Pots­dam sam­melt für ein Bür­ger­mo­bil

Da­mit al­te oder be­hin­der­te Men­schen un­ter­wegs sein kön­nen, soll ei­ne Rik­scha zum Ver­lei­hen an­ge­schafft wer­den

Der Tagesspiegel - - BERLIN/BRANDENBURG - Von Bir­te Förs­ter Pots­dam - Trotz

kör­per­li­cher Ein­schrän­kung un­ter frei­em Him­mel Spa­zier­fahr­ten durch die Stadt un­ter­neh­men: Das möch­te die Bür­ger­stif­tung Pots­dam al­te Men­schen oder Men­schen mit Be­hin­de­rung mit ei­nem so­ge­nann­ten Bür­ger­mo­bil er­mög­li­chen. Eh­ren­amt­li­che und An­ge­hö­ri­ge la­den dem­nach da­zu ein und kut­schie­ren ih­re Gäs­te in ei­ner Rik­scha durch die Stadt.

In ei­nem An­hän­ger be­fin­den sich zwei Sitz­plät­ze, die­ser wird von ei­nem Fahr­rad, aus­ge­stat­tet mit ei­nem Elek­tro­mo­tor, ge­zo­gen. So be­schreibt Ma­rie-Lui­se Glahr, die Vor­stands­vor­sit­zen­de der ge­mein­nüt­zi­gen Bür­ger­stif­tung, das ge­plan­te Mo­dell, „um mo­bi­li­täts­ein­ge­schränk­ten Men­schen es trotz­dem zu er­mög­li­chen, ra­delnd die Stadt zu er­le­ben“.

Die Rik­scha soll na­tür­lich leicht be­nutz­bar sein, ei­nen Stau­raum für ei­nen Roll­stuhl oder Rol­la­tor er­hal­ten so­wie ei­nen Wind- und Wet­ter­schutz bie­ten. Zur Aus­stat­tung ge­hö­ren auch An­schnall­gur­te, und „al­les, was man im Stra­ßen­ver­kehr so braucht“, sagt Glahr. Vor je­dem Verleih soll es ei­ne tech­ni­sche Ein­wei­sung ge­ben. Auch wenn es dank des E-Mo­tors et­was leich­ter vor­an­geht: Der Fah­rer soll­te kör­per­lich in der La­ge sein, das Ge­fährt zu steu­ern. Da­für sucht die Bür­ger­stif­tung aber eben auch Eh­ren­amt­li­che. Der Plan ist, dass In­ter­es­sier­te das Bür­ger­mo­bil kos­ten­los lei­hen kön­nen.

Erst mal muss die Fahr­rad-Rik­scha aber ge­baut wer­den und da­für sam­melt die Bür­ger­stif­tung der­zeit noch Spen­den. Über ei­ne Crowd­fun­ding-Platt­form kön­nen Un­ter­stüt­zer bis zum 3. Ju­ni für das Pro­jekt spen­den. Bis­lang sind 1450 Eu­ro zu­sam­men­ge­kom­men, 9000 Eu­ro wer­den aber ge­braucht. Wenn die Sum­me bis zum Da­tum nicht zu­sam­men­kommt, er­hal­ten die Spen­der ihr Geld zu­rück, er­klärt die Vor­stands­vor­sit­zen­de. Zu­sätz­lich hat die Bür­ger­stif­tung bei der Ak­ti­on Mensch ei­nen För­der­an­trag ge­stellt.

Auf die Idee für das Pro­jekt ka­men Ver­tre­ter der Stif­tung durch Kon­tak­te zu ei­nem Se­nio­ren­heim. „Da se­hen wir aus ers­ter Hand wie klein der Ra­di­us wird, wenn man be­we­gungs­ein­ge­schränkt wird“, sagt Glahr. Da­bei denkt sie auch an die Ent­wick­lung der Stadt und die Ent­ste­hung der neu­en Stadt­mit­te. „Es soll­te al­len mög­lich sein, das mit­zu­er­le­ben.“Auch im Hin­blick auf den de­mo­gra­fi­schen Wan­del sei­en sol­che Pro­jek­te wich­tig.

