Wer holt den WM Ti­tel?

Trai­ner aus dem All­gäu glau­ben nicht an den nächs­ten Tri­umph der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft. Esad Kah­ric hin­ge­gen ist sich si­cher: Kei­ner ist so stark wie Jo­gis Jungs

Der Westallgäuer - - Allgäu-sport - VON THO­MAS WEISS UND STE­PHAN SCHÖTTL

Kemp­ten/All­gäu Mit der Par­tie von Gast­ge­ber Russ­land ge­gen Sau­diA­ra­bi­en be­ginnt heu­te Abend (17 Uhr/ARD) die Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft. Wir ha­ben uns im Vor­feld bei All­gäu­ern Trai­ner um­ge­hört: Wer sind die Fa­vo­ri­ten? Und wie schnei­det die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft ab?

● Ste­phan Bai­erl, 41, FC Mem­min gen Voll­kom­men von den So­cken war Bai­erl ges­tern Mit­tag, als er von der Ent­las­sung des spa­ni­schen Na­tio­nal­trai­ners Ju­len Lo­pe­te­gui er­fuhr. „Das ist ja der Wahn­sinn ei­nen Tag vor dem Er­öff­nungs­spiel.“Spa­ni­en schei­de da­mit end­gül­tig als erns­ter Kon­kur­rent um den WMTi­tel aus. „Die meis­ten Spie­ler ha­ben ih­ren Ze­nit eh über­schrit­ten.“Bai­erl ist sich auch si­cher, dass die DFB-Elf die jüngs­ten Pro­ble­me nicht so ein­fach ab­schüt­teln kann. Die Leis­tun­gen in den Test­spie­len, die in­ter­nen Que­re­len um Özil und Gün­do­gan („un­glaub­lich, wie schlecht sich der DFB da po­si­tio­niert hat“) und die feh­len­de Hier­ar­chie in der deut­schen Mann­schaft („Fla­che Struk­tu­ren hin oder her: Mir sind die Füh­rungs­spie­ler al­le zu glatt ge­bü­gelt“) – all das sor­ge da­für, dass die Deut­schen im Mo­ment für ihn nicht zu den Fa­vo­ri­ten ge­hö­ren. En­g­land oder Frank­reich wür­de er den Ti­tel gön­nen. Und: „Ich hof­fe ein biss­chen, dass der Kelch an Bra­si­li­en vor­bei geht.“

● Esad Kah­ric, 59, TSV Kot­tern Frisch aus dem Ur­laub aus der Tür­kei zu­rück, ist Kah­ric schon wie­der zu 100 Pro­zent beim Fuß­ball. Ges­tern lei­te­te er nach der Blitz-Zu­sa­ge das ers­te Trai­ning beim Bay­ern­li­gis­ten TSV Kot­tern. „Auf der Vor­be­rei­tung liegt in den nächs­ten Ta­gen und Wo­chen si­cher der vol­le Fo­kus.“Den­noch freue er sich als al­ter Tak­tik­fuchs jetzt auch auf die WM. Beim Fa­vo­ri­ten zö­gert er kei­ne Se­kun­de: „Deutsch­land!“Egal, ob schlech­te Vor­be­rei­tung oder das Ge­ze­ter um Gün­do­gan und Özil, „wir wa­ren im­mer ei­ne Tur­nier­mann­schaft. Die re­la­tiv leich­te Vor­run­de bie­tet die Chan­ce, sich von Spiel zu Spiel zu stei­gern.“Au­ßer­dem ver­fü­ge Löw mit Neu­er als Tor­wart, mit dem Bay­ern-Duo Boateng und Hum­mels in der Abwehr so­wie mit Khe­di­ra und Kroos im Mit­tel­feld über In­di­vi­dua­lis­ten, welt­weit zu den Bes­ten ge­hör­ten. Le­dig­lich der Sturm ist für Kah­ric ei­ne klei­ne Über­ra­schungs­tü­te: „Kei­ner weiß, wie Tho­mas Mül­ler drauf ist. Da se­he ich Ti­mo Wer­ner so­gar im Vor­teil.“Für ei­ne Tur­nier­sen­sa­ti­on könn­te Bel­gi­en sor­gen: „Die ha­ben ei­ne su­per Qua­li­fi­ka­ti­on ge­spielt und ein un­heim­lich gro­ßes Po­ten­zi­al an Top­spie­lern“.

● Yus­uf Ba­kir­cio glu, 44, 1. FC Sont­ho­fen Vor­ges­tern hat beim 1. FC Sont­ho­fen die Vor­be­rei­tung auf die kom­men­de Sai­son be­gon­nen – und die hat für den neu­en Coach des Bay­ern­li­gis­ten obers­te Prio­ri­tät. Die

WM ge­rät da zum Ne­ben­schau­platz. Er wer­de sich nur aus­ge­wähl­te Spie­le im Fern­se­hen an­schau­en, sagt Ba­kir­ciog­lu. „Ich bin ja fast je­den Tag selbst auf dem Platz“, meint er. Die Par­ti­en sei­ner Fa­vo­ri­ten Frank­reich, Spa­ni­en und Deutsch­land will er aber nicht ver­pas­sen. „Die Du­el­le der eher schwä- che­ren Län­der in­ter­es­sie­ren mich da­ge­gen we­ni­ger“, sagt er. Bra­si­li­en, meint der 44-Jäh­ri­ge, spie­le bei der WM in Russ­land kei­ne ent­schei­den­de Rol­le: „Sie ha­ben zwar Stars wie Ney­mar, sind aber noch kei­ne ho­mo­ge­ne Ein­heit auf dem Platz.“

● Mar­kus Rei chart, 36, FC Lin den­berg/Westall gäu Die­ser Mann kennt sich mit Ti­teln aus. Erst vor Kur­zem hat der Coach des FC Lin­den­berg als Meis­ter der Kreis­li­ga A den Auf­stieg in die Be­zirks­li­ga ge­fei­ert. „Es wird auch heu­er ei­ner der Gro­ßen ma­chen“, sagt er. Sprich: Deutsch­land hat er als Top-Fa­vo­rit eben­so auf dem Zet­tel wie Frank­reich, Bra­si­li­en und Ar­gen­ti­ni­en. „Nur Spa­ni­en schät­ze ich die­ses Mal nicht so stark ein“, sagt der 36-Jäh­ri­ge, bei dem sich auch zu­hau­se in den kom­men­den vier Wo­chen al­les um die Fuß­ball-WM dreht. „Es ist zwar Som­mer­pau­se, aber ei­ne fuß­ball­lo­se Zeit gibt’s heu­die er nicht“, meint er la­chend. Frei­lich dür­fen auch die ob­li­ga­to­ri­schen Tipp­spie­le im Bü­ro und Freun­des­kreis nicht feh­len. Reich­art: „Bei mei­nen Tipps ge­winnt im­mer Deutsch­land.“

● Flo­ri­an Nie­mey­er, 31, FC Thal­ho­fen Haus­bau und Sai­son­vor­be­rei­tung – so rich­tig im WM-Fie­ber ist der Trai­ner des Kreis­li­ga-Meis­ters und Be­zirks­li­ga-Auf­stei­gers aus dem Ost­all­gäu noch nicht. „Aber ich glau­be, spä­tes­tens zum ers­ten Deutsch­land-Spiel krib­belt’s auch bei mir wie­der“, sagt er. Wo­bei er Jo­gis Jungs den gro­ßen Wurf, sprich die Ti­tel­ver­tei­di­gung, nicht zu­traut („Spä­tes­tens im Halb­fi­na­le ist End­sta­ti­on.“). Gro­ßer Fa­vo­rit ist für Nie­mey­er das Star-En­sem­ble aus Bra­si­li­en. Dank Deutsch­land. Denn der 31-Jäh­ri­ge meint: „Die 1:7-Nie­der­la­ge bei der WM vor vier Jah­ren ge­gen Deutsch­land hat die Bra­si­lia­ner noch stär­ker ge­macht. Die Mann­schaft ist dar­an ge­wach­sen.“Auch Frank­reich traut er ei­ni­ges zu – „weil das Team sehr vie­le gu­te Ein­zel­spie­ler in sei­nen Rei­hen hat“.

● Andre­as Bau­er, 54, Ski­sprung Bun­des­trai­ner der Frau­en und Di plom Fuß­ball­leh­rer „Ich will so vie­le Spie­le wie mög­lich an­schau­en – und zwar mög­lichst al­lein oder in ganz klei­nen Grup­pen“, sagt Bau­er. Denn als Mit­glied der Prü­fungs­kom­mis­si­on für B-Li­zenz-Trai­ner in Bay­ern hat er sich vor­ge­nom­men, sich in­ten­siv und oh­ne Ablen­kung über die neu­es­ten Tak­tik-Trends zu in­for­mie­ren: „Ich bin ge­spannt, wie sich die Spiel­sys­te­me zwi­schen Drei­er- und Fünferkette ver­schie­ben.“Den Fuß­ball bei der WM zu stu­die­ren, ist Bau­er schon des­halb wich­tig, weil er sich En­de Ju­li zu ei­ner DFB-Fort­bil­dung in Dres­den an­ge­mel­det hat – er­fah­rungs­ge­mäß be­rich­te da auch Bun­des­trai­ner Löw über sei­ne neu­es­ten Er­kennt­nis­se. Die Ti­tel­ver­tei­di­gung ist für Bau­er in wei­ter Fer­ne. „Es gibt zu vie­le Stör­feu­er im deut­schen Team.“Als Trai­ner wis­se er: „So et­was nervt und kann ei­ne Mann­schaft nach­hal­tig be­ein­flus­sen.“Fa­vo­rit ist sei­ner Mei­nung nach Frank­reich, weil sie über die stärks­ten Ein­zel­spie­ler ver­fü­gen. Und wem drückt er noch die Dau­men? „Is­land“, sagt der Oberst­dor­fer und fügt an: „Ich bin ge­spannt, wie weit sie dies­mal mit ih­ren alt­ba­cke­nen Me­tho­den kom­men. Die kön­nen da­mit auch ein paar ganz Gro­ße aus­he­beln.“

Fo­tos: dpa, Ralf Lienert, Gün­ter Jan­sen, Ro­nald Mai­or, Andre­as Fil­ke, Dirk Klos

Sie grei­fen in Russ­land nach dem fünf­ten Stern, dem fünf­ten WM Ti­tel: die deut­schen Na­tio­nal­spie­ler um Trai­ner Joa­chim Löw, hier nach dem 1:0 Fi­nal­sieg 2014 in Bra­si li­en.

Ste­phan Bai­erl

Esad Kah­ric

Mar­kus Reich­art

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