EIN GROS­SES ABEN­TEU­ER

Die Schoensten Landhaeuser - - INHALT 4/2018 - TEXT: K. KÜHL, H. DIXON • FO­TOS: CO­LIN POOLE / GAP INTERIORS

Ei­ne Re­no­vie­rung, die vie­le Jah­re dau­er­te, zahlt sich aus.

Was uns nicht um­bringt, macht uns stär­ker, dach­ten sich Clai­re und An­dy Ha­mer bei der auf­wen­di­gen Re­no­vie­rung ih­res al­ten Hau­ses.

Cha­rak­ter­bil­dend nennt Clai­re Ha­mer heu­te rück­bli­ckend die Jah­re, in de­nen sie und ihr Mann An­dy ein al­tes Farm­haus aus dem Jahr 1670 von Grund auf re­no­vier­ten. Von An­fang an hat­ten die bei­den Be­den­ken, so ein Groß­pro­jekt an­zu­ge­hen, doch der Wunsch nach ei­nem schö­nen Haus in den York­shire Da­les über­wog. „Wir hat­ten be­reits acht Mo­na­te nach ei­ner ge­eig­ne­ten Im­mo­bi­lie ge­sucht, be­vor wir die­ses Haus fan­den“, er­in­nert sich Clai­re. Doch statt das her­un­ter­ge­kom­me­ne St­ein­haus erst ein­mal zu re­no­vie­ren und wohn­lich zu ge­stal­ten, be­vor die Fa­mi­lie ein­zog, gin­gen die Ha­mers gleich in die Vol­len: „Am Sams­tag ka­men wir an, am Sonn­tag rich­te­te sich An­dy sein pro­vi­so­ri­sches Ho­me-Of­fice ein und am Mon­tag be­gan­nen die Sa­nie­rungs­ar­bei­ten“, er­zählt die Haus­her­rin. Wäh­rend Clai­re bei­de Hän­de voll zu tun hat­te mit der Re­no­vie­rung und ih­ren vier Söh­nen, von de­nen die bei­den jüngs­ten da­mals noch sehr klein wa­ren, muss­te sich An­dy zwi­schen Bau­schutt und Staub um sei­ne an­ge­hen­de Selbst­stän­dig­keit küm­mern. „Ich te­le­fo­nier­te mit Kun­den, wäh­rend das Haus um mich her­um buch­stäb­lich zu­sam­men­brach“, er­in­nert er sich und er­gänzt la­chend: „Oft war ich von Kopf bis Fuß in Staub und Dreck ge­hüllt, muss­te aber den­noch ver­su­chen, ganz pro­fes­sio­nell zu wir­ken.“Um das Haus über­haupt be­wohn­bar zu ma­chen, muss­te zu­erst das ma­ro­de Dach wet­ter­fest ge­macht wer­den. „In den ers­ten Wo­chen stan­den über­all Ei­mer her­um, die den Re­gen auf­fin­gen, der durch Ris­se im Dach und

Die­se Sei­te: An­dy und Clai­re in­ves­tier­ten viel Zeit und Ener­gie, um den Ei­chen­bo­den so zu be­ar­bei­ten, dass er per­fekt zur Holz­de­cke passt. Bei der Re­no­vie­rung mach­ten sie kei­ne hal­ben Sa­chen.

Gro­ßes Bild: Das Ess­zim­mer be­fin­det sich in ei­nem An­bau, den die Ha­mers 2005 er­rich­te­ten, und ist mit Vin­ta­ge-Mö­beln ein­ge­rich­tet.

ein un­dich­tes Dach­fens­ter her­ein­tropf­te“, er­zählt Clai­re. Trotz der vie­len gra­vie­ren­den Bau­stel­len, um die sich die bei­den gleich­zei­tig küm­mern muss­ten, wähl­ten An­dy und Clai­re nie den ein­fa­chen Weg. So wur­de das Dach Stück für Stück ab­ge­tra­gen und neu ge­deckt, und statt die al­ten, un­dich­ten Fens­ter ge­gen mo­der­ne aus­zu­tau­schen, schmir­gel­ten sie die al­ten Rah­men ab, la­ckier­ten die­se und setz­ten neue Schei­ben ein. Wäh­rend der Ar­bei­ten ent­deck­te das Ehe­paar nicht nur ei­ne in­sta­bi­le Wand im Erd­ge­schoss, son­dern muss­te ge­schockt fest­stel­len, dass auch der Fuß­bo­den im Ober­ge­schoss stel­len­wei­se morsch war. „Al­les muss­te raus – der gan­ze Dreck und Mist aus 300 Jah­ren“, er­zählt Haus­herr An­dy. „Beim Ab­riss ha­ben wir selbst or­dent­lich mit an­ge­packt, denn Din­ge ka­putt zu schla­gen, ist ein­fach“, grinst er. Trotz sei­nes Al­ters stand das Haus der Ha­mers nicht un­ter Denk­mal­schutz – ein gro­ßes Glück für die Fa­mi­lie, die ihr neu­es Zu­hau­se ganz nach ih­ren ei­ge­nen Wün­schen ge­stal­ten woll­te.

