EIN PLATZ AN DER SON­NE

Die Schoensten Landhaeuser - - INHALT -

Ein ma­ro­des Do­mi­zil ent­puppt sich als wah­res Glanz­stück.

Kein flie­ßen­des Was­ser, ma­ro­de Fens­ter – in An­na und Patric Jo­hans­sons neu­em Zu­hau­se stand die Zeit lan­ge still. Ge­mein­sam ver­wan­del­ten sie das strah­lend gel­be Farm­haus in ei­ne Oa­se der Ru­he.

Nor­ma­ler­wei­se ist man als frisch­ge­ba­cke­ner Haus­ei­gen­tü­mer haupt­säch­lich mit Kis­ten­au­s­pa­cken be­schäf­tigt. Bei An­na und Patric lief der Ein­zug in ihr neu­es Zu­hau­se et­was an­ders ab. Statt hel­len, lee­ren Räu­men er­war­te­te das schwe­di­sche Paar ein bis un­ter die De­cke voll­ge­stell­tes Haus. „Wir ha­ben die Im­mo­bi­lie mit sämt­li­chen Mö­beln und al­lem Drum und Dran ge­kauft. Be­vor wir ein­zo­gen, ist we­der drau­ßen noch im In­ne­ren et­was ver­än­dert wor­den“, er­in­nert sich An­na an die An­fän­ge des son­nen­gel­ben Holz­hau­ses zu­rück, das ei­ne be­weg­te Ver­gan­gen­heit hat: Zwei Brü­der hat­ten das Land­haus 1939 in Ei­gen­re­gie ge­baut. Die bei­den Schwe­den schätz­ten das ein­fa­che Land­le­ben, nur zwei Pfer­de hal­fen ih­nen bei der Be­wirt­schaf­tung des ehe­ma­li­gen Hof­be­trie­bes. Als An­na und Patric schließ­lich ein­zo­gen, schien es, als hät­ten die vo­ri­gen Be­woh­ner das Haus nur für ei­nen kur­zen Mo­ment ver­las­sen: In der Kü­chen­spü­le stand dre­cki­ges Ge­schirr, in der Scheu­ne war­te­ten die Pfer­de­bürs­ten auf ih­ren Ein­satz und auch die Ar­beits­klei­dung hing brav an ih­rem Ha­ken im Flur – in fast je­dem Win­kel des Hau­ses hat­ten die Vor­be­sit­zer ih­re Spu­ren hin­ter­las­sen. „Wir wuss­ten zwar, dass wir das Haus

Ver­schie­de­ne Holz­schat­tie­run­gen sor­gen für an­ge­neh­me Wär­me

mö­bliert ge­kauft hat­ten, aber wie viel Ar­beit das be­deu­ten wür­de, hat­ten wir et­was un­ter­schätzt. Zum Glück war das Gan­ze auch wun­der­bar aben­teu­er­lich, denn wir konn­ten so in un­se­rem ei­ge­nen Zu­hau­se auf Schatz­su­che ge­hen. Wir ha­ben nach und nach je­den Raum durch­fors­tet und al­le gut er­hal­te­nen Tep­pi­che, Mö­bel und Ge­mäl­de ent­staubt und in un­se­re Ein­rich­tung in­te­griert. Vie­les muss­ten wir aber auch ent­sor­gen – ir­gend­wann ha­be ich auf­ge­hört, un­se­re Fahr­ten zur Müll­de­po­nie zu zäh­len!“Und wie es al­te Häu­ser so an sich ha­ben, war­te­te an­schlie­ßend auch schon das nächs­te Pro­jekt auf das jun­ge Paar. Da die frü­he­ren Haus­be­sit­zer das Ge­bäu­de im Al­ter et­was ver­nach­läs­sigt hat­ten, muss­ten An­na und Patric mehr als nur Schön­heits­ar­bei­ten leis­ten. Kaum hat­ten sie die Holz­ver­tä­fe­lung re­stau­riert, die al­ten Fens­ter mit Spros­sen sta­bi­li­siert und die ma­ro­den, über­dach­ten Veran­den und Bal­ko­ne er­neu­ert, kün­dig­te sich be­reits der nächs­te Pro­blem­fall an. Da we­der flie­ßen­des Was­ser noch ein Ab­was­ser­sys­tem vor­han­den wa­ren,

