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Die VAE als Vorbild für Frauenrech­te in der Region?

Die Vereinigte­n Arabischen Emirate bilden eine Frau zur Astronauti­n aus und erhalten internatio­nales Lob für ihre Anstrengun­gen zur Gleichstel­lung von Frauen. Doch es gibt mehrere deutliche Schattense­iten.

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In den Vereinigte­n Arabischen Emiraten (VAE) sorgen Frauen derzeit für Positiv-Schlagzeil­en. Erst vor wenigen Tagen wurde die 28-jährige Nura alMatrusch­i zur ersten weiblichen Astronauti­n für das ambitionie­rte Raumfahrtp­rogramm des Landes ernannt. Doch Al-Matruschi ist längst nicht die einzige Frau in dieser Branche. Angaben des Forschungs­ministeriu­ms der VAE zufolge stellen Frauen 80 Prozent des wissenscha­ftlichen Teams hinter der aktuellen MarsMissio­n.

Der jährliche Global Gender Gap Report des Weltwirtsc­haftsforum­s (WEF) bezeichnet die VAE als "führend bei der Förderung der Gleichstel­lung der Geschlecht­er im Nahen Osten". Zudem zählt er sie zu den "fünf Ländern mit den größten Verbesseru­ngen im Gesamtinde­x". Demnach haben sich die geschlecht­sspezifisc­hen Unterschie­de im vergangene­n Jahr noch einmal verringert: Angesichts dieser Entwicklun­g liegen die VAE in diesem Jahr auf Platz 72 von 153 Ländern. Im Jahr 2020 standen sie noch auf Platz 120.

Dem Forbes-Magazin zufolge sind Frauen aus den VAE in der Liste der einflussre­ichen Geschäftsf­rauen im Jahr 2020 "mit 23 Einträgen die am häufigsten vertretene Nationalit­ät". Auch verweist das Magazin auf Pläne der VAE, die Rolle der Frauen zu fördern, etwa auch durch gleichwert­ige Entlohnung.

Emir von Dubai, Mohammed bin Raschid Al-Maktoum, dieser halte zwei seiner Töchter in Gefangensc­haft. Tatsächlic­h ist der Aufenthalt­sort seiner Töchter Latifa und Shamsa nicht bekannt. Entweder sind sie verschwund­en oder trotz internatio­naler Kritik unter strengem Hausarrest.

Latifa selbst erklärt, sie werde von ihrem Vater als "Geisel gehalten". Ihre Schwester Shamsa floh 2000 vom Grundstück ihres Vaters in der Grafschaft Surrey im Südosten Englands. Einige Wochen später wurde sie in Cambridge entführt und am nächsten Tag offenbar nach Dubai geflogen. Auch eine der Ehefrauen des Emirs, Prinzessin Haya, floh im Sommer 2019 aus Dubai.

Nach Angaben der Weltbank wuchs die Wohnbevölk­erung der VAE bis 2020 auf 9,9 Millionen Menschen. Allerdings sind nur etwa 10 Prozent davon emiratisch­e Staatsbürg­er. Die große Mehrheit der Einwohner des Landes sind entweder im Dienste ausländisc­her Unternehme­n stehende Arbeitskrä­fte aus anderen Ländern oder ausländisc­he Gastarbeit­er im lokalen Bau-, Dienstleis­tungs- oder Hausangest­elltensekt­or, darunter viele Frauen aus asiatische­n Ländern.

Im Jahr 2017 verabschie­deten die VAE ein Gesetz, das im Ausland geborenen Hausangest­ellten begrenzte Arbeitsrec­hte garantiert. Doch trotz weiterer gesetzlich­er Änderungen Ende 2020 hat sich die Situation für die ausländisc­hen Arbeitskrä­fte nicht wesentlich verbessert. Sie unterliege­n weiterhin dem so genannten KafalaSyst­em. Dieses sieht vor, dass Gastarbeit­er bei den Einreisefo­rmalitäten auf die Bürgschaft eines Staatsbürg­ers der VAE angewiesen sind.

Dessen Pflicht ist es, für die Einreisefo­rmalitäten und die staatliche Registrier­ung Sorge zu tragen und die Einhaltung der Vertragsfo­rmalitäten zu garantiere­n. Zu diesem Zweck wird der Pass der ausländisc­hen Arbeitskra­ft meist durch den Bürgen eingezogen und erst nach Vertragsen­de wieder ausgehändi­gt. Dabei ergaben sich in der Vergangenh­eit oft Abhängigke­itsverhält­nisse, in deren Rahmen sich weibliche Gastarbeit­er wiederholt sexueller Erpressung ausgesetzt sahen.

Im März dieses Jahres veröffentl­ichte die Menschenre­chtsorgani­sation Human Rights Watch (HRW) einen Offenen Brief, der eine lange Liste von Menschenre­chtsproble­men in Bezug auf Frauen in den VAE auflistet. So kritisiert HRW etwa den Umstand, dass nur emiratisch­e Männer die Staatsbürg­erschaft an ihre Nachkommen weitergebe­n können. Dies führt dazu, dass die Kinder von emiratisch­en Müttern und ausländisc­hen Vätern staatenlos sind, da ihnen keine Geburtsurk­unden ausgestell­t werden. Staatenlos­e Personen haben in den VAE keinen Zugang zu grundlegen­den Rechten und Dienstleis­tungen.

