Ins rech­te Licht ge­rückt

Zeit­ge­nös­si­sche Kunst aus dem All­gäu hat ein neu­es Zu­hau­se. Der Um­zug vom Hof­gar­ten­saal in den Mar­stall ist ge­glückt. Be­su­cher kön­nen stau­nen

Der Westallgäuer - - Allgäu-kultur - VON MICHA­EL DUMLER

Kemp­ten Stau­nen kön­nen Be­su­cher der Fest­wo­chen-Aus­stel­lung die­ses Jahr gleich auf mehr­fa­che Wei­se: Über Preis­trä­ger, die sich auf ganz un­ter­schied­li­che Wei­se fo­to­gra­fi­scher Mög­lich­kei­ten be­die­nen. Über die gu­te Qua­li­tät, die Künst­ler, die im All­gäu ge­bo­ren wur­den oder hier le­ben, zei­gen. Und über ei­nen neu­en Aus­stel­lungs­raum, der zeit­ge­nös­si­sche Kunst­wer­ke ins rech­te Licht rückt. Jah­re­lang war die Schau im Hof­gar­ten­saal der Kemp­te­ner Re­si­denz be­hei­ma­tet. Nun ist sie in das be­nach­bar­te Mar­stall­ge­bäu­de um­ge­zo­gen, in dem auch das Al­pin­mu­se­um un­ter­ge­bracht ist. Der Um­zug ist ge­glückt – auch weil sich die Stadt Kemp­ten das Gan­ze ei­ni­ges hat kos­ten las­sen.

Größ­ter Plus­punkt ist ein va­ria­bles und in­di­vi­du­ell steu­er­ba­res Be­leuch­tungs­sys­tem, das die Kunst­wer­ke nun op­ti­mal zur Gel­tung kom­men lässt. Zu­dem wur­den die Mau­ern des denk­mal­ge­schütz­ten Ge­bäu­des mit Wand­ta­feln ver­k­lei- an de­nen die Kunst­wer­ke – wie auch an mo­bi­len Stell­wand­qua­dern – an­ge­bracht sind. 210 000 Eu­ro gab die Stadt für die tech­ni­sche, zu­kunfts­wei­sen­de Auf­rüs­tung des Mar­stalls aus. Das Geld scheint gut an­ge­legt.

Wer durch den 600 Qua­drat­me­ter gro­ßen Raum im Erd­ge­schoss schlen­dert, muss un­wei­ger­lich in­ne­hal­ten: Denn durch ge­schick­te Hän­gung und ein schlüs­si­ges Raum­kon­zept tun sich im­mer wie­der neue, span­nen­de Blick­ach­sen auf. Ganz un­ter­schied­li­che Ar­bei­ten tre­ten so in ei­nen über­ra­schen­den, stim­mi­gen Dia­log. Das ist ei­ne neue Qua­li­tät, die auch den ge­zeig­ten Kunst­wer­ken zu­gu­te­kommt. Bil­der, Skulp­tu­ren, Plas­ti­ken und erst­mals auch ei­ne Häng­e­instal­la­ti­on tre­ten so in wech­sel­vol­len, reiz­vol­len Kon­takt.

Da gibt es zu Be­ginn ei­nen „PopArt-Be­reich“mit knal­li­gen Bil­dern von Ro­bert Wil­helm und Ma­ria At­tig, ei­ner fi­li­gran-fan­tas­ti­schen Holz-Ar­beit von Kris­ti­na Joh­li­ge Tol­stoy. Am an­de­ren En­de des Rau­mes da­ge­gen herr­schen vor al­lem Ru­he und Me­di­ta­ti­on: Künst­ler wie Marc Ro­gat, Chris­ti­an Hörl oder Mar­kus Pie­per zei­gen un­durch­dring­lich wir­ken­de Wald­sze­nen. Da­zwi­schen gibt es ei­ne hin­ter­sin­ni­ge Sen­sen-In­stal­la­ti­on von Gui­do Weg­gen­mann, ei­ne an­zie­hen­de 21-tei­li­ge Wand-Pa­pier­ar­beit von Eli­sa­beth Ba­der und ei­ne sinn­li­che Mar­mor-Plas­tik von Cor­ne­lia Sayle.

