Im La­by­rinth der Er­in­ne­rung

Te­enager­bo­ckig­keit: „Man you“von Zhu Xin im

Der Tagesspiegel - - BERLINALE/KULTUR - Es­t­her Buss

FO­RUM

Als die 14-jäh­ri­ge Li Sen­lin heim­lich ih­rem Va­ter folgt, fällt sie mit Roll­schu­hen in ei­nen Brun­nen – und aus dem Film­bild. Die fol­gen­den Wirk­lich­keits­ver­schie­bun­gen könn­ten da­mit zu tun ha­ben. „Man you“spielt im chi­ne­si­schen Hang­zhou am Kai­ser­ka­nal. Der Ort ur­ba­ni­siert ra­sant, doch wirkt to­po­gra­fisch ver­wirrt: Glei­se, Un­ter­füh­run­gen, an­ony­me Hoch­haus­rei­hen, aber auch Wäl­der, Se­en, Höh­len. Der jun­ge chi­ne­si­sche Re­gis­seur Zhu Xin baut sich in sei­nem De­büt­film aus Er­in­ne­rungs­frag­men­ten ei­ne Welt.

Sen­lin schreibt ei­nen Schul­auf­satz. Ih­re Ge­schich­te über ein Raum­schiff, die über den Film ver­teilt in Un­ter­ti­teln zu le­sen ist, spinnt die Er­zäh­lun­gen ih­rer Tan­te Qiu wei­ter, die ge­ra­de zu Be­such ist. Qi­us Er­in­ne­run­gen an ih­ren ver­stor­be­nen Mann neh­men jen­seits des Ge­schrie­be­nen ein Ei­gen­le­ben an. Auch kommt es zu un­ver­bun­de­nen Vor­fäl­len mys­te­riö­ser Art. Sen­lins Schild­krö­te ver­schwin­det. Ei­ne La­den­be­sit­ze­rin wird von ih­rem An­ge­stell­ten er­sto­chen, auf der Flucht springt er in den Ka­nal. Da­zwi­schen: Die Lan­ge­wei­le und Te­enager­bo­ckig­keit ei­nes her­an­wach­sen­den Mäd­chens. Für Fil­me wie „Man you“wur­de der Be­griff „mä­an­dernd“er­fun­den. Die Ka­me­ra schweift um­her, scheint im­mer tie­fer in ei­ne Wirk­lich­keit ein­zu­drin­gen, in der Er­in­ne­rung, Ver­gan­gen­heit und Fik­ti­on zugleich exis­tie­ren. Xin ver­gleicht sei­nen Film mit ei­nem klei­nen Park. Ein schö­nes Bild. Man kann sich auf den la­by­rin­thi­schen Pfa­den ver­lie­ren.

— 12.2., 19.30 Uhr (Co­los­se­um 1), 16.2., 16.30 (Ci­ne­star 8) Es war kei­ner der üb­li­chen Pop­stars, der die­se 61. Gram­my-Ver­lei­hung in Los An­ge­les zu ei­ner be­son­de­ren mach­te. Zu­min­dest kein Pop­star mit ei­nem mu­si­ka­li­schen Werk – son­dern Mi­chel­le Oba­ma, die eins­ti­ge First La­dy der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Gleich nach der Be­grü­ßung hieß Mo­de­ra­to­rin Ali­cia Keys ein paar ih­rer „Schwes­tern“will­kom­men, und Mi­chel­le Oba­ma kam in ei­nem grau-glit­zern­den Kleid auf die Büh­ne, zu­sam­men mit den Mu­si­ke­rin­nen La­dy Ga­ga, Ja­da Pin­kett Smith und Jen­ni­fer Lopez. Ihr kur­zer Auf­tritt war der frü­he Hö­he­punkt die­ser Nacht, ob­wohl Oba­ma we­der ei­ne Kan­di­da­tur für das Prä­si­den­ten­amt ver­kün­de­te, was vie­le Ame­ri­ka­ner und Ame­ri­ka­ne­rin­nen hof­fen, noch sonst ex­pli­zit po­li­tisch wur­de.

Mi­chel­le Oba­ma sprach über Mu­sik, dar­über, wie sie ihr im­mer ge­hol­fen ha­be, „mei­ne Ge­schich­te zu er­zäh­len“. Dass Mu­sik über­haupt hel­fe, egal ob Coun­try, Rock oder Rap, „et­was über un­se­re Wür­de und Sor­gen, un­se­re Hoff­nun­gen und Freu­den mit­zu­tei­len“. Und­dass sie zei­ge, wie wich­tig „je­de Ge­schich­te in je­der Stim­me ist, je­de No­te in je­dem Song “.

Im Zei­chen der Mu­sik al­so stand die­se Gram­my-Ver­lei­hung, so hat­te es Ali­cia Keys in ih­rer klei­nen Be­grü­ßungs­an­spra­che vor­ge­ge­ben, und die Po­li­tik schwang die­ses Mal, zwei Jah­re nach Do­nald Trumps Amts­an­tritt, nur­mehr zwi­schen den An­spra­chen und Song­zei­len mit. Vor al­lem do­mi­nier­ten, auch das zeig­te Oba­mas Auf­tritt im Kreis ih­rer „Sis­ters“, die

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