­ge er­for­dern im Vor­stand „die ein­fa­che Mehr­heit der ab­ge­ge­be­nen Stim­men“, heißt es in der Sat­zung des Ver­eins. Al­ler­dings steht dort auch: „Bei Stim­men­gleich­heit hat je­des Vor­stands­mit­glied das Recht, die An­ge­le­gen­heit dem Auf­sichts­rat zur Ent­schei­dung vor­zu­le­gen.“

Bor­ne­mann hat­te auch nach dem 0:2 im ver­meint­li­chen Ab­stiegs­end­spiel am Sams­tag bei Han­no­ver 96 Köll­ner den Rü­cken ge­stärkt. „Ich se­he kei­nen An­satz- punkt, dar­über zu dis­ku­tie­ren“, sag­te der Nürn­ber­ger Sport­vor­stand zu ei­ner Trai­ner-De­bat­te. „Mit elf ge­gen elf hät­ten wir gu­te Chan­cen ge­habt, die Mann­schaft ist in­takt, des­halb stellt sich die Fra­ge für mich nicht.“Die Nürn­ber­ger muss­ten in Nie­der­sach­sen nach ei­ner Ro­ten Kar­te we­gen gro­ben Fouls ge­gen Youngs­ter Si­mon Rhein (11. Mi­nu­te) fast das kom­plet­te Spiel in Un­ter­zahl be­strei­ten.

Un­ter dem Strich feh­len je­doch ein­fach gu­te Re­sul­ta­te. Letzt­mals ge­wann der neun­ma­li­ge deut­sche Meis­ter En­de Sep­tem­ber ei­ne Par­tie in Deutsch­lands höchs­ter Spiel­klas­se. Den­noch be­trägt der Ab­stand auf Re­le­ga­ti­ons­rang 16 nur drei Punk­te. „Wir wer­den uns jetzt nicht fal­len­las­sen, son­dern die Box­hand­schu­he raus­ho­len und al­les da­für ge­ben, dass die­ser Ver­ein in der ers­ten Li­ga bleibt“, hat­te Tor­wart Chris­ti­an Ma­the­nia in Han­no­ver ge­sagt.

„Wir be­fin­den uns in ei­nem Dis­kus­si­ons­pro­zess“, hat­te Auf­sichts­rats­boss Tho­mas Greth­lein den „Nürn­ber­ger Nach­rich­ten“nach ei­nem Tref­fen am Sonn­tag noch ge­sagt. Es ge­be „für al­les ein Für und Wi­der“, es ge­be je­doch „kei­nen Zeit­plan“für mög­li­che Ent­schei­dun­gen. dpa

Fo­to: S. Pfört­ner/dpa

Hil­fe von oben. Al­les an­de­re bringt Micha­el Köll­ner wohl nichts mehr.

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