Die hei­ße Pha­se des Wahl­kamp­fes be­ginnt

In der Nacht zum mor­gi­gen Sonn­tag dür­fen die Par­tei­en ab 0.01 Uhr ih­re Pla­ka­te auf­hän­gen. Ei­ni­ge wer­den auch tat­säch­lich um Punkt Mit­ter­nacht los­zie­hen. An­de­re las­sen es hin­ge­gen ru­hi­ger an­ge­hen

Der Westallgäuer - - Westallgäu - VON DA­VID SPECHT

West­all­gäu In der Nacht zum Sonn­tag ist es so­weit. Ab 0.01 Uhr dür­fen Mar­tin Schulz, Gerd Mül­ler, Cem Öz­de­mir & Co. auf Pla­ka­ten um die Wet­te lä­cheln. Sechs Wo­chen vor der Bun­des­tags­wahl en­det die Sperr­frist für das Auf­hän­gen der Wahl­wer­bung. „Das ent­spricht der gän­gi­gen Frist“, sagt Bar­ba­ra Kink von der Lin­den­ber­ger Stadt­ver­wal­tung. Aber rü­cken die hei­mi­schen Par­tei­en und Grup­pie­run­gen wirk­lich gleich um Mit­ter­nacht aus? Wir ha­ben uns um­ge­hört. ● CSU: „Wann wir los­le­gen ist ge­heim, aber wir hal­ten uns an die Vor­ga­ben“, sagt Lin­den­bergs CSUOrts­vor­sit­zen­de Han­ni Wind­ha­ber. Acht Män­ner und Frau­en hel­fen, die Pla­ka­te in der Stadt auf­zu­hän­gen. Be­reits im Vor­feld ha­ben die Par­tei­mit­glie­der ih­re Hän­ge­ta­schen ge­füllt, die al­ten Pla­ka­te von den Drei­ecks­stän­dern ge­kratzt und die Stän­der neu be­klebt. „Wir wa­ren et­wa zwei St­un­den be­schäf­tigt“, sagt Wind­ha­ber. Die Pla­ka­te er­hält der Ors­ver­band vom Bun­des­wahl­kreis der CSU. Bei den Mo­ti­ven set­zen die Lin­den­ber­ger auf den Kemp­te­ner Ent­wick­lungs­mi­nis­ter. „Der Fo­kus liegt auf un­se­rem Kan­di­da­ten. Gerd Mül­ler ist für uns sehr wich­tig“, stellt Wind­ha­ber klar. ● SPD: „Die Zahl der Mit­strei­ter hält sich in Gren­zen“, sagt Leo Wie­de­mann vom Kreis­ver­band der SPD. All­zu viel wol­len die So­zia­lis­ten im West­all­gäu heu­er nicht pla­ka­tie­ren. „Das ist sonst eher läs­tig für die Leu­te“, fin­det Wie­de­mann. Im Ver­gleich zu frü­her ist die Ar­beit ein­fa­cher ge­wor­den. „Da ha­ben wir die Pla­ka­te auf Holz­ta­feln ge­klebt und mit Draht an La­ter­nen fest­ge­macht. Da­bei wur­den dann auch im­mer wie­der Lam­pen be­schä­digt“, er­in­nert sich Wie­de­mann. Heut­zu­ta­ge hän­gen die SPD-Mit­glie­der Plas­tik­pla­ka­te mit Ka­bel­bin­dern auf. Die Pla­ka­te be­kommt der Kreis­ver­band kos­ten­frei ge­lie­fert. „Den Kleis­ter be­zah­len wir sel­ber“, sagt Wie­de­mann. ● Grü­ne: Die Grü­nen im Land­kreis las­sen es et­was ru­hi­ger an­ge­hen. „Wir wer­den schon di­rekt am Sonn­tag los­zie­hen, ste­hen aber nicht ab der ers­ten Mi­nu­te pa­rat“, meint Vor­stands­spre­cher Chris­ti­an Scha­bro­nath. Ei­ne zehn­köp­fi­ge Grup­pe wird die Pla­ka­te ver­tei­len. Die Grü­nen-Mit­glie­der im Land­kreis konn­ten ab­stim­men, wel­che The­men­pla­ka­te be­stellt wer­den. Die drei be­lieb­tes­ten Mo­ti­ve hängt der Kreis­ver­band auf. „Man muss sich aber auch fra­gen, ob Pla­ka­tie­ren das al­ler­wich­tigs­te