Zar­te Mus­ter und ei­ne sanf­te Farb­pa­let­te da brin­gen viel Hel­lig­keit in je­den Raum

wur­den un­ter dem Haus zeit­ge­mä­ße Lei­tun­gen ver­legt. Da­bei ent­deck­ten die Hand­wer­ker in den Boh­len der Holz­kon­struk­ti­on Braun­fäu­le, die nicht nur die Sta­bi­li­tät, son­dern auch den Haus­frie­den be­droh­te. Spricht man An­na und Patric heu­te dar­auf an, re­agie­ren sie ganz ent­spannt, auch wenn bei­de da­mals kurz vor dem Zu­sam­men­bruch stan­den: „Wir hat­ten in Ge­dan­ken schon die neu­en Ta­pe­ten aus­ge­sucht, denn das wä­re ei­gent­lich der nächs­te Schritt ge­we­sen. Statt­des­sen ha­ben wir sämt­li­che Bö­den auf­ge­ris­sen. Ins­ge­samt dau­er­ten die Sa­nie­rungs­ar­bei­ten Mo­na­te und wir muss­ten al­le Tü­ren und Fens­ter ge­öff­net las­sen, wäh­rend drau­ßen der ers­te Schnee fiel.“Ei­ne Zeit, die bei­de so schnell nicht ver­ges­sen wer­den: „Oh­ne die Un­ter­stüt­zung un­se­rer Freun­de und Fa­mi­lie hät­ten wir das nicht durch­ge­stan­den. Heu­te wis­sen wir, dass es sich ge­lohnt hat und sind ein­fach nur glück­lich, dass wir das Haus nicht ganz ab­rei­ßen muss­ten“, be­rich­tet An­na mit ei­nem er­leich­ter­ten Lä­cheln. Die ori­gi­na­len Holz­die­len konn­ten trotz der in­ten­si­ven Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten ge­ret­tet wer­den und auch bei der üb­ri­gen Ein­rich­tung ge­hen Alt und Neu Hand in Hand: In der mo­der­nen Land­haus­kü­che stößt man heu­te auf rus­ti­ka­le Klin­ker­flie­sen und ei­nen al­ten Holz­ofen. Ver­win­kel­te Ni­schen bie­ten An­nas zahl­rei­chen Floh­markt­fun­den Un­ter­schlupf, wäh­rend hier und da la­ckier­te Mö­bel auf­blit­zen. Ent­stan­den ist so ein Zu­hau­se, das ge­müt­li­cher nicht sein könn­te – be­son­ders im Win­ter, wenn sich die mitt­ler­wei­le vier­köp­fi­ge Fa­mi­lie vor dem Ka­chel­ofen im Wohn­zim­mer wärmt. Die Haus­her­rin kann die ers­ten Früh­lings­ta­ge dann kaum er­war­ten: „Wenn ich mir mei­ne Re­gen­stie­fel und die Schub­kar­re schnap­pe und den Gar­ten auf Vor­der­mann brin­ge, gibt mir das neue Ener­gie!“

TEXT: C. REU­TER, AN­NA TRUELSEN FO­TOS: CA­RI­NA OLANDER

Oben: Die tra­di­tio­nel­le Ab­de­ckung über der Koch­stel­le ist ein DIY-Pro­jekt, dar­un­ter be­fin­det sich ei­ne hoch­mo­der­ne Ab­zugs­hau­be. Klei­ne Bil­der von links: Die Fas­sa­de in son­ni­gem Gelb blieb un­ver­än­dert. Durch die kräf­ti­ge Far­be wird das Weiß der Fens­ter und Tü­ren her­vor­ge­ho­ben; die Sitz­bän­ke der neu ge­bau­ten Veran­da sind ein lau­schi­ges Plätz­chen. Für Kon­tras­te sorgt der Bo­den mit Schach­brett­mus­ter.

Die­se Sei­te: Mit ei­nem fri­schen Farb­an­strich hat An­na das be­tag­te Haus zu neu­em Le­ben er­weckt. Die durch­ge­hen­den, hel­len Holz­die­len und de­zen­ten Mus­ter­ta­pe­ten wir­ken schön be­hag­lich und schaf­fen zu­dem ei­ne op­ti­sche Ver­bin­dung vom Wohn- zum Ess­zim­mer.

Bild rechts: Die far­ben­präch­ti­gen Holz­stüh­le in rus­ti­ka­ler Bau­ern-Op­tik sind im hel­len Schlaf­zim­mer ein tol­ler Blick­fang. Mit ei­nem bun­ten Kis­sen setzt die Da­me des Hau­es mit­ten im Bett ei­nen hüb­schen Farb­ak­zent. Bild un­ten: Der klas­sisch-schwe­di­sche Ka­chel­ofen ist das Tüp­fel­chen auf dem „i“– das so ent­stan­de­ne, ge­müt­li­che Am­bi­en­te im ty­pi­schen Skan­di­na­vi­en-Stil ge­nießt die Fa­mi­lie an kal­ten Win­ter­ta­gen be­son­ders.

Har­mo­nie statt Stil­bruch: An­na und Patric wis­sen ihr al­tes Haus zu schät­zen

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