Mit­tig hin­ten im Raum plat­ziert sind die Preis­trä­ger-Ar­bei­ten, die al­le ein in­ten­si­ves Stu­di­um loh­nen: ei­ne fi­li­gra­ne, drei­tei­li­ge Bild­grup­pe von Kath­rin Gan­ser (Kunst­preis der Stadt Kemp­ten), zwei traum­haf­te Land­schafts-Fo­to­gra­fi­en von Ralf Die­ter Bi­sch­off (Tho­mas-Dach­serGe­denk­preis) und ei­ne ra­di­ka­le, ir­ri­tie­ren­de Fo­to­gra­fie von Andrea Co­rin­na Neid­hart (För­der­preis der Zorn­stif­tung). Zu­recht wur­den die­se Ar­bei­ten prä­miert, weil sie vir­tu­os kom­po­niert sind, weil sie ei­nen kom­ple­xen Blick auf un­se­re Rea­li­tät wer­fen und weil sie un­wei­ger­lich zur Aus­ein­an­der­set­zung – zu Zu­stim­mung, Ab­leh­nung, Pro­test – ein­la­den. Dies gilt auch für die ti­tel­det, lo­se, mehr­deu­ti­ge skulp­tu­ra­le Ar­beit von Ju­lia Mio­rin, die das erst­mals aus­ge­lob­te Aus­stel­lungs­sti­pen­di­um der Spar­kas­se All­gäu er­hielt.

„Noch nie wa­ren die aus­ge­zeich­ne­ten Künst­le­rin­nen und Künst­ler so jung und ih­re Wohn­or­te über ganz Deutsch­land ver­teilt“, schreibt der Ju­ry-Vor­sit­zen­de und Kemp­te­ner Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Kiech­le im Vor­wort zum Ka­ta­log. Aber nicht nur der neue Aus­stel­lungs­raum hat­te Künst­ler er­mu­tigt, Ar­bei­ten ein­zu­rei­chen. We­gen der Kom­pe­tenz der Fach­ju­ry hat­te sich bei­spiels­wei­se Kunst­preis­trä­ge­rin Kath­rin Gan­ser be­wor­ben. Die ge­bür­ti­ge Markt­ober­dor­fe­rin hat ih­ren Le­bens- und Ar­beits­mit­tel­punkt in Berlin.

Na­tür­lich gibt es nicht nur Glän­zen­des zu se­hen. Un­ter den 70 aus­ge­stell­ten Ar­bei­ten fin­det sich auch Halb­her­zi­ges, Lau­war­mes, Ein­di­men­sio­na­les. Doch das Po­si­ti­ve über­wiegt: Der Aus­stel­lungs­raum passt, die Kunst ist klug prä­sen­tiert, und die Preis­trä­ger ha­ben sich ih­re Aus­zeich­nun­gen ver­dient.

Fo­tos: Be­ne­dikt Siegert

Star­ke Ef­fek­te, Spie­ge­lun­gen und Kon­tras­te gibt es im Mar­stall zu ent­de­cken: (von links) „Han­dy“von Kris­ti­na Joh­li­ge Tol­stoy (da­hin­ter Ro­bert Wil­helms „Ba­va­ria­graff pop“Misch­tech­ni­ken) und die 21 tei­li­ge Pa­pier­ar­beit „Ar­senal“von Eli­sa­beth Ba­der.

Fo­to: Ralf Lienert

Strahl­ten ges­tern Abend bei der Ver­nis­sa­ge um die Wet­te: die Preis­trä­ger der Fest wo­chen Aus­stel­lung (von links) Kath­rin Gan­ser, Ralf Die­ter Bi­sch­off, Andrea Co­rin­na Neid­hart und Ju­lia Mio­rin.

Fo­to: Be­ne­dikt Siegert

Für die­ses Ob­jekt er­hielt Ju­lia Mio­rin ein erst­mals aus­ge­lob­tes Sti­pen­di­um der Spar­kas­se All­gäu.

Re­pro: Mat­thi­as Si­enz

Aus­schnitt aus der drei­tei­li­gen, mit dem Kemp­te­ner Kunst­preis prä­mier­ten Ar­beit von Kath­rin Gan­ser.

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