Welt­macht Mu­sik

Weib­lich do­mi­niert: Die 61. Gram­my-Ver­lei­hung mit Mi­chel­le Oba­ma, Ali­cia Keys und La­dy Ga­ga

Der Tagesspiegel - - BERLINALE/KULTUR - Von Ger­rit Bar­tels

Sän­ge­rin­nen und Mu­si­ke­rin­nen der Bran­che. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de mas­siv Kri­tik dar­an ge­übt, dass wie­der über­wie­gend Män­ner no­mi­niert wor­den wa­ren und dem­ent­spre­chend vie­le Prei­se ge­won­nen hat­ten. In vier der wich­tigs­ten Ka­te­go­ri­en, dar­un­ter dem Al­bum des Jah­res, dem Song des Jah­res und dem „Best New Ar­tist“hat­te es dies­mal nun gleich acht statt der üb­li­chen fünf No­mi­nie­run­gen ge­ge­ben, um für mehr Di­ver­si­tät zu sor­gen. Die Gram­my-Aca­de­my hat­te sich selbst neue Mit­glie­der und Sta­tu­ten ge­ge­ben, und wäh­rend der über drei­stün­di­gen Show wa­ren es über­wie­gend weib­li­che Acts, die auf der Büh­ne für die mu­si­ka­li­schen Ein­la­gen sorg­ten.

Was die Awards be­trifft, wer­den die­se Gram­mys als sol­che in Er­in­ne­rung blei­ben, bei de­nen Mu­si­ke­rin­nen am er­folg­reichs­ten wa­ren. (Mit der Er­in­ne­rung ist es an­ge­sichts der Viel­zahl der Prei­se so­wie­so Jahr für Jahr frag­lich : Es gibt 84 Ka­te­go­ri­en!).

Der Coun­try-Star Kacey Mus­gra­ves ge­wann den Gram­my für das bes­te Al­bum des Jah­res, für „Gol­den Hour“, so­wie drei wei­te­re Prei­se. Mus­gra­ves re­prä­sen­tiert das wei­ße Ame­ri­ka, das Ur-Ame­ri­ka, wenn man so will, das glo­bal, an­ders als R&B und Hip-Hop, nur ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le spielt. Drei Gram­mys gin­gen an La­dy Ga­ga, un­ter an­de­rem für die bes­te So­lo-Per­for­mance mit ih­rem Song „Jo­an­ne (Whe­re Do You Think You’re Go­in’)“. Und zwei­mal wur­den die Sän­ge­rin­nen H.E.R. und Dua Li­pa aus­ge­zeich­net, ers­te­re für das bes­te R&B-Al­bum und die bes­te R&B-Per­for­mance, letz­te­re, aus Groß­bri­tan­ni­en stam­mend, als bes­te neue Künst­le­rin und für die bes­te Tanz-Auf­nah­me. Ei­ner der gro­ßen Ge­win­ner war über­dies der Rap­per Chil­dish Gam­bi­no, der bür­ger­lich Do­nald Gl­over heißt. Für „This Is Ame­ri­ca“be­kam er den Gram­my für den bes­ten Song des Jah­res und den für die bes­te Rap-Per­for­mance, was bei­des auch an dem Vi­deo lie­gen dürf­te, in dem pro­vo­zie­rend bru­tal er­zählt wird, was es heißt, in den USA schwarz und chan­cen­los zu sein.

Selbst die Awards an Chil­dish Gam­bi­no wa­ren ei­ne be­wuss­te De­mons­tra­ti­on, wur­de doch der Gram­my-Aca­de­my in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der vor­ge­hal­ten, trotz stän­di­ger No­mi­nie­run­gen zu we­ni­ge Rap- und R&B- Acts in den wich­tigs­ten Ka­te­go­ri­en aus­zu­zeich­nen. Des­halb mach­ten Rap­per wie Jay-Z oder Kanye West oft Är­ger oder blie­ben den Ver­lei­hun­gen fern, so wie in die­sem Jahr eben je­ner Chil­dish Gam­bi­no und Kend­rick La­mar. Auch der ka­na­di­sche Rap­per Dra­ke woll­te nicht kom­men, war aber dann über­ra­schen­der­wei­se doch da, nahm sei­nen Preis für den bes­ten Rap- Song des Jah­res ent­ge­gen und sprach in sei­ner Dan­kes­re­de da­von, wie weit ei­ne Ver­an­stal­tung wie die­se von den Stra­ßen und Vier­teln ent­fernt sei, in de­nen Rap­mu­sik und Hip-Hop ge­hört wer­de: „In die­sem Busi­ness gibt es hau­fen- wei­se Leu­te, die sich wo­mög­lich nicht vor­stel­len kön­nen, was ein ka­na­di­sches Kind ge­misch­ter Ab­stam­mung oder ein coo­les spa­ni­sches Mäd­chen oder ein Bru­der aus Hous­ton zu sa­gen ha­ben. Man hat als Mu­si­ker schon ge­won­nen, wenn es Leu­te gibt, die dei­ne Songs Wort für Wort mit­sin­gen.“. Und dann hielt er den Gram­my für sei­nen un­säg­li­chen Song „God’s Plan“(und ver­mut­lich für das noch un­säg­li­che­re Ich-ver­schen­ke-an-die-Ar­men­ei­ne- Mil­li­on- Dol­lar- auf- der- Stra­ße-Vi­deo) hoch und sprach: „Das hier brauchst du nicht.“

Da­mit macht er na­tür­lich Punk­te bei sei­nen Fans. In Dra­kes Fest­stel­lung klang aber mit an, ob es die Gram­mys über­haupt noch braucht. Ob sie mehr sind als ei­ne rei­ne Eh­rer­wei­sung für Pop­mu­si­ker, die am En­de ih­rer Kar­rie­ren sa­gen kön­nen, mehr­fa­che Gram­my-Sie­ge­rin­nen zu sein?

Die Zu­kunft der Pop­mu­sik lässt sich hier je­den­falls nie in An­sät­zen aus­ma­chen. Da­für fehlt es den Gram­my-No­mi­nie­run­gen an jed­we­der Über­ra­schung, ist die Gram­my-Ver­lei­hung trotz po­li­ti­scher State­ments das ul­ti­ma­ti­ve Main­stream­Pop-Er­eig­nis, ist der Pop über­haupt, der gu­te zu­mal, viel zu flüch­tig.

Statt­des­sen geht es hier nach wie vor dar­um, dass die Grö­ßen der Bran­che sich selbst fei­ern. Im­mer­hin sprach Ali­cia Keys nach den Wor­ten Mi­chel­le Oba­mas da­von, dass sie hier und heu­te „die Grö­ße von uns und in uns al­len durch Mu­sik“fei­ern woll­ten. Viel­leicht hilft den Gram­mys dann ja auch Keys schön rhe­to­risch ge­mein­te Fra­ge: „Who runs the world?“Die be­ju­bel­te auch ei­ner wie Dra­ke.

Chil­dish Gam­bi­no ge­wann zwei Gram­mys mit „This Is Ame­ri­ca“

Frau­en­power.

Fo­tos: Reu­ters/Mi­ke Bla­ke (2), Ma­rio An­zuo­ni

Ali­cia Keys po­siert mit Mi­chel­le Oba­ma und Ja­da Pin­kett Smith (gro­ßes Bild), Kacey Mus­gra­ves freut sich über den Gram­my für ihr Al­bum „Gol­den Hour“(oben rechts), H.E.R. ge­wann die Aus­zeich­nun­gen in den Ka­te­go­ri­en „Best R&B Al­bum“und „Best R&B Per­for­mance“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.