Hel­den des All­tags

Der Westallgäuer - - Allgäu-kultur -

Wir ha­ben sie ge­liebt. Die­se be­ru­hi­gen­de Ge­räusch­ku­lis­se aus Kin­der­la­chen, Ru­fen, To­ben und auch ein biss­chen Strei­ten. Für uns hieß das Zeit für Ent­span­nung oder die Er­le­di­gung ele­men­ta­rer Din­ge wie Zäh­ne­put­zen, Klo­gang oder Ko­chen. Wenn es da­ge­gen plötz­lich lei­se wur­de und nix mehr zu hö­ren war, wa­ren wir alar­miert. Ru­he hieß „vor dem Sturm!“

So war das, da­mals, als wir noch jung und der Nach­wuchs noch klein war. Heu­te, als Müt­ter von fast er­wach­se­nen Kin­dern sind un­se­re akus­ti­schen Neh­mer­qua­li­tä­ten auf ein Re­kord­tief ge­sun­ken. Die To­le­ranz­gren­ze hat sich in den un­te­ren ein­stel­li­gen De­zi­bel-Be­reich ver­scho­ben.

Kürz­lich er­tapp­ten wir uns so­gar ganz be­schämt da­bei, wie wir uns von ge­nau die­ser Ge­räusch­ku­lis­se, in der wir uns einst zu­hau­se fühl­ten, plötz­lich ge­stört wähn­ten. Da­bei be­wun­der­ten wir die­se jun­gen El­tern ne­ben uns am Ba­de­see. Wie sie ganz ge­las­sen fünf Schwimm­flü­gel für sechs Kin­der­ärm­chen auf­pus­te­ten, weil ei­nes der quietsch­gel­ben Plas­tik­tei­le un­ter­wegs ver­lo­ren ge­gan­gen war.

Der Kon­flikt un­ter den drei Jungs im Kin­der­gar­ten­al­ter war un­aus­weich­lich und eben­so hör- wie be­re­chen­bar. Ma­ma und Pa­pa aber hiel­ten je­der pho­ne­ti­schen Her­aus­for­de­rung stand, blie­ben lie­be­voll und lö­sungs­ori­en­tiert. Kauf­ten Eis und trock­ne­ten Trä­nen, als es nach kur­zer Zeit in der Wie­se lag. Hel­den des All­tags.

Ob wir genau­so be­son­nen wa­ren? Oder we­nigs­ten nach au­ßen hin wirk­ten? Wir wis­sen es nicht. Im­mer­hin wa­ren wir ähn­lich be­last­bar. Da­mals. Wir ha­ben sie al­le über­lebt, die lau­ten Ta­ge und auch die kur­zen Näch­te, in de­nen uns das lei­se Pat­schen nack­ter Füß­chen auf Par­kett­bo­den aus dem fla­chen Ma­ma-Schlaf weck­te. Wäh­rend Pa­pa se­lig wei­ter­schlum­mer­te, lie­ßen wir die Klei­nen zu uns un­ter die De­cke schlüp­fen, um dann im ver­trau­ten Ge­räusch ih­res po­ly­pen­be­ding­ten Schnar­chens wei­ter­zu­däm­mern …

Kürz­lich üb­ri­gens, in die­ser hef­ti­gen Ge­wit­ter­nacht mit Stark­re­gen und Strom­aus­fall, patsch­ten wie­der nack­te Fü­ße (in­zwi­schen Grö­ße 37) in un­ser Schlaf­zim­mer. Fast schon ge­rührt lupf­ten wir die De­cke für un­se­re Jüngs­te – als sie mit zor­ni­gem Schnau­ben er­klär­te: „Scheiß Wet­ter, ich hab kein WLAN mehr!“

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