Komm, lasst uns tan­zen!

Ein bun­ter Abend mit Avi Avi­tal und „The Knights“im Kon­zert­haus

Der Tagesspiegel - - BERLINALE/KULTUR - Fre­de­rik Hans­sen

Kaum hat Avi Avi­tal mit dem Plek­trum die ers­ten Tö­ne auf sei­ner Man­do­li­ne an­ge­ris­sen, spie­len die Mu­si­ker und Mu­si­ke­rin­nen um ihn her­um wie aus­ge­wech­selt. Mit Ver­ve näm­lich und Vi­ta­li­tät. Und nicht so ent­täu­schend span­nungs­arm wie zu­vor. Wer das En­sem­ble „The Knights“bis­lang nur von ih­ren in­tel­li­gent ge­mach­ten, sti­lis­tisch stets wild ge­mix­ten CDs kann­te, reibt sich Au­gen und Oh­ren: Bei der brav in Schlips und Kra­gen ge­wan­de­ten Trup­pe, die am Sonn­tag im Kon­zert­haus am Gen­dar­men­markt an­tritt, han­delt es sich aber tat­säch­lich um je­ne coo­le For­ma­ti­on aus New York, die sich En­de der Neun­zi­ger­jah­re bei nächt­li­chen Ses­si­ons in der Woh­nung der Brü­der Eric und Co­lin Ja­cob­sen in Brook­lyn zu­sam­men­ge­fun­den hat.

Drei Wer­ke fran­zö­si­scher Ba­rock­kom­po­nis­ten er­öff­nen den Abend, doch wie hier Je­an-Fé­ry Re­bels „Le Cah­os“, Ra­me­aus „Zo­ro­ast­re“-Ou­ver­tü­re so­wie die Cou­pe­r­in-Be­ar­bei­tun­gen von Tho­mas Adès er­klin­gen, steht in Sa­chen tech­ni­scher Prä­zi­si­on und klang­li­cher Plas­ti­zi­tät weit hin­ter dem zu­rück, was man auf die­sem Ge­biet von den eu­ro­päi­schen Al­te-Mu­sik-Spe­zia­lis­ten ge­wohnt ist.

Zum Glück tritt da­nach Avi Avi­tal auf, mit sei­ner Be­ar­bei­tung von Bachs Cem­ba­lo­kon­zert BWV 1052 für Man­do­li­ne. So au­ra­tisch ist sein Spiel da­bei, so vor­wärts­drän­gend, so voll Lei­den­schaft und Le­bens­freu­de, dass nach dem ers­ten Satz spon­ta­ner Ap­plaus auf­bran­det. Weil der wun­der­ba­re Vir­tuo­se sei­ne Ener­gie eben Mann und Man­do­li­ne. auch auf sei­ne Be­glei­ter zu über­tra­gen weiß. Darstel­len­des Spiel möch­te man das nen­nen, was Avi­tal da macht. Weil die Tö­ne sich sei­nes gan­zen Kör­pers be­mäch­ti­gen, durch ihn hin­durch strö­men – und sein zar­tes In­stru­ment sich dar­um mü­he­los ge­gen das Orches­ter be­haup­ten kann, er zum pri­mo bal­le­ri­no wird in die­ser an­mu­ti­gen In­ter­pre­ta­ti­on.

Auch bei den Zu­ga­ben wer­den spä­ter Avi­tals Stü­cke die Hits sein, von flir­ren­der At­mo­sphä­re ge­präg­te Tän­ze mit flink­fing­ri­gen Im­pro­vi­sa­ti­ons­ein­la­gen. Da­zwi­schen gilt es ei­ne Auf­füh­rung von Beet­ho­vens ach­ter Sin­fo­nie an­zu­hö­ren, bei der Di­ri­gent Eric Ja­cob­sen im­mer dort, wo es span­nend wer­den könn­te, wo die Par­ti­tur Fra­gen auf­wirft, be­den­ken­los über die De­tails hin­weg spie­len lässt.

„The Knights“re­kla­mie­ren für sich, dass sie se­rious about ha­ving fun sind, al­so das Spaß­ha­ben ernst neh­men. Die Ent­spannt­heit auf der Büh­ne, die vie­len im Saal gut ge­fällt, muss aber auch mit ei­nem be­stimm­ten Ni­veau an Spiel­kul­tur ein­her­ge­hen, wenn man im Ber­li­ner Kon­zert­haus auf­tre­ten will.

Fo­to: Je­an-Bap­tis­te Mil­lot/DG

Avi Avi­tal. Der 40-jäh­ri­ge Is­rae­li

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