„Wir ha­ben viel er­reicht“

Am En­de ih­rer fünf­jäh­ri­gen Amt­s­pe­ri­ode zie­hen die All­gäu­er Re­prä­sen­tan­ten der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer ei­ne po­si­ti­ve Bi­lanz. Aber sie ha­ben auch Sor­gen we­gen des „bru­ta­len“Wan­dels im Han­del und Trump

Der Westallgäuer - - Allgäu-wirtschaft - VON STE­FAN BINZER UND MAR­KUS RAFFLER

All­gäu Die Zahl der Lehr­stel­len nach oben ge­schraubt, bei neu­en Aus­bil­dungs­ver­trä­gen die Abitu­ri­en­ten­quo­te von elf auf 19,5 Pro­zent er­höht. Den vier­spu­ri­gen Aus­bau der B12 zwi­schen Kemp­ten und Buch­loe end­lich auf den Weg ge­bracht. Die Elek­tri­fi­zie­rung der Bahn­stre­cke von Mün­chen über Mem­min­gen nach Lin­dau an­ge­scho­ben. Un­ter­neh­mer-Work­shops so­wie un­zäh­li­ge Be­ra­tun­gen und Wei­ter­bil­dun­gen an­ge­bo­ten. Ei­ne der nied­rigs­ten Ar­beits­lo­sen­quo­ten in ganz Deutsch­land er­reicht. Und nicht zu­letzt die Bei­trä­ge für die Mit­glieds­Un­ter­neh­men hal­biert: Viel Po­si­ti­ves ist aus Sicht der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) im All­gäu in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren pas­siert. Und: Für die meis­ten die­ser Punk­te ha­ben die Wirt­schafts­ver­tre­ter nach ih­rer Ein­schät­zung wich­ti­ge Im­pul­se ge­lie­fert.

An­ge­sichts die­ser Bi­lanz zeig­ten sich die Vor­sit­zen­den der IHK-Re­gio­nal­ver­samm­lun­gen Mar­kus Brehm (Kemp­ten/Ober­all­gäu), Ger­hard Pfei­fer (Mem­min­gen/Un­ter­all­gäu) und Ger­hard Sch­licht­her­le (Kauf­beu­ren/Ost­all­gäu) für die zu En­de ge­hen­de fünf­jäh­ri­ge Pe­ri­ode die­ser Un­ter­neh­mer-Par­la­men­te sehr zu­frie­den. Beim Re­dak­ti­ons­ge­spräch im All­gäu­er Me­di­en­zen­trum sag­ten auch die bei­den All­gäu­er IHK-Ge­schäfts­füh­rer Ste­fan Sprin­kart und Mar­kus An­sel­ment uni­so­no: „Wir ha­ben viel er­reicht.“

Zum The­ma Aus­bil­dung und Fach­kräf­te-Ge­win­nung be­ton­te Brehm: „Wir ha­ben Hun­der­te von Schul­part­ner­schaf­ten, run­de Ti­sche mit Schul­lei­tern und Land­rats­äm­tern, Azu­bi-Mes­sen, die Be­rufs­of­fen­si­ve und All­gäu­er Lehr­stel­len­bör­se mit­ge­stal­tet.“Die­ses En­ga­ge­ment ha­be in der Re­gi­on Wir­kung ge­zeigt und wer­de auch in den nächs­ten fünf Jah­ren so fort­ge­setzt.

Sor­gen macht den Wirt­schafts­Re­prä­sen­tan­ten da­ge­gen der Wan­del im Han­del. Das ge­he manch­mal „sehr schnell und bru­tal“, sag­te Pfei­fer. Lo­ka­le Ein­zel­händ­ler sei­en im­mer mehr auf dem Rück­zug. In den Städ­ten mach­ten sich Han­delsKet­ten breit. Wo­bei vie­le Ein­zel­händ­ler den On­line­han­del zu lan­ge hät­ten. Da müss­ten ei­ni­ge auf­pas­sen, dass sie nicht von Bran­chen­rie­sen wie Za­lan­do & Co. nie­der­ge­macht wer­den, sag­te Brehm. Beim The­ma On­line sei es auch ganz wich­tig, den Breit­band-Aus­bau in der Re­gi­on vor­an­zu­trei­ben, er­gänz­te Sch­licht­her­le.

