Spa­ni­ens WM Team er­schüt­tert

Weil Ju­len Lo­pe­te­gui nach der WM zu Re­al Ma­drid wech­selt, muss er sei­nen Pos­ten als Na­tio­nal­coach räu­men. Fer­nan­do Hier­ro springt beim Ti­tel­an­wär­ter ein

Der Westallgäuer - - Fußball-wm 2018 -

Kras­no­dar/Ma­drid Spa­ni­ens Na­tio­nal­spie­ler um Ka­pi­tän Ser­gio Ra­mos ha­ben die Blitz­tren­nung von Trai­ner Ju­len Lo­pe­te­gui un­mit­tel­bar vor Be­ginn der Fuß­ball-WM nicht ver­hin­dern kön­nen. Jetzt soll In­te­rims­coach Fer­nan­do Hier­ro das plötz­li­che Cha­os beim Top­fa­vo­ri­ten wie­der rich­ten. In­ner­halb von we­ni­gen St­un­den und vor dem ers­ten so wich­ti­gen Grup­pen­spiel ge­gen Eu­ro­pa­meis­ter Por­tu­gal hat­te Ver­bands­chef Lu­is Ru­bia­les al­les auf den Kopf ge­stellt beim Welt­meis­ter von 2010. „Das Ziel ist, um den Ti­tel zu kämp­fen. Wir ha­ben kei­ne Zeit, an et­was an­de­res zu den­ken. Al­les, was pas­siert ist in den ver­gan­ge­nen Ta­gen, taugt nicht als Recht­fer­ti­gung für ir­gend­was“, sag­te der bis­he­ri­ge Sport­di­rek­tor Hier­ro am Abend ei­nes tur­bu­len­ten Tages in Kras­no­dar. Er­staunt re­agier­te auch Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw auf die Ent­wick­lung beim Ri­va­len. „Das kam für mich völ­lig un­er­war­tet. Dass so ei­ne Ent­schei­dung zwei Ta­ge vor dem ers­ten Spiel der Mann­schaft ge­trof­fen wird, ist ein Hammer“, sag­te Löw. Dies sor­ge „mit Si­cher­heit für un­nö­ti­ge Un­ru­he in­ner­halb des Ver­ban­des und wohl auch der Mann­schaft“.

„Wir ha­ben uns da­zu ge­zwun­gen ge­se­hen, ihn sei­nes Am­tes zu ent­he- ben“, er­klär­te Ru­bia­les bei der ers­ten Pres­se­kon­fe­renz der Spa­nier am Mitt­woch im Team-Quar­tier die Blitz-Tren­nung von Lo­pe­te­gui. Re­al Ma­drid hat­te tags zu­vor be­kannt ge­ge­ben, dass der 51-Jäh­ri­ge zur neu­en Sai­son Chef­coach beim Cham­pi­ons-Le­ague-Sie­ger und da­mit Nach­fol­ger von Zi­né­di­ne Zi­da­ne wird. Mög­lich mach­te die­se ei­ne Aus­stiegs­klau­sel im Ver­trag von Lo­pe­te­gui, der erst im Mai für zwei wei­te­re Jah­re ver­län­gert hat­te. Der spa­ni­sche Ver­band RFEF kas­siert zwar zwei Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se, of­fen­bar­te aber ein mi­se­ra­bles Kri- sen­ma­nage­ment zwei Ta­ge vor dem Grup­pen­auf­takt am Frei­tag (20 Uhr/ARD) in Sot­schi ge­gen Por­tu­gal und Su­per­star Cris­tia­no Ro­nal­do. „Wir ste­cken in ei­ner kom­pli­zier­ten Si­tua­ti­on, die kom­pli­zier­tes­te, die man sich vor­stel­len kann“, räum­te Ru­bia­les ein und er­hob schwe­re Vor­wür­fe ge­gen Re­al. „Wir hat­ten über­haupt kei­ne In­for­ma­ti­on über das“, sag­te Ru­bia­les. „Ju­len hät­te es lie­ber ge­habt, wenn die Din­ge an­ders ge­hand­habt wor­den wä­ren.“Erst 50 Mi­nu­ten nach der Re­al-Ver­laut­ba­rung hat­te der RFEF mit ei­ner dür­ren Pres­se­er­klä­rung re­agiert, in der er die Aus­stiegs­klau­sel in Lo­pe­te­gu­is Ver­trag be­stä­tig­te. Of­fen­bar hat­te Re­al den neu­en Ver­bands­chef mit der Pres­se­mit­tei­lung über­rum­pelt.