Mehr als zwei Jah­re dau­er­te al­lein die Be­he­bung der größ­ten Schä­den, doch An­dy und Clai­re ga­ben nie auf. „Wenn ich heu­te dar­über nach­den­ke, war es ei­ne ex­trem stres­si­ge Zeit. Aber da­mals be­trach­te­ten wir das Gan­ze als ein ein­zi­ges gro­ßes Aben­teu­er“, be­rich­tet die stol­ze Be­sit­ze­rin. Da die bei­den von ei­nem an die Kü­che an­gren­zen­den Ess­zim­mer träum­ten, ent­schlos­sen sie sich so­gar für ei­nen An­bau hin­ter dem Haus. Beim Bau des Fun­da­ments wur­de je­doch ei­ne Drai­na­ge, die über­schüs­si­ges Was­ser aus dem Fluss­tal ab­lei­ten soll­te, be­schä­digt. Den Feh­ler be­merk­ten die Ha­mers aber erst, als der An­bau be­reits stand. „Wir hat­ten das Ess­zim­mer ge­ra­de fer­tig ein­ge­rich­tet, als bei ei­nem hef­ti­gen Sturm plötz­lich Was­ser durch den Bo­den drang“, er­zählt Clai­re. Rück­schlä­ge wie die­se raub­ten den bei­den un­glaub­lich viel Kraft – und den­noch hat­ten sie am En­de noch ge­nug Ener­gie für die In­nen­ein­rich­tung. „Zum Glück wa­ren wir uns ei­nig, dass wir den his­to­ri­schen Charme des Hau­ses nicht durch die Ein­rich­tung über­de­cken woll­ten“, so Clai­re. Das Paar ent­schied sich da­her für neu­tra­le Far­ben, die die ori­gi­na­len al­ten Bö­den und De­cken­bal­ken be­to­nen, und ei­nen Mix aus neu­en und an­ti­ken Mö­beln. Nur das Gäs­te­zim­mer fällt aus dem Kon­zept: „Hier le­be ich mei­ne ro­man­ti­sche Ader mit hüb­schen Stof­fen und Ac­ces­soires voll aus – da­her ist dies auch mein Lieb­lings­raum im gan­zen Haus.“

Rechts oben: Mit ei­nem fri­schen An­strich und hüb­schen Knäu­fen ver­lieh Clai­re den Kü­chen­schrän­ken neu­en Glanz. Rechts un­ten: Von hier aus ge­langt man di­rekt in den Gar­ten hin­ter dem his­to­ri­schen Haus.

Links oben: Das Wohn­zim­mer mit dem guss­ei­ser­nen Ofen und der höl­zer­nen De­cke wirkt rund­um ge­müt­lich. Die pas­sen­den So­fas und Vor­hän­ge fand Clai­re bei Lau­ra Ash­ley. Links un­ten: Den klei­nen Kon­sol­tisch auf dem Trep­pen­ab­satz wähl­ten die Ha­mers im...

Die­ses Bild: Das ehe­ma­li­ge Farm­haus stammt aus dem 17. Jahr­hun­dert. An­dy und Clai­re kauf­ten es 1998 und re­no­vier­ten es meh­re­re Jah­re.

Die länd­li­che Idyl­le der York­shire Da­les lock­te Clai­re und An­dy hier­her. Nach ei­nem neu­en Haus such­ten sie gan­ze acht Mo­na­te.

Das Ehe­paar Ha­mer mit sei­nen Söh­nen Char­lie und Max. Zur Fa­mi­lie ge­hö­ren auch noch de­ren bei­de Brü­der Jack und Har­ry.

Links oben: Mit aus­ge­wähl­ten Ac­ces­soires wird selbst die schlich­te Ikea-Kom­mo­de zum Land­haus­lieb­ling. Rechts oben: Ro­te Tex­ti­li­en fri­schen den na­tür­li­chen Look des Ba­de­zim­mers auf. Links un­ten: Im Gäs­te­zim­mer konn­te die Haus­her­rin ihr Fai­b­le für...

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