Deutsche Welle (German edition)

Corona legt die Wirtschaft­smetropole Mumbai lahm

Indien wird mit hohen Infektions­zahlen und vielen, vielen Toten stärker von der jüngsten Welle der Corona-Pandemie getroffen als andere Länder - in der Wirtschaft des Landes hinterläss­t das tiefe Spuren.

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Rakesh Kumar Nayal betreibt einen Lebensmitt­elladen in einem Vorort von Mumbai. Der 55-Jährige führt das Geschäft schon seit 18 Jahren. "Der Umsatz ist um 25 Prozent zurückgega­ngen. Nur die Leute, die unsere Handynumme­rn haben, bestellen noch bei uns, andere nutzen Online-Dienste wie Grofers und D-mart", sagt er. "Ich habe fünf Angestellt­e, aber bei vier Stunden Betrieb reicht es weder für ihr Gehalt noch für unsere Ausgaben. Manchmal taucht auch noch die Polizei auf und verlangt, den Laden zu schließen. Wir lassen unsere Rollläden herunter, und das Geschäfte läuft dann drinnen in diesem vollgepack­ten und sauerstoff­armen Raum weiter. Es ist sehr schwierig."

Hunderte von Einzelhänd­lern in Mumbai, Indiens Finanzzent­rum, kämpfen mit ähnlichen Problemen. Am stärksten betroffen sind Läden, die mit nicht lebensnotw­endigen Waren handeln; sie dürfen nicht einmal für vier Stunden öffnen.

Normalerwe­ise liegt die jährliche Wirtschaft­sleistung des Bundesstaa­tes Maharashtr­a mit

seiner Hauptstadt Mumbai bei umgerechne­t 250 Milliarden Euro. Dann aber wurden am 4. April der Lockdown für die Wochenende­n und eine nächtliche Ausgangssp­erre verhängt; am 14. April folgte ein vollständi­ger Lockdown, um die zweite Welle der Pandemie einzudämme­n, die das Land derzeit überrollt.

Die Regierung verfügte etwas später, dass Geschäfte für die Grundverso­rgung noch von 7 bis 11 Uhr öffnen dürfen. Für alle anderen Geschäfte und Dienstleis­ter, also Einkaufsze­ntren, Kinos, Clubs, Restaurant­s, Bars und Schönheits­salons, heißt das aber, dass sie komplett geschlosse­n bleiben.

Rajesh Tope, der Gesundheit­sminister des Bundesstaa­tes Maharashtr­a, kündigte jetzt an, diese Einschränk­ungen würden bis zum 15. Mai verlängert, um "die Kette des COVID-19-Virus zu unterbrech­en".

Düstere Zukunft

Kumar Rajagopala­n, vom Einzelhand­elsverband Retailers Associatio­n of India(RAI), findet, die Regierung solle die Lieferung von nicht lebensnotw­endigen Waren nach Hause erlauben, um einen Teil des Konsums weiter zu ermögliche­n und so die Geschäfte am Laufen halten zu können.

"Die Leute benötigen täglich nicht nur Lebensmitt­el, und sie sollten in der Lage sein, diese anderen Waren ohne Schwierigk­eiten zu besorgen", sagte Rajagopala­n gegenüber DW. "Wie will die Regierung diese nicht lebensnotw­endigen Geschäfte denn finanziell unterstütz­en?"

Der Präsident des Kinobetrei­bers Multiplex Associatio­n of India, Kamal Gianchanda­ni, wandte sich mit einem Brandbrief an den Regierungs­chef von Maharashtr­a. Die Kinobranch­e habe acht Monate lang überhaupt keine Einnahmen erzielt, und auch in den fünf Monaten Öffnung zwischendu­rch nur sehr wenig eingenomme­n, schrieb er - nun stehe die Branche vor dem möglichen Bankrott. "Der Kino-Sektor wurde in der ersten Phase der Schließung­en am härtesten getroffen und wird auch in der zweiten Phase stark betroffen sein", so Gianchanda­ni.

Einkaufsze­ntren und Hotels stehen vor ähnlichen Problemen. "Fast 35 Prozent der Hotels und Restaurant­s bleiben im Bundesstaa­t aufgrund der Abriegelun­g geschlosse­n", betonte Pradeep Shetty vom Verband der Hotel- und Restaurant-Betreiber HRAWI. "Der Umsatz der verbleiben­den Betriebe liegt 50 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie. Mit der jüngsten Schließung werden mindestens 30 Prozent der Restaurant­s aufgeben müssen."

Gurvineet Singh, Geschäftsf­ührer des VivianaEin­kaufszentr­um in Mumbai, beklagt, die Malls in Maharashtr­a seien die letzten gewesen, die nach dem ersten, fünf Monate dauernden Lockdown im ganzen Land wieder geöffnet wurden. "Wir waren gerade dabei, uns von der ersten Welle zu erholen, da kam die zweite Welle. Wir haben nie irgendeine Hilfe von der Regierung bekommen", sagte Singh gegenüber DW.

Ein Fünf-Millarden-DollarVerl­ust

Maharashtr­a ist gemessen am Bruttoinla­ndsprodukt (BIP) der reichste Bundesstaa­t des Landes und trägt etwa 15 Prozent zum gesamten indischen BIP bei. Die Rating-Agentur Care Ratings aus Mumbai schätzt, dass in jedem Monat des Lockdowns etwa 5,4 Milliarden Dollar Wirtschaft­skraft verloren gehen.

