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WAR­UM WIR AUCH IN DI­GI­TA­LEN ZEI­TEN UN­SER ANALOGES HIRN BRAU­CHEN

- VON JU­LIA KUNZ DIE AU­TO­RIN JU­LIA KUNZ ist Per­so­nal Brain Coach und Mas­ter of co­gni­ti­ve neu­ro­sci­ence so­wie Di­plom-kul­tur­wir­tin Health · Medicine · Science · Lifehacks · Lifestyle · Microsoft

Un­ser analoges Ge­hirn kann uns in di­gi­ta­len Zei­ten her­vor­ra­gen­de Di­ens­te leis­ten. Vor­aus­ge­setzt wir schal­ten erst das Hirn ein und dann die Elek­tro­nik – und nicht um­ge­kehrt!

Re­mo­te Mee­tings, di­gi­tal class­rooms, vir­tu­el­le Mes­sen – die Di­gi­ta­li­sie­rung hat uns ein Stück weit durch die Pan­de­mie ge­tra­gen. Wir ha­ben ge­lernt und sind ge­wach­sen. Doch ei­ne span­nen­de Fra­