Ko­ali­ti­on er­öff­net ei­nen Weg aus der Teil­zeit­fal­le

Die Bun­des­re­gie­rung be­schließt das seit Jah­ren zwi­schen SPD und Uni­on hef­tig um­strit­te­ne Rück­kehr­recht auf ei­ne Voll­zeit­stel­le. Wer von der neu­en Re­ge­lung pro­fi­tiert

Der Westallgäuer - - Politik -

aber stand lan­ge auf der Brem­se. CSU-Lan­des­grup­pen­chef Alex­an­der Do­brindt mel­de­te jüngst wei­te­ren Nach­bes­se­rungs­be­darf an.

Wer kann sei­ne Ar­beits­zeit ver­rin­gern?

Laut Heil will ak­tu­ell fast ei­ne Mil­li­on Be­schäf­tig­te ih­re Ar­beits­zeit für ei­ne Pha­se re­du­zie­ren. Für Ar­beits­recht­ler Hans-Ge­org Mei­er ein zu hoch ge­grif­fe­ner Wert: „Es stellt sich die Fra­ge, ob der Be­darf auf Rück­kehr aus Teil­zeit­stel­len über­haupt so groß ist.“Prin­zi­pi­ell soll künf­tig je­der Ar­beit­neh­mer ei­nen Rechts­an­spruch ha­ben. Da dies ins­be­son­de­re klei­ne Be­trie­be vor Pro­ble­me stel­len könn­te, gilt die Re­ge­lung nur für Un­ter­neh­men mit mehr als 45 Be­schäf­tig­ten – 15 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te sind dem­nach au­ßen vor. Für Be­trie­be mit bis zu 200 Mit­ar­bei­tern gibt es Ein­schrän­kun­gen. Dort soll es ei­ne Zu­mut­bar­keits­gren­ze ge­ben: Ar­beit­ge­ber müs­sen je 15 Ar­beit­neh­mern nur ei­nem den An­spruch auf Brü­cken­teil­zeit ge­ben.

Wer pro­fi­tiert vom neu­en Teil­zeit­ge­setz? Wer sich bis­her vor­über­ge­hend für ei­ne Teil­zeit­be­schäf­ti­gung ent­schied und an­schlie­ßend kei­ne Voll­zeit­stel­le mehr be­kam, steck­te in der so­ge­nann­ten Teil­zeit­fal­le. Die Zah­len ver­ra­ten: Von den knapp neun Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten mit so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Teil­zeit­jobs sind fast 80 Pro­zent weib­lich. Die Fol­ge ist oft Ar­mut bis ins ho­he Al­ter. Denn Teil­zeit schmä­lert auch die Ren­ten­an­sprü­che. Der Trend zur Teil­zeit hält den­noch seit 20 Jah­ren wei­ter an. Im Vor­jahr lag der Wert bei mehr als 15 Mil­lio­nen Be­rufs­tä­ti­gen. Für die­se Men­schen ist die Brü­cken­teil­zeit ei­ne gu­te Nach­richt.

Was sa­gen Kri­ti­ker zum Ge­set­zes­ent­wurf?

Nach An­sicht von Ar­beits­rechts­ex­per­te Mei­er ist der Ent­wurf kon­tra­pro­duk­tiv: „Die Be­trie­be müs­sen, um die feh­len­den Zei­ten aus­zu­glei­chen, Mit­ar­bei­ter be­fris­tet ein­stel­len und kreie­ren so wie­der­um pre­kä­re Ar­beits­ver­hält­nis­se. Al­so ge­nau das, was künf­tig ver­mie­den wer­den soll.“Auch die Wirt­schaft spart nicht mit Kri­tik. Es dro­hen „schwer­wie­gen­de Fol­ge­wir­kun­gen für die Per­so­nal­pla­nung der Un­ter­neh­men“, warnt Rein­hold von Eben-Wor­lée, Prä­si­dent des Ver­bands der Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mer. Das Rück­kehr­recht von Teil- auf Voll­zeit ver­schär­fe zu­dem den Fach­kräf­te­man­gel. Der Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werks be­män­gelt, dass „tief in die Ent­schei­dungs­frei­heit der Un­ter­neh­men ein­ge­grif­fen wird.“Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund hin­ge­gen be­grüßt die Ent­schei­dung und spricht von ei­nem „wich­ti­gen Schritt“, dem nun wei­te­re fol­gen müs­sen.

„Das Ge­setz führt zu dem, was künf­tig ver­mie­den wer­den soll: pre­kä­re Ar­beits­ver­hält­nis­se.“

Ar­beits­rechts­ex­per­te Hans Ge­org Mei­er

Wie geht es nun wei­ter?

Nach dem Ka­bi­netts­be­schluss wird er­war­tet, dass der Ge­setz­ent­wurf nach der Som­mer­pau­se in ers­ter Le­sung in den Bun­des­tag kommt. In Kraft tre­ten soll das Ge­setz zum 1. Ja­nu­ar 2019.

Fo­to: DBM

Ex­per­te für Ar­beits­recht: Rechts­an­walt Hans Ge­org Mei­er.

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