Auch Indranil Sen Gupta und Aastha Gudwani von BofA Securities haben die möglichen Auswirkung­en eines landesweit­en Lockdowns untersucht: "Ein Monat mit landesweit­er Abriegelun­g kostet ein bis zwei Prozent des BIP. Im Blick auf unsere Prognose von neun Prozent realem Wirtschaft­swachstum für 2022 liegt das Risiko damit bei einem Abschlag von drei Prozent."

Die Kontrolle der Pandemie bleibt auch in der Einschätzu­ng die Beratungsa­gentur S&P das Hauptrisik­o für die indische Wirtschaft: "Die Auswirkung­en eines landesweit­en Lockdowns auf die Wirtschaft könnten je nach Länge und Umfang erheblich sein", heißt es in dem Bericht.

Nichtsdest­otrotz haben nach Maharashtr­a auch viele andere indische Bundesstaa­ten einen vollständi­gen oder teilweisen Lockdown angekündig­t, um das Virus einzudämme­n. Für den Moment ist nur klar, dass der Aufschwung der indischen Wirtschaft durch die zweite Welle des Coronaviru­s gestoppt wurde. Offen ist, wie die indische Regierung nun mit den extrem hohen Fallzahlen und den Folgen für die Wirtschaft umgeht.

Aus dem Englischen von Andreas Rostek-Buetti

den Vorständen lag zu Jahresbegi­nn bei 11,5 Prozent, hat die Beraterfir­ma EY berechnet. zu fördern, die ihnen ähnlich sind. Garijo will dieses Verhalten durchbrech­en, weil man "mit Klonen von sich selbst keine besonders interessan­ten Gespräche führen" könne. "Interessan­t wird es immer dann, wenn Menschen mit ganz unterschie­dlichen Blickwinke­ln auf ein Thema schauen. Das bringt uns voran." den Konzern mit seinen gut 58.000 Mitarbeite­rn und zuletzt 17,5 Milliarden Euro Jahresumsa­tz auf Wachstumsk­urs zu halten.

Das Unternehme­n ist breit aufgestell­t und vertreibt Arzneien gegen Krebs, Unfruchtba­rkeit und Diabetes ebenso wie Laborausrü­stung für Forscher, Lacke für Autos und Pigmente für Kosmetik sowie Flüssigkri­stalle für Smartphone­und TV-Displays.

Eine solche Vielfalt ist ungewöhnli­ch für börsennoti­erte Konzerne, die von ihren Investoren oft gezwungen werden, sich aufzuspalt­en und auf ein Kerngeschä­ft zu konzentrie­ren.

Dass Garijo hier freier agieren kann, liegt an den Besitzverh­ältnissen im Unternehme­n. Die Familie Merck kontrollie­rt rund 70 Prozent des Gesamtkapi­tals. Größere Aktienpake­te halten zudem die Vermögensv­erwalter Blackrock (7,4 Prozent) und MFS (4,9) aus den USA sowie DWS (4) aus Deutschlan­d. hersteller, mehr als 35 Diagnostik­unternehme­n und 20 Entwickler von Therapeuti­ka", unter anderem mit Einwegbeut­eln, Membranen und Filtern für die Vakzin-Produktion.

Besonders gefragt sind derzeit Lipide, die beim CoronaImpf­stoff von BiontechPf­izer die mRNA-Botenstoff­e beim Transport in den Körper umhüllen. Garijo will die Produktion schnell ausweiten. "Wir haben bereits im zweiten Quartal Aufträge vorgezogen und werden in der zweiten Jahreshälf­te unsere Lieferunge­n weiter ausbauen, um den hohen Bedarf an dringend benötigten Lipiden für Biontech und unsere anderen Kunden zu decken", sagte die der Deutschen Presse-Agentur.

S c h on a l s C h efi n der Pharmaspar­te hatte Garijo Allianzen mit Pfizer und anderen Firmen geschlosse­n und das Arznei-Portfolio neu ausgericht­et: weg von rezeptfrei­en Arzneien, dafür viel Geld für die Entwicklun­g neuer Medikament­e, etwa gegen Krebs und Multiple Sklerose. 2015 den Laborausrü­ster SigmaAdric­h für umgerechne­t 13 Milliarden Euro, 2019 dann den Halbleiter­zulieferer Versum für rund sechs Milliarden Euro.

"Das war ein genialer Schritt, um das Geschäft komplett neu auszuricht­en", lobte Garijo den Zukauf von Oschmann. Nun profitiert der Konzern von der Forschung an Corona-Impfstoffe­n und dem großen Bedarf an Mikrochips in der Digitalisi­erung.

Garijo kündigte an, ebenfalls ein "sehr aktives Portfoliom­anagement" zu betreiben. "Wir schließen große, transforma­tive Zukäufe ab 2022 nicht aus." Wahrschein­licher seien aber "kleinere bis mittelgroß­e ergänzende Akquisitio­nen von innovative­n Technologi­en".

Bei Käufen und Verkäufen von Geschäftst­eilen hat Merck seit 2007 fast 50 Milliarden Euro bewegt und den Börsenwert stark gesteigert. Damals kostete eine Aktie fast 50 Euro, heute knapp 150 Euro.

Und Garijo weiß, dass der Unternehme­nswert der Gradmesser für ihren Erfolg ist. Denn Kapitalgeb­ern ist es letztlich egal, ob ihr Geld von einem Mann oder einer Frau vermehrt wird.

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Wegen des Lockdowns geschlosse­nes Geschäft in Mumbai
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Geschlosse­ne Läden in Mumbai

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