Wie­der­se­hen macht Freu­de

Die Jah­res­aus­stel­lung „Blick-Fang“bie­tet zum drit­ten Mal vor al­lem jun­gen, auf­stre­ben­den Künst­lern ein pro­fes­sio­nel­les Fo­rum – in­klu­si­ve be­ein­dru­cken­den „Heim­keh­rern“

Der Westallgäuer - - Allgäu-kultur - VON MAR­TIN FREI

Kauf­beu­ren Gui­do Weg­gen­mann setzt der Jah­res­aus­stel­lung „Blick­Fang“im Kunst­haus Kauf­beu­ren die Krone auf – oder ei­gent­lich tut er es ge­nau nicht. Denn das mäch­ti­ge me­tal­le­ne Herr­scher­insi­gne mit gut ei­nem Me­ter Durch­mes­ser liegt scheps auf ei­ner schä­bi­gen Eu­ro-Pa­let­te, fi­xiert mit ei­nem eben­falls ganz und gar nicht ed­len Zurr­gurt. „Auf Pa­let­te“hat der All­gäu­er Künst­ler sein 2014 ent­stan­de­nes Werk ge­nannt, das die Be­su­cher in der Kauf­beu­rer Aus­stel­lungs­hal­le in Emp­fang nimmt.

In ge­wis­ser Wei­se ge­adelt füh­len dür­fen sich die Schöp­fer der zahl­rei­chen fol­gen­den Wer­ke den­noch. Denn für die Jah­res­aus­stel­lung 2018 hat ei­ne nam­haf­te Ju­ry aus rund 300 Be­wer­bun­gen 33 vor al­lem jun­ge und auf­stre­ben­de Künst­ler aus­ge­wählt. Die stam­men zu ei­nem gu­ten Teil aus der Re­gi­on, aber auch aus dem ge­sam­ten Bun­des­ge­biet. Als Ju­ro­ren fun­gier­ten ne­ben nam­haf­ten Kunst­pro­fes­so­ren, Ku­ra­to­ren und Ga­le­ris­ten, vor al­lem aus Mün­chen, auch Franz End­hardt, Vor­sit­zen­der der Kauf­beu­rer Künst­lerStif­tung, so­wie Kunst­haus-Lei­ter Jan T. Wilms. Letz­te­rer ließ die Fül­le an Ex­po­na­ten wohl ge­ord­net und durch­dacht in sei­nem Haus hän­gen und stel­len.

Enor­me Fül­le

2016 war es auch Wilms Idee ge­we­sen, zum 20-jäh­ri­gen Be­ste­hen des Kunst­hau­ses ei­ne Schau für ak­tu­el­le Kunst zu eta­blie­ren, die ei­nen kla­ren Schwer­punkt auf den Ver­kauf legt. Die Ein­nah­men ge­hen auch heuer zur ei­nen Hälf­te an die Künst­ler, die an­de­re Hälf­te soll das nicht all­zu üp­pi­ge Bud­get der von ei­ner Stif­tung ge­tra­ge­nen Kauf­beu­rer Aus­stel­lungs­hal­le auf­bes­sern. Egal, ob pro­fes­sio­nel­le Samm­ler, (kauf­freu­di­ge) Kunst­freun­de oder die An­kaufs­kom­mis­si­on der Baye­ri­schen Staats­ge­mäl­de­samm­lun­gen, die bei den ver­gan­ge­nen bei­den Auf­la­gen eben­falls ge­sich­tet wur­de, – das An­ge­bot an Wer­ken, Tech­ni­ken und Po­si­tio­nen im Kunst­haus ist enorm. Theo Hof­mann et­wa the­ma­ti­siert in sei­ner Werk­grup­pe ei­nen ur­al­ten und doch hoch­ak­tu­el­len Stoff, die Koh­le – samt Mo­dell-För­der­turm in ei­nem re­li­quiar­ar­ti­gen Glas­be­hält­nis. Im Span­nungs­feld zwi­schen An­ti­ke, Pop-Art und Ge­gen­warts-Trash zie­hen die farb­in­ten­si­ven Ke­ra­mik­ar­bei­ten von Isol­de Eg­ger die Auf­merk­sam­keit auf sich, wäh­rend die in vie­ler­lei Be­zie­hung poin­tier­ten Holz­ar­bei­ten von Phil­ipp Liehr letzt­lich der Na­tur und dem Na­tür­li­chen hul­di­gen.