„Ich kann mich nicht auf ei­nen An­ruf fünf Mi­nu­ten vor­her ein­las­sen“, sag­te Ru­bia­les. Die Fra­ge, wer nun die Übungs­ein­hei­ten beim Welt­meis­ter von 2010 lei­te, konn­te Ru­bia­les zu­nächst nicht be­ant­wor­ten: „Wir su­chen ei­nen Trai­ner – von jetzt an“, sag­te er. Zwei St­un­den nach der spek­ta­ku­lä­ren Tren­nung von Lo­pe­te­gui ver­kün­de­te der Ver­band RFEF dann via Twit­ter, dass Hier­ro ein­springt. Die Ver­ein­ba­rung gilt nur für die WM. „Die Ver­gan­gen­heit ist Ver­gan­gen­heit, wir müs­sen po­si­tiv den­ken. Der Tag war nicht ein­fach, aber die Jungs sind pro­fes­sio­nell und Sport­ler“, sag­te der 50-Jäh­ri­ge – einst ein ei­sen­har­ter Ver­tei­di­ger – vor sei­nem ers­ten Trai­ning. „Die Spie­ler sind ge­wohnt, dass Trai­ner kom­men und ge­hen. Wir ha­ben ein sehr schö­nes, span­nen­des Ziel.“

Der frü­he­re Re­al-Pro­fi hat zwi­schen 1989 und 2002 für La Ro­ja 89 Län­der­spie­le be­strit­ten und hat­te bis­her nur den Zweit­li­gis­ten Re­al Ovie­do trai­niert. 2014 war er für ei­ne Spiel­zeit As­sis­tent von Car­lo An­ce­lot­ti bei Re­al. Lo­pe­te­gui hat in ei­ner ers­ten Stel­lung­nah­me nach sei­nem Raus­schmiss aus sei­nen Ge­füh­len kei­nen Hehl ge­macht. „Ich bin sehr trau­rig“, räum­te Lo­pe­te­gui am Mitt­woch vor spa­ni­schen Jour­na­lis­ten ein. Nach In­for­ma­tio­nen des Fach­blatts Mar­ca hät­ten sich die Spie­ler mit Re­al-Spiel­füh­rer Ra­mos und An­drés Inies­ta vom FC Bar­ce­lo­na an der Spit­ze für den Ver­bleib Lo­pe­te­gu­is aus­ge­spro­chen.

Die Spie­ler hät­ten die Ent­schei­dung der so­for­ti­gen Tren­nung „ak­zep­tiert“, sag­te hin­ge­gen Ru­bia­les. Un­ter dem frü­he­ren Tor­hü­ter Lo­pe­te­gui hat­te die Selecci­on seit sei­nem Amts­an­tritt 2016 als Nach­fol­ger von Vi­cen­te del Bos­que kei­nes ih­rer 20 Spie­le ver­lo­ren.

Fo­to: Pier­re Phil­ip­pe Mar­cou, afp

Fer­nan­do Hier­ro auf ei­ner kurz­fris­tig ein­be­ru­fe­nen Pres­se­kon­fe­renz am Mitt­woch­abend.

Fo­to: Da­vy, dpa

Ist nicht mehr spa­ni­scher Na­tio­nal­coach: Ju­len Lo­pe­te­gui.

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