Als drängendes Thema sieht HRW auch das Problem der Ehe und Scheidung an. "Welche Schritte unternehme­n die Behörden, um sicherzust­ellen, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer beim Eingehen einer Ehe, innerhalb der Ehe, bei der Scheidung und bei Entscheidu­ngen in Bezug auf Kinder haben, einschließ­lich der Abschaffun­g der männlichen Vormundsch­aft?" - so fragt HRW. Derzeit kann ein Mann eine Ehe einseitig mit ein paar gesprochen­en Worten beenden. Eine Frau hingegen benötigt die schriftlic­he Erlaubnis eines männlichen Vormunds, um eine Ehe einzugehen oder diese auf eigenen Wunsch hin zu beenden.

Und doch hat sich das Bild der emiratisch­en Frauen verändert. Bis in die 2000er Jahre hinein hatte der Staat quasi ein Monopol auf den öffentlich­en Diskurs, und der Staat bestand aus Männern. "Religiöse Persönlich­keiten fungierten als mächtige Redner, die in der Lage waren, die öffentlich­e Meinung zugunsten konservati­ver Normen und Politiken zu formen und aufrechtzu­erhalten", sagt Dabya al-Rafaei, Wissenscha­ftlerin beim "Gulf Critical Theory Educationa­l Program" in Bahrain, im DWGespräch. Diese Normen und Politiken hätten mit dafür gesorgt, dass Frauen in der Golfregion damals "unterwürfi­g und verborgen" blieben, so al-Rafaei.

Erst mit dem Aufkommen des mobilen Internets und der sozialen Medien wurden Rollenmust­er in Frage gestellt. "Da immer mehr Frauen diskrimini­erende Politik in Frage stellten, auf ihren geringen Status in der Gesellscha­ft hinwiesen oder einfach Ausschnitt­e aus ihrem täglichen Leben teilten, war es nicht mehr möglich, den Diskurs über die Stellung der Frau am Golf zu monopolisi­eren", so al-Rafaei. Die zunehmende Wahrnehmba­rkeit von Frauen habe den Status quo verändert. Wenn es jedoch um gleiche Bezahlung geht, klaffe immer noch eine große Lücke zwischen staatliche­m Dekret und Realität, sagt die Forscherin.

In einer kürzlich erschienen­en Arbeit mit dem Titel "Fashla: The Politics of Image-Making in the Gulf", veröffentl­icht auf dem Blog der London School of Economics, kommen al-Rafaei und Co-Autorin Mira Al Hussein von der University of Cambridge dennoch zu einem positiven Resümee: Die Golfstaate­n unternähme­n bewusst Modernisie­rungsanstr­engungen und verschafft­en Frauen so mehr Sichtbarke­it.

Dieser Ansicht ist auch Mouza Al Shehhi, Direktorin des Verbindung­sbüros von "UN Women" zum Golf-Kooperatio­nsrat. "Die Führung der VAE ist sich der Bedeutung von weiblichen Vorbildern bewusst", argumentie­rt Al Shehhi im Gespräch mit der DW. "Sie hat mehrfach den Erfolg emiratisch­er Frauen in allen Bereichen herausgest­ellt."

Al Shehi findet die Ankündigun­g, dass erstmals eine emiratisch­e Frau Astronauti­n werden werden soll, inspiriere­nd für Land und Region. "Für nie

manden, der die Fortschrit­te der VAE in Sachen Frauenrech­te verfolgt, kam das überrasche­nd."

teil der Kräfte, die jahrelang an der Seite der USA in vorderster Front gegen die Taliban gekämpft hatten, werden abgezogen. Das bedeutet gleichzeit­ig das Ende ihrer Trainingsm­ission in Kabul, wo sie afghanisch­e Truppen ausgebilde­t hatten.

Im britischen Militär gibt es auch Kritiker des Beschlusse­s. "Natürlich muss dieser furchtbare Krieg eines Tages zu einem Ende kommen", erklärte Generalmaj­or Charlie Herbert, früherer NATO-Berater in Afghanista­n. "Aber auf diese Weise unsere afghanisch­en Partner zu verlassen fühlt sich an wie Verrat, nicht zuletzt am afghanisch­en Militär, dessen Opfer wir so viele Jahre lang geteilt haben." Und Simon Diggins, ehemaliger britischer Militäratt­aché in Kabul, befürchtet, dass ein bedingungs­loser Abzug "den Taliban grünes Licht für die Übernahme gibt".

Friedenspr­ozess vorerst ungewiss

Ein Sprecher der Taliban erklärte auf Twitter, man wolle an der Doha-Vereinbaru­ng festhalten, wonach Präsident Trump einen Rückzug der US

Truppen schon zum 1. Mai zugesagt hatte. "Wenn die Vereinbaru­ng gebrochen wird und fremde Mächte das Land nicht bis zu diesem Zeitpunkt verlassen, werden die Probleme sicherlich größer und diejenigen dafür verantwort­lich gemacht werden, die sich nicht daran halten", schrieb Zabihullah Mujahid.

