La­de­strom von der La­ter­ne

In­no­va­tio­nen aus Berlin zei­gen, wie der Ener­gie­markt der Zu­kunft aus­se­hen könn­te

Der Tagesspiegel - - ZUKUNFT DER ENERGIE - Jut­ta Mai­er

Stra­ßen­la­ter­nen als E-Au­to-La­de­punk­te – die Idee hat­ten die Grün­der von Ubit­ri­ci­ty schon vor zehn Jah­ren. Doch das Un­ter­neh­men von Frank Paw­lit­schek und Knut Hecht­fi­scher sorg­te zu­erst in London für Fu­ro­re, nicht in sei­ner „Hei­mat­stadt“Berlin. In der bri­ti­schen Haupt­stadt wer­den im­mer mehr Licht­mas­ten la­de­taug­lich. Nun zieht Berlin nach: 1000 Stra­ßen­la­ter­nen sol­len in zwei Be­zir­ken von Ubit­ri­ci­ty zum La­den um­ge­rüs­tet wer­den, au­ßer­dem 600 La­de­punk­te in Pri­vat­ge­bäu­den.

(Nicht nur) zum An­zap­fen der Licht­mas­ten hat Ubit­ri­ci­ty ein „smar­tes“La­de­ka­bel ent­wi­ckelt, in das ein mo­bi­ler, ge­eich­ter Strom­zäh­ler samt SIM-Kar­te in­te­griert ist. Die Stra­ßen­la­ter­nen wer­den mit Steck­do­sen aus­ge­rüs­tet. Den Durch­bruch für Ubit­ri­ci­ty in Berlin brach­te die För­de­rung über das „So­fort­pro­gramm Sau­be­re Luft“, mit dem die Bun­des­re­gie­rung die Luft in den Städ­ten ver­bes­sern will. In­ter­na­tio­nal wei­ter ex­pan­die­ren soll Ubit­ri­ci­ty nun mit sei­nem neu­en Chef Lex Hart­mann, dem frü­he­ren Ge­schäfts­füh­rer des Über­tra­gungs­netz­be­trei­bers Ten­net. Er kennt sich mit re­gu­lier­ten Märk­ten aus, die Ubit­ri­ci­ty er­obern muss. Der Un­ter­neh­mens­sitz ist üb­ri­gens auf dem Eu­ref-Cam­pus in Schö­ne­berg. Der For­schungs­cam­pus be­her­bergt 150 Un­ter­neh­men, In­sti­tu­tio­nen und Start-ups, die sich mit Ener­gie, Mo­bi­li­tät und Nach­hal­tig­keit be­schäf­ti­gen, die Ener­gie­ver­sor­gung auf dem Ge­län­de ist schon seit 2014 CO -neu­tral.

Auf dem Eu­ref-Cam­pus be­fin­det sich auch ein Block­heiz­kraft­werk, das den Bo­gen zu Li­ti­on schlägt. Das Block­chain-Start-up be­treibt ei­ne Han­dels­platt­form für Grün­strom, die End­kun­den er­mög­licht, di­rekt beim Er­zeu­ger ein­zu­kau­fen. Zum Bei­spiel den Strom vom Eu­ref-Block­heiz­kraft­werk, das be­son­ders be­liebt sein soll. Die Er­zeu­gungs­an­la­gen ge­hö­ren der Ber­li­ner Ga­sag, die mit Li­ti­on ko­ope­riert und sich mit der Zu­sam­men­ar­beit für die Her­aus­for­de­run­gen der Ener­gie­welt der Zu­kunft wapp­nen will. Die Li­ti­on-Kun­den wäh­len ih­ren Wun­schan­bie­ter an der Li­ti­on-Strom­bör­se aus und wer­den über die Block­chain di­rekt mit ihm ver­netzt – Bro­ker oder Ver­sor­ger braucht es nicht mehr. Da­bei kön­nen Kun­den bei den Strom­kos­ten bis zu 20 Pro­zent im Ver­gleich zum Grund­ta­rif spa­ren und mit der Kryp­towäh­rung Bit­co­in be­zah­len.

Ener­gie und Geld spa­ren sol­len Ver­brau­cher auch mit der künst­li­chen In­tel­li­genz von Fresh Ener­gy. Das Start-up hat ei­nen „in­tel­li­gen­ten“, di­gi­ta­len Strom­zäh­ler ent­wi­ckelt. Die­ser wird ge­kop­pelt mit ei­ner App fürs Smart­pho­ne, die den Ener­gie­ver­brauch im Haus­halt in Echt­zeit an­zeigt und aus­wer­tet. Au­ßer­dem hat das Start-up um die Grün­der Chris­ti­an Bo­ga­tu und Da­ni­el von Ga­ert­ner seit ver­gan­ge­nem Jahr ei­ne ei­ge­ne Strom­li­zenz und be­lie­fert die Kun­den di­rekt mit Ökostrom. Fresh Ener­gy bie­tet sei­nen Strom­zäh­ler ge­gen Li­zenz­ge­büh­ren auch an­de­ren An­bie­tern an, die ihn dann un­ter ei­ge­nem Na­men ver­trei­ben kön­nen.

Neu­er Groß­kun­de ist EWE, der fünft­größ­te Ener­gie­ver­sor­ger Deutsch­lands, des­sen Kun­den nun ein kos­ten­lo­ses Smart Me­ter in­stal­liert be­kom­men und die App nut­zen kön­nen.

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