Glahr kennt be­reits ein er­folg­rei­ches Bei­spiel: Der Ver­ein Bue­fet aus dem ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Kirch­heim un­ter Teck ha­be über ei­ne Crowd­fun­ding-Ak­ti­on zwei Fahr­rad-Rik­schas an­ge­schafft, er­zählt Glahr. In Ber­lin bie­tet der Ver­ein „Radeln oh­ne Al­ter“Rik­scha-Tou­ren für Be­woh­nern von Al­ters- und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen ein – Fah­rer sind eh­ren­amt­li­che Hel­fer. Auch in Bees­kow gibt es ei­nen Stand­ort, so wie in vie­len an­de­ren bun­des­deut­schen Städ­ten So sieht das Pots­da­mer Bür­ger­mo­bil aus. Es soll ei­ne Pas­sa­gier­ka­bi­ne und ei­nen Elek­tro­mo­tor zur Un­ter­stüt­zung des Fah­rers er­hal­ten.

Wenn das Geld fürs Bür­ger­mo­bil zu­sam­men­ge­kom­men ist, möch­te die Bür­ger­stif­tung laut Glahr zu­nächst ei­ne Fahr­rad-Rik­scha in der Ber­li­ner Fahr­rad­ma­nu­fak­tur her­stel­len las­sen. Ge­plant ist, dass da­nach wei­te­re da­zu­kom­men. Mög­lichst je­der Stadt­teil soll ir­gend­wann über ei­ne ver­fü­gen, wünscht sich Glahr. „Wenn man erst mal ein Bür­ger­mo­bil hat, ist es leich­ter, die Men­schen da­für zu be­geis­tern.“Po­si­ti­ve Re­so­nan­zen auf ihr Pro­jekt ha­be es be­reits von ei­nem Pots­da­mer Ho­tel ge­ge­ben, das re­gel­mä­ßig äl­te­re Gäs­te be­her­bergt.

Wo und für wie lan­ge das Bür­ger­mo­bil künf­tig ver­lie­hen wer­den soll, sei der­zeit noch of­fen, so Glahr. Da­für sei­en sie be­reits mit ver­schie­de­nen Ein­rich­tun­gen wie dem Haus der Be­geg­nung so­wie mit dem Be­auf­trag­ten der Stadt Pots­dam für Men­schen mit Be­hin­de­rung im Ge­spräch. Denk­bar sei auch ei­ne vor­he­ri­ge On­li­ne-Re­ser­vie­rung oder te­le­fo­ni­sche Re­ser­vie­rung, er­klärt Glahr. „Es kommt auch im­mer dar­auf an, wel­che Ziel­grup­pe sich das aus­leiht.“Das al­les müs­se man aber se­hen, wenn es so­weit ist und die be­nö­tig­te Spen­den­sum­me er­reicht wur­de, sagt Glahr. „Das gro­ße Ziel ist jetzt erst mal, das ers­te Mo­bil an­zu­schaf­fen.“

— Beim „Festival der Viel­falt“am 10. Mai am Al­ten Markt in Pots­dam wird das Por­jekt vor­ge­stellt. In­fos zum Spen­den un­ter vorwww.pots­dam-crowd.de/ buer­ger­mo­bil Stadt­tour.

In Ber­lin chauf­fie­ren Eh­ren­amt­li­che vom Ver­ein Radeln oh­ne Al­ter schon län­ger Se­nio­ren, die nicht mehr so mo­bil sind, in ei­ner Rik­scha durch die Stadt.

Visualisierung: Pe­dal­power

Der Pro­to­typ.

Fo­to: Kay Niet­feld/dpa

Glahr

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