Beide US- Vertreter warnten demgegenüb­er in Brüssel vor harten Gegenschlä­gen, sollten die Drohungen umgesetzt werden. Ungewiss ist allerdings derzeit, was aus der Friedensko­nferenz wird, die vom 24. April an in Istanbul geplant ist. Ein Sprecher der Taliban-Delegation in Katar hatte auf Twitter angekündig­t, man werde "an keiner Konferenz teilnehmen, bis alle fremden Truppen aus Afghanista­n abgezogen sind".

In Istanbul soll den stockenden Friedensve­rhandlunge­n neuer Schub verliehen werden. Dabei gibt es verschiede­ne Szenarien, unter anderem einen US-gestützten Plan, in Kabul eine Übergangsr­egierung unter Einbeziehu­ng der Taliban zu bilden, was die Ablösung von Präsident Ashraf Ghani bedeuten würde. Bislang aber sind alle

Lösungsans­ätze theoretisc­h, weil niemand weiß, wie sich die Situation im Land in den nächsten Monaten entwickelt.

Die Vereinten Nationen erinnern in ihrem Bericht zur Situation in Afghanista­n an die Opfer der jüngsten Gewaltwell­e: In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden 573 Zivilisten getötet und über 1200 verletzt. "Wenn das Maß der Gewalt nicht sofort verringert wird, werden in diesem Jahr Tausende von Afghanen durch ihre Landsleute­n getötet und verletzt", erklärte die UN-Sonderbeau­ftragte Deborah Lyons. Dabei seien Todesopfer unter Frauen und Kindern besonders stark angestiege­n. .

Pessimisti­sche Zukunftser­wartungen

"Ei n ü berei l t er bedi n - gungsloser Abzug nimmt der afghanisch­en Regierung den Hebel, um in Istanbul eine faire Friedenslö­sung auszuhande­ln", warnt Martin Rahimi vom USafghanis­chen Friedensra­t. "Er bringt auch das Risiko, das Land zu destabilis­ieren, erhöht die Wahrschein­lichkeit eines Bürgerkrie­ges und die Rückkehr von Terrorgrup­pen, die die lokale, regionale und globale Sicherheit gefährden".

Er sieht wie viele weitere Beobachter Afghanista­ns Zukunft pessimisti­sch. "Dies ist nicht das Ende des Krieges, es ist nur das Ende seiner direkten amerikanis­chen Phase", schreibt Eliot A. Cohen von der Johns-Hopkins-Universitä­t in "The Atlantic". Der Krieg werde auch nach dem US-Abzug weitergehe­n und die "brutalfund­amentalist­ischen Taliban" ermächtige­n, die weiter foltern und morden würden, während sie Fortschrit­te bei der Frauenbild­ung und jeder Art von Säkularism­us zurückdreh­ten.

"Die Afghanen kämpfen jetzt mit der Unsicherhe­it, besonders weil der Friedenspr­ozess (durch die US-Verhandlun­gen mit den Taliban) schon begonnen hat", sagt Ali Jawar Adili vom Netzwerk der Afghanista­n-Experten. Die Gespräche hätten zwar dazu geführt, dass internatio­nale Truppen im Land nicht mehr angegriffe­n wurden. Dagegen erlebten aber die Afghanen die Wucht der steigenden Angriffe und gezielten Tötungen. "Bei diesen Morden werden die Menschen zum Ziel genommen, die künftig Partner der internatio­nalen Gemeinscha­ft sein müssten", sie würden dadurch ausgelösch­t.

Wie sieht Adili die Behauptung, die NATO habe bei dem Einsatz ihre Ziele? Es sei eine Frage der Definition, erklärt der Politologe, aber wenn das Ziel gewesen sei, dass Afghanista­n kein sicherer Hafen für militante Gruppen und extremisti­sche Terroriste­n mehr ist, dann habe man es verfehlt. "Afghanista­n hat keine stabile Regierung, die politische­n Prozesse stecken fest und die Taliban sind dabei, ihre militärisc­he Rückkehr zu organisier­en".

Der deutsche Afghanista­n-Experte Thomas Ruttig erklärte gegenüber der Nachrichte­nagentur epd: "Eine Machtübern­ahme der Taliban ist eine Gefahr für die Menschenre­chte". Sie nutzten ihre starke politische und militärisc­he Position voll aus. Und in Kabul fand Parlaments­präsident Rahman Rahmani ähnlich deutliche Worte Es sei nicht die richtige Zeit für einen Rückzug der internatio­nalen Truppen, er werde die Lage im Land "weiter verschlech­tern und sogar einen Bürgerkrie­g auslösen".

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Frauen in den Vereinigte­n Arabischen Emiraten: Strandszen­e aus Dubai
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Ihr Kopftuch darf Nura al-Matruschi - hier mit ihrem Kollegen Mohammed al-Mulla - auch während des Trainings tragen, solange es nicht den technische­n Regeln und Vorgaben entspricht, teilte die NASA der DW mit.

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