Wo es blüht, füh­len Tie­re sich wohl

Schwä­bi­scher Wie­sen­tag wid­met sich na­tur­be­las­se­nen Grün­flä­chen. Auf was es bei der Pfle­ge an­kommt

Der Westallgäuer - - Allgäu-rundschau - VON JESSICA STIEGELMAYER

Günz­tal Sel­te­ne Pflan­zen­ar­ten, lo­cke­re Gras­schich­ten und ei­ne scho­nen­de Pfle­ge: Das Hunds­moor im Günz­tal ist ein Pa­ra­dies für zahl­rei­che Tier­ar­ten. Da­mit bot es sich ge­ra­de zu an, als Schau­platz des Schwä­bi­schen Wie­sen­ta­ges zu fun­gie­ren. Bei dem Rund­gang durch das Na­tur­schutz­ge­biet dreh­te sich al­les rund um ex­ten­si­ve Wie­sen. „Wir wol­len zei­gen, wie man sol­che Wie­sen pfle­gen und wie­der­her­stel­len kann“, er­klär­te Su­san­ne Kuf­fer von der Re­gie­rung von Schwa­ben – ei­ner der Ver­an­stal­ter, ne­ben der Stif­tung Kul­tur­Land­schaft Günz­tal und der Baye­ri­schen Aka­de­mie für Na­tur­schutz und Land­schafts­pfle­ge.

Was auf ei­ner Wie­se zu viel ist, kann auf ei­ner an­de­ren hel­fen: Uwe Kieß­ling vom Land­schafts­pfle­ge­ver­band Un­ter­all­gäu stell­te die Mä­hund Sa­men­gut­über­tra­gung vor. Da­bei lan­det die Mahd ei­ner ar­ten­rei­chen Wie­se auf ei­ner na­he­ge­le­ge­nen, bis­her ar­ten­ar­men Flä­che. Bis sich auch dort die ge­wünsch­te Blü­ten­viel­falt zeigt, brau­che es et­was Ge­duld. „Es dau­ert schon zwei Jah­re.“

Doch das War­ten lohnt sich. Denn: „Die Pflan­zen vor Ort sind bes­ser an die Um­welt an­ge­passt“, sag­te Michae­la Schnel­ler vom Bund Na­tur­schutz im öst­li­chen Do­nau­ried. Ge­ra­de das sei der Vor­teil von ge­biets­ei­ge­nem Saat­gut. „Ziel ist, dass je­de Emp­fän­ger­flä­che mal ei­ne Spen­der­flä­che wird“, füg­te Kieß­ling hin­zu. Das hel­fe, die ar­ten­rei­chen Wie­sen nicht zu sehr aus­zu­rei­zen.

Wie sich Saat­gut scho­nend von ei­ner Wie­se für ei­ne an­de­re ge­win­nen lässt, zeig­te Chris­ti­an Fendt. Der Land­wirt aus Ges­serts­hau­sen brach­te ein be­son­de­res Ge­rät mit: den eBeet­le aus der Schweiz. „Man bürs­tet das Saat­gut aus, oh­ne den Be­stand zu ver­än­dern“, er­klär­te Fendt die Funk­ti­ons­wei­se. Das ge­sam­mel­te Ma­te­ri­al lan­det dann in ei­nem Auf­fang­be­häl­ter – soll­ten Klein­s­tie­re dar­un­ter sein, kön­nen sie spä­ter beim ers­ten Trock­nen ein­fach wie­der zu­rück in die Wie­se hüp­fen. Gro­ßer Vor­teil an den von Bio­lo­gen wei­ter­ent­wi­ckel­ten eBeet­le: Er ist fle­xi­bel und eig­net sich sehr gut für klei­ne Flä­chen.

Wie klappt scho­nen­des Mä­hen?

Auf was es beim scho­nen­den Mä­hen an­kommt, er­klär­te schließ­lich Jens Fran­ke vom Land­schafts­ver­band Un­ter­all­gäu. „Du musst das Ge­biet ken­nen – wis­sen, wie der Bo­den re­agiert und wo Was­ser­lö­cher sind“, schil­der­te er. Im Hunds­moor mä­hen die Land­schafts­pfle­ger die Flä­chen zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten, da­mit Tie­re im­mer auf Ne­ben­strei­fen aus­wei­chen kön­nen.

Statt ei­nes ro­tie­ren­den Mäh­werks kom­men Mes­ser­mäh­bal­ken zum Ein­satz. In ei­ner Hö­he von zehn bis zwölf Zen­ti­me­tern glei­ten sie über die Wie­se, um die Tie­re am Bo­den zu schüt­zen. Und schließ­lich fah­ren Schlep­per und La­de­wa­gen auf zwei un­ter­schied­li­chen Spu­ren. „Der Druck auf den Bo­den muss sich gut ver­tei­len“, er­klär­te Fran­ke. Auch Be­rei­fung und Ge­schwin­dig­keit tra­gen da­zu bei, die Gras­nar­be nicht zu durch­bre­chen.

Fo­to: Jessica Stiegelmayer

„Wir sind al­le von Si­cher­heits auf Turn­schu­he um­ge­stie­gen“, er­zähl­te Chris­ti­an Fendt. Denn mit dem Sa­men­samm­ler eBeet­le müs­se er ganz schön viel lau­fen. Da­für kom­me er auch gut an klei­ne Flä­chen her­an.

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