Pfei­fer kri­ti­sier­te, dass Kun­den­ma­gnet Ikea, der am Mem­min­ger Au­to­bahn­kreuz über 100 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tie­ren woll­te, sei­ne Plä­ne vor Kur­zem auf Eis ge­legt hat. Da hät­ten man­che Kom­mu­nal­po­li­ti­ker an­fangs auf­grund des par­al­lel ge­plan­ten Fach­markt­zen­trums zu zö­ger­lich agiert. Da­bei in­ter­es­sier­ten lo­ka­le Be­find­lich­kei­ten nicht: „Ein gro­ßer Kon­zern han­delt nach an­de­ren Kri­te­ri­en.“

Auch am hei­ßen Ei­sen Do­nald Trump kam die Dis­kus­si­ons­run­de nicht vor­bei. Man müs­se ge­nau be­ob­ach­ten, was der US-Prä­si­dent ma­che. Al­te po­li­ti­sche Re­geln gel­ten nicht mehr und Struk­tu­ren bre­chen auf. Zu den von Trump ver­häng­ten und an­ge­kün­dig­ten Han­dels­schran­ken sag­te Sch­licht­her­le: „Straf­zöl­le auf deut­sche Au­tos hät­ten na­tür­lich auch Aus­wir­kun­gen bis in un­se­re Re­gi­on.“Denn im All­gäu sit­zen auch vie­le Zu­lie­fe­rer für die Au­to­In­dus­trie. Den­noch dür­fe man sich auch im All­gäu von die­sem The­ma nicht ver­rückt ma­chen las­sen, so­ni­gno­riert dern müs­se sich auf die in­ter­na­tio­nal ge­frag­ten Stär­ken der Un­ter­neh­men kon­zen­trie­ren.

Vie­les, was die IHK be­wegt, be­trifft auch das Hand­werk. Wä­re es da nicht sinn­voll, die bei­den Kam­mern zu­sam­men­zu­le­gen? Hier kam von den IHK-Ver­tre­tern ein kla­res „Nein“. Zum ei­nen be­ste­he bei wich­ti­gen The­men seit Jah­ren ei­ne en­ge Ko­ope­ra­ti­on mit der Hand­werks­kam­mer. Zum an­de­ren hät­ten bei­de Kam­mern ein un­ter­schied­li­ches Kli­en­tel. Bei den Hand­wer­kern be­stün­den so vie­le Tra­di­tio­nen, die ei­ne von In­dus­trie und Han­del ge­präg­te In­ter­es­sen­ver­tre­tung nicht in die­ser Form ab­de­cken kön­ne.

„Wir bie­ten als Kam­mer ak­ti­ve Be­ra­tung für un­se­re Mit­glie­der und ein dich­tes Netz­werk an.“

Ste­fan Sprin­kart , IHK Ge­schäfts­füh­rer Kemp ten/Ober­all­gäu und Kauf­beu­ren/Ost­all­gäu

„Man­che Ein­zel­händ­ler müs sen auf­pas­sen, dass sie nicht von Za­lan­do & Co. nie­der­ge­macht wer­den.“

Mar­kus Brehm,

IHK Vor­sit­zen­der Kemp­ten/Ober­all­gäu

„Wir las­sen den Fin­ger bei der B 12 so lan ge in der Wun de, bis es wei ter­geht.“

„Die Qua­li­fi­zie­rung von Men­schen ist und bleibt ein ganz be­son­de­res The­ma.“

Ger­hard Pfei­fer,

IHK Vor­sit­zen­der Mem

min­gen/Un­ter­all­gäu

„Wir wer­den ver­su­chen, die Grün­dungs­of­fen si­ve wie­der stär­ker zu be­le­ben.“

Mar­kus An­sel­ment,

IHK Ge­schäfts­füh­rer Mem­min­gen/Un­te­r­all gäu, Lin­dau/Bo­den­see

Fo­tos: Jor­dan/Be­cker

Jahr­zehn­te lang dau­er­te das Be­mü­hen um die Elek­tri­fi­zie­rung der ers­ten Stre­cke durch das All­gäu. En­ga­giert in die­ser Sa­che war auch im­mer die Wirt­schaft in der Re­gi­on. Das gilt auch für den vier­spu­ri­gen Aus­bau der viel be­fah­re­nen B 12 zwi­schen Kemp­ten und Buch­loe, der in den kom­men­den Jah­ren be­gin­nen kann.

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