Ein Ka­me­ru­ner be­kennt Far­be

Va­len­tin Pe­ka aus dem Ost­all­gäu un­ter­stützt die Po­li­tik der CSU als neu­es Mit­glied und vi­el­leicht auch bald als Wahl­kämp­fer

Der Westallgäuer - - Allgäu-rundschau - VON ALEX­AN­DER VUCKO

Kal­ten­tal Über den not­wen­di­gen Grad der In­te­gra­ti­on von Zu­wan­de­rern in Bay­ern gibt es nicht erst seit der so­ge­nann­ten Flücht­lings­kri­se po­li­ti­sche Kon­tro­ver­sen. Reicht es, ei­nen Job zu ha­ben und die deut­sche Spra­che zu be­herr­schen? Soll­te nicht auch das Be­kennt­nis zu ei­ner wie auch im­mer ge­präg­ten Leit­kul­tur zwin­gend sein? Und wie könn­te die aus­se­hen? Ki­cken in der Kreis­li­ga? Kuh­stall aus­mis­ten? Kennt­nis­se in der Käs­kü­che? Der im Ost­all­gäu le­ben­de Ka­me­ru­ner Va­len­tin Pe­ka hat die­se Fra­gen für sich längst mit ja, ja und noch mal ja be­ant­wor­tet. Und noch zwei drauf­ge­setzt: Er ist nun Mit­glied in der CSU und hat dem Par­tei­or­gan Bay­ern­ku­rier Ein­blick in sein Le­ben ge­währt.

Seit­dem die All­gäu­er Zei­tung dem 30-jäh­ri­gen Sys­temin­ge­nieur An­fang des Jah­res ein Por­trät ge­wid­met hat, ist viel pas­siert. Auch an­de­re Jour­na­lis­ten er­zähl­ten die Ge­schich­te des sym­pa­thi­schen jun­gen Man­nes, der haupt­be­ruf­lich in ei­nem Prüf­la­bor Elek­tro­ge­rä­te tes­tet, ob sie den An­ga­ben der Her­stel­ler ent­spre­chen und ne­ben­bei auf dem Hof des Bi­o­bau­ern Alois Ho­fer aus­hilft. Im Markt Kal­ten­tal (Ost­all­gäu) treibt er die Tie­re auf die Wei­de, mis­tet den Stall aus. Manch­mal ver­kauft er auch Kä­se auf Mes­sen, was je­des­mal ei­ne klei­ne At­trak­ti­on ist. „Kuh­flüs­te­rer“nennt ihn Ho­fer mitt­ler­wei­le. Pe­ka kennt die Land­wirt­schaft aus sei­ner Hei­mat Afri­ka. Vor 13 Jah­ren kam er nach Deutsch­land, stu­dier­te in Bre­men. Mit sei­ner Frau und den drei Kin­dern wohnt er auf dem Hof in dem Dorf zehn Ki­lo­me­ter öst­lich von Kauf­beu­ren. „Der per­fek­te Aus­gleich zur Ar­beit im Prüf­la­bor“, so nennt Pe­ka sein Hob­by.

Dass Pe­ka nun in dem einst von Franz Jo­sef Strauß ge­grün­de­ten Bay­ern­ku­rier ge­wür­digt wird, hat wohl mit sei­nem CSU-Ein­tritt zu tun. Gut mög­lich, dass in den Münch­ner Re­dak­ti­ons­stu­ben die Cham­pa­gner­kor­ken knall­ten, nach­dem die Au­to­rin ih­ren Ar­ti­kel nie­der­ge­schrie­ben hat­te. Was für ein Prot­ago­nist? Bier zählt zu sei­nen Lieb­lings­ge­trän­ken, und die CSU ge­hört nach Pe­kas An­sicht zu der ganz ei­ge­nen Iden­ti­tät Bay­erns. Die Po­li­tik der Christ­so­zia­len ha­be den Frei­staat stark ge­macht, wird er in dem Text zi­tiert. Es sei ihm ei­ne Eh­re, künf­tig da­bei mit­zu­ma­chen.

Va­len­tin Pe­ka geht je­den­falls mit ei­ner ge­seg­ne­ten Por­ti­on Hu­mor durchs Le­ben, so viel ist si­cher. „Mit mir bleibt Bay­ern schwarz“, sagt er ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Klingt, als lä­ge das Kon­zept für ei­ne Kam­pa­gne zur Land­tags­wahl 2018 be­reits in der Schub­la­de des Ge­ne­ral­se­kre­tärs.

Ei­nen mög­li­cher­wei­se durch­aus ernst­haf­ten Aspekt in die­ser Ge­schich­te gibt es na­tür­lich auch. Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) ha­be den An­stoß für sei­nen Par­tei­ein­tritt ge­ge­ben, er­zähl­te der Ka­me­ru­ner dem Bay­ern­ku­rier. Mül­ler be­su­che Län­der, aus de­nen Flücht­lin­ge sich in ei­ne bes­se­re Welt auf­ma­chen, und er ver­su­che Pro­jek- te an­zu­sto­ßen, um die Men­schen dort zu hal­ten. „Wenn man die klu­gen Köp­fe weg­nimmt, ver­stärkt das die Not“, sagt Pe­ka laut der Zei­tung.

Und wie geht es Bi­o­bau­er Alois Ho­fer im Rei­gen der mal mehr, mal we­ni­ger sub­ti­len po­li­ti­schen Bot­schaf­ten und der auch sonst vie­len net­ten Schlag­zei­len über sei­nen dun­kel­häu­ti­gen Freund und Hel­fer Va­len­tin Pe­ka? „Ei­ne tol­le Wer­bung für un­se­ren Hof“, sagt er spitz­bü­bisch. Und der ehe­ma­li­ge grü­ne Kreis­rat macht schnell deut­lich, dass er selbst von ei­nem CSU-Ein­tritt weit ent­fernt ist: „Ich bin viel zu far­big, als dass ich in ei­ne Par­tei pas­sen wür­de.“

Fo­to: Ma­thi­as Wild

Sys­temin­ge­nieur Va­len­tin Pe­ka ver­sorgt in sei­ner Frei­zeit die Tie­re in ei­nem Kal­ten­ta­ler Stall.

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