B 32: Das sagt das Bau­amt

Markt­ge­mein­de wählt Ghaz­zé als li­ba­ne­si­sche Part­ner­kom­mu­ne. In der Ge­mein­de ist das Zu­sam­men­le­ben von Ein­hei­mi­schen und Ge­flüch­te­ten aus Sy­ri­en nicht ein­fach. Ein Bür­ger­park soll Ent­span­nung brin­gen

Der Westallgäuer - - Vor­der­sei­te - VON IN­GRID GROHE

Die staat­li­che Be­hör­de sieht nur we­ni­ge Va­ri­an­ten für die Orts­um­fah­rung von Op­fen­bach. Des­sen Ver­tre­ter äu­ßert sich auch deut­lich zu ei­nem Bür­ger­be­geh­ren.

Hei­men­kirch Die Markt­ge­mein­de Hei­men­kirch wird sich im Rah­men des Pro­gramms „Kom­mu­na­les Know-how für Nahost“in der Be­k­aa-Ebe­ne im Li­ba­non en­ga­gie­ren. Das hat der Ge­mein­de­rat bei zwei Ge­gen­stim­men be­schlos­sen. In der Ge­mein­de Ghaz­zé un­weit der sy­ri­schen Gren­ze geht es dar­um, ei­nen Bür­ger­park wie­der­zu­be­le­ben, der der li­ba­ne­si­schen Be­völ­ke­rung wie auch den Be­woh­nern der Flücht­lings­la­ger zur Er­ho­lung und zur Be­geg­nung dient. Hei­men­kirch steigt hier in ein be­reits lau­fen­des, von der Ver­ei­ni­gung der Nie­der­län­di­schen Ge­mein­den fi­nan­zier­tes Pro­jekt ein.

Ein Bür­ger­park als Ent­wick­lungs­pro­jekt? Auch Ge­org Lindl, der als ei­ner der West­all­gäu­er Ge- im Li­ba­non meh­re­re Kom­mu­nen ken­ne­ge­lernt hat, war zu­nächst skep­tisch, als der Bür­ger­meis­ter von Ghaz­zé sei­nen deut­schen Gäs­ten den Park als sein An­lie­gen vor­stell­te. In­zwi­schen ist Lindl von dem Pro­jekt über­zeugt. Er warb bei den Ge­mein­de­rats­kol­le­gen da­für mit den Wor­ten: „Das ist ab­so­lut un­ter­stüt­zens­wert.“

Ghaz­zé be­fin­det sich in ei­ner Ex­trem­si­tua­ti­on: Bei et­wa 6000 Be­woh­nern ha­ben in die­ser Ge­mein­de 30 000 aus Sy­ri­en ge­flüch­te­te Men­schen Zuflucht ge­fun­den. Gut die Hälf­te wohnt in La­gern. Von ih­ren schwie­ri­gen Le­bens­um­stän­den hat sich die All­gäu­er De­le­ga­ti­on ein Bild ge­macht: Durch­schnitt­lich sie­ben Men­schen tei­len sich ei­ne der kaum be­fes­tig­ten, ärm­li­chen Be­hau­sun­gen, Müll liegt auf den stau­bi­gen die sich bei Re­gen in Matsch­pis­ten ver­wan­deln.

Seit sie­ben Jah­ren tobt im nur 20 Ki­lo­me­ter Luft­li­nie ent­fern­ten Nach­bar­land der Bür­ger­krieg. Die Be­woh­ner Ghaz­zés ha­ben die Ge­flüch­te­ten selbst­ver­ständ­lich auf­ge­nom­men, schil­der­te Bür­ger­meis­ter Mo­ham­mad Ma­jzoub sei­nen deut­schen Gäs­ten. Der jah­re­lan­ge Zustrom al­ler­dings über­for­dert nicht nur die Leis­tungs­fä­hig­keit der Ge­mein­de­ver­wal­tung, son­dern stra­pa­ziert auch den Groß­mut der Bür­ger. Die Stim­mung wer­de schlech­ter.

Vom Bür­ger­park ver­spricht sich Bür­ger­meis­ter Ma­jzoub Ent­span­nung. Im Jahr 2004 mit Spen­den von Aus­lands­li­ba­ne­sen an­ge­legt, ist das sechs Hekt­ar gro­ße Ge­län­de der gan­ze Stolz von Ghaz­zé – mit Pal­men, Spiel- und Sport­plät­zen, ei­mein­de­ver­tre­ter nem Frei­licht­thea­ter und ei­nem Ver­an­stal­tungs­saal. In­zwi­schen bie­tet der Park auch sy­ri­schen Fa­mi­li­en die ein­zi­ge Mög­lich­keit, für St­un­den dem er­bärm­li­chen La­ger­le­ben zu ent­kom­men – für die Ein­hei­mi­schen ver­liert er durch die in­ten­si­ve Nut­zung an At­trak­ti­vi­tät.

Ziel des von den Hol­län­dern an­ge­sto­ße­nen und von der Ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­si­tät in Bei­rut durch­ge­plan­ten Pro­jekts ist es, den Park so zu ge­stal­ten und auf­zu­wer­ten, dass er al­len dient – auch als Be­geg­nungs­raum zwi­schen Sy­rern und Li­ba­ne­sen. Ein we­sent­li­cher Auf­ga­ben­be­reich da­bei ist der Was­ser­haus­halt, weil Tei­le des Are­als tro­cken lie­gen, an­de­re zu­wei­len über­schwemmt sind. We­gen man­gel­haf­ter Ent­wäs­se­rung in der gan­zen Ge­gend droht zu­dem die Ver­schmut­zung des Grun­dWe­gen, was­sers. Bei die­sen The­men möch­te Hei­men­kirch ein­stei­gen, er­läu­ter­te Bür­ger­meis­ter Mar­kus Reich­art dem Ge­mein­de­rat und er­gänz­te, man le­ge da­bei Wert auf Nach­hal­tig­keit und eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment der Men­schen in Ghaz­zé – Ein­hei­mi­sche wie Ge­flüch­te­te.

Nach dem Be­schluss des Ge­mein­de­rats hat Reich­art tags dar­auf das 50 000 Eu­ro um­fas­sen­de „Schnell­star­ter-Pa­ket 1“der Initia­ti­ve „Kom­mu­na­les Know-how für Nahost“be­an­tragt. Da­mit sol­len un­ter an­de­rem ei­ne Be­geg­nung der Hei­men­kir­cher De­le­gier­ten mit hol­län­di­schen Part­nern am 22. Ju­ni in Rot­ter­dam so­wie ei­ne Rei­se nach Ghaz­zé im Herbst fi­nan­ziert wer­den. Im nächs­ten Jahr will Hei­men­kirch wei­te­re 250 000 Eu­ro be­an­tra­gen und beim Bür­ger­park mit an­pa­cken.

Fo­to: In­grid Grohe

Hin­ter den Hü­geln bei Ghaz­zé in der Be­k­aa Ebe­ne liegt Sy­ri­en. We­gen der Nä­he zu dem vom Bür­ger­krieg ge­beu­tel­ten Land lan­den be­son­ders vie­le Men­schen auf der Flucht in Ghaz­zé: 30000 hat die 6000 Ein­woh­ner Ge­mein­de auf­ge­nom­men. Gut die Hälf­te lebt in Flücht­lings­la­gern. Un­ser Fo­to zeigt die An­kunft der West­all­gäu­er De­le­ga­ti­on in der von Zelt­la­gern ge­säum­ten Kom­mu­ne.

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