Als die Lö­wen in Lin­den­berg fast ver­lo­ren noch hät­ten

Vor 50 Jah­ren ka­men 5000 Zu­schau­er ins neue Fuß­ball-Sta­di­on

Der Westallgäuer - - Sport Im Westallgäu -

Lin­den­berg Die­se Be­su­cher­zahl wird wohl auf ewig der Re­kord in Lin­den­berg blei­ben: Vor ex­akt 50 Jah­ren ström­ten 5000 Zu­schau­er ins ge­ra­de neu er­rich­te­te Au-Sta­di­on, um ei­ne der größ­ten Num­mern zu se­hen, die Fuß­ball-Deutsch­land zu bie­ten hat­te: den TSV 1860 München. Die Lö­wen wa­ren am­tie­ren­der Deut­scher Vi­ze­meis­ter, hat­ten 1965 den Ti­tel ge­holt, stan­den 1966 im Eu­ro­pa­po­kal-Fi­na­le und hat­ten et­li­che Na­tio­nal­spie­ler da­bei – al­len vor­an den sin­gen­den Pa­ra­dies­vo­gel im Tor, Pe­tar Ra­den­ko­vic („Bin i Ra­di, bin i Kö­nig“). Sie tra­ten an­läss­lich des Ju­bi­lä­ums „60 Jah­re FC Lin­den­berg“ge­gen den ös­ter­rei­chi­schen Staats­li­ga­klub SW Bre­genz an (2:2) – und muss­ten al­ler Vor­schuss­lor­bee­ren zum Trotz am En­de froh sein, nicht ver­lo­ren zu ha­ben.

„Die 60er wa­ren da­mals ei­ne ech­te At­trak­ti­on und be­lieb­ter als die Bay­ern“, er­in­nert sich Egon Fel­der zu­rück an den Au­gust 1967. Der heu­ti­ge FCL-Eh­ren­vor­sit­zen­de war da­mals 25 Jah­re alt und stand zu­nächst als Halb­stür­mer im Vor­spiel auf dem Platz, das die Lin­den­ber­ger, da­mals in der A-Klas­se an­ge­sie­delt, mit 1:6 ge­gen den FC Wan­gen ver­lo­ren. Das Spiel zwi­schen 1860 und Bre­genz er­leb­te er nicht nur als Zu­schau­ern, son­dern auch als Chro­nist für die Zei­tung. „Die Be­geg­nung hat­te, ab­ge­se­hen von den letz­ten 30 Mi­nu­ten, kein all­zu ho­hes Ni­veau. Ent­täuscht wa­ren die Zu­schau­er von der Lö­wen-Mann­schaft, die manch­mal zu über­heb­lich wirk­te und teil­wei­se im Schon­gang spiel­te. Zwar fehl­ten mit Reich, Heiß und Brun­nen­mei­er drei Stamm­spie­ler, doch hät­te dies für die Münch­ner kein Han­di­cap be­deu­ten dür­fen“, no­tier­te Fel­der da­mals. Am Schluss muss­ten sie froh sein, dass sie nicht so­gar ver­lo­ren hat­ten – auch dank Ra­den­ko­vic.

Rück­bli­ckend ver­mu­tet Fel­der, dass die Lö­wen die Bre­gen­zer („das war nicht die ers­te Sah­ne aus Ös­ter­reich“) schlicht nicht ernst ge­nom­men hat­ten. Pe­ru­sic (14.) und Bründl (52.) brach­ten die Münch­ner schein­bar be­ru­hi­gend mit 2:0 in Füh­rung – doch mit zwei To­ren in­ner­halb von zwei Mi­nu­ten glich Fleisch­ha­cker aus (66./68.). „Der hat dem Ra­den­ko­vic zwei Gra­na­ten aus 18, 20, 25 Me­tern rein­ge­hau­en, dass der nur so ge­schaut hat“, er­in­nert sich Fel­der. Hin­ter den To­ren war es ge­stopft voll da­mals, die Zu­schau­er sa­ßen und stan­den auf Bier­bän­ken in Zwei­er-Rei­hen. „Das war da­mals ei­ne Mords­or­ga­ni­sa­ti­on“, sagt Fel­der. Die Mar­ke von 5000 Zu­schau­ern ist in der Fol­ge auch nie mehr er­reicht wor­den.

Üb­ri­gens: Die of­fi­zi­el­le Ein­wei­hung des Au-Sta­di­ons fand erst ein Jahr spä­ter, im Ju­ni 1968 statt. Vor we­ni­gen Jah­ren ist die An­la­ge für 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro sa­niert wor­den. Sie hat un­ter an­de­rem ei­ne kom­plett neue Lauf­bahn er­hal­ten. (bes)

Egon Fel­der

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