ist“, fin­det Scha­bro­nath. Er setzt eher auf An­zei­gen, die Neu­en Me­di­en und Fly­er. Zwei Wo­chen vor der Wahl wol­len die Grü­nen noch meh­re­re Groß­flä­chen­pla­ka­te auf Lit­faß­säu­len an­brin­gen. Den Wahl­kampf fi­nan­ziert der Kreis­ver­band mit Spen­den und Mit­glieds­bei­trä­gen. „Wir sind nicht reich, aber wir ha­ben ge­spart“, sagt Scha­bro­nath. ● FW: Der Wahl­kampf der Frei­en Wäh­ler un­ter­schie­det sich von an­de­ren Par­tei­en: Bun­des­tags­kan­di­dat Hu­go Wir­t­hen­sohn aus Al­tus­ried lei­tet die Pla­ka­tie­rung in Ei­gen­re­gie. Er hat da­für ei­ne Fir­ma be­auf­tragt. „Ich muss das kom­plett sel­ber or­ga­ni­sie­ren und ha­be mit ei­nem pri­va­ten Bau­vor­ha­ben ge­ra­de al­le Hän­de voll zu tun“, er­klärt Wir­t­hen­sohn. Die Fir­ma be­zahlt er aus ei­ge­ner Ta­sche – wie den ge­sam­ten Wahl­kampf. „Das ist un­ser Pro­blem, aber auch un­se­re Frei­heit, ich bin kei­nem ver­pflich­te­te“, sagt Wir­t­hen­sohn. Der FW-Orts­ver­band Lin­den­berg ist bis­her nicht in den Wahl­kampf ein­ge­bun­den. „Aber wenn es klemmt, ste­hen wir na­tür­lich zur Ver­fü­gung“, sagt Frak­ti­ons­spre­cher Flo­ri­an We­ber. ● ÖDP: „Ei­gent­lich müss­ten wir gleich in der Nacht los, um uns die bes­ten Plät­ze zu si­chern, aber ich weiß nicht, ob da je­mand Lust da­zu hat“, sagt Kreis­vor­sit­zen­der Xa­ver Fichtl. Et­wa sechs Leu­te wer­den in Lin­dau Pla­ka­te auf­hän­gen, für den obe­ren Land­kreis hat sich bis­her noch nie­mand ge­fun­den. „Even­tu­ell muss ich das auch noch sel­ber ma­chen“, meint Fichtl. Auf­ge­hängt wer­den Pla­ka­te der Di­rekt­kan­di­da­tin so­wie The­men­pla­ka­te. Be­son­der­heit: Die ÖDP be­wirbt da­bei auch den Wahl-O-Mat. Da­bei han­delt es sich um ei­nen In­ter­net-Fra­ge­bo­gen. Den Nut­zern wird an­hand ih­rer Ant­wor­ten die Par­tei vor­ge­schla­gen, die am bes­ten zu ih­nen passt. „Wer da ei­ni­ger­ma­ßen ver­nünf­ti­ge Ant­wor­ten gibt, lan­det bei der ÖDP“, ist Fichtl über­zeugt. ● AfD: „Wir ge­hen da­von aus, dass un­se­re Pla­ka­te wie­der ab­ge­ris­sen wer­den. Das hat die Er­fah­rung aus an­de­ren Stimm­krei­sen ge­zeigt“, er­zählt Di­rekt­kan­di­dat Pe­ter Fel­ser. Da­her wird die AfD in den nächs­ten Wo­chen gleich mehr­mals los­zie­hen. Die ers­te Wel­le wol­len die Par­tei­mit­glie­der und frei­wil­li­gen Hel­fer be­reits Sonn­tag­nacht auf­hän­gen. „Die Mas­se folgt aber erst im Sep­tem­ber“, sagt Fel­ser. The­men­schwer­punk­te wer­den Land­wirt­schaft und Volks­ent­schei­de sein. Ei­ne gro­ße Rol­le spie­len Pla­ka­te laut Fel­ser aber nicht, die AfD set­ze auf di­gi­ta­len Wahl­kampf.

Fo­to: CSU Lin­den­berg

Der CSU Orts­ver­band Lin­den­berg hat die al­ten Drei­ecks­stän­der frei­ge­kratzt und neu be­klebt. Zwei St­un­den wa­ren die Män­ner und Frau­en im Ein­satz.

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