Stark ver­tre­ten sind Ar­bei­ten, die den Grenz­be­reich zwi­schen Ma­le­rei und Skulp­tur aus­lo­ten. Da wä­ren et­wa die aus far­bi­gen Pa­pier­recht­ecken zu­sam­men­ge­setz­ten Bil­der von Si­grid Pahlitzsch: Abs­trak­ti­on in Rein­form. Ra­pha­el Sa­may malt auf ge­wölb­tem oder zer­knit­ter­tem Nes­sel­stoff und Jo­nah Geb­ka geht den Weg an­ders her­um und malt Stoff­mus­ter, die drei­di­men­sio­nal er­schei­nen. Ni­na Annabelle Märkl ak­zen­tu­iert mit fei­nen Tu­sche­zeich­nun­gen ih­re kunst­voll ge­schnit­te­nen und ge­fal­te­ten „Tor­sio­nen“aus Pa­pier. Ju­lia Sche­wa­lie schließ­lich zer­schnei­det Schel­lack­plat­ten und setzt die schwarz schim­mern­den Tei­le neu und wohl struk­tu­riert wie­der zu­sam­men.

Bis­wei­len au­gen­zwin­kernd

Ins­ge­samt zeugt „Blick-Fang“von ei­ner in­ten­si­ven, aber nicht ver­krampf­ten, son­dern bis­wei­len so­gar au­gen­zwin­kern­den Su­che nach dem Neu­en, Ei­ge­nen, Krea­ti­ven jun­ger Künst­ler. Das gilt auch für die zwei­di­men­sio­na­le Kunst. De­ren Band­brei­te reicht von neo-im­pres­sio­nis­ti­schen Land­schaf­ten (The­re­sa Möl­ler), so schlich­ten wie er­grei­fen­den Blei­stift­zeich­nun­gen (Ri­car­da Ho­op) und pas­tel­lig-hu­mor­vol­len Ate­lier­in­te­ri­eurs (So­phie Schmidt) bis hin zu groß­for­ma­ti­gen, kraft­voll-ver­stö­ren­den Öl­ge­mäl­den von Si­grid W. Ma­thews. Seit ih­ren An­fän­gen bie­tet die Kauf­beu­rer Jah­res­aus­stel­lung zu­dem stets in­ter­es­san­te Wie­der­se­hen mit Künst­lern aus der Re­gi­on, die ih­ren Weg ma­chen oder schon ge­macht ha­ben. Le­na Do­mes aus Kauf­beu­ren et­wa. Sie be­rei­chert mit ih­ren be­ein­dru­cken­den Ar­bei­ten die bei „Blick-Fang“eben­falls sehr gut ver­tre­te­ne Fotokunst.

OÖff­nungs­zei­ten Die Aus­stel­lung läuft bis zum 25. No­vem­ber: diens­tags bis frei­tags 10 bis 17 Uhr, don­ners­tags 10 bis 19 Uhr, sams­tags und sonn­tags 10 bis 18 Uhr. In­for­ma­tio­nen im In­ter­net: www.kunst­haus-kauf­beu­ren.de

Fo­to: Ha­rald Lan­ger

Mit die­sen bei­den groß­for­ma­ti­gen Fo­to­ar­bei­ten aus der Se­rie „Schnick, Sch­nack, Schnuck“(2017) ist die aus dem All­gäu stam­men­de und nun in Karls­ru­he ar­bei­ten­de Künst­le­rin Le­na Do­mes bei „Blick-Fang“ver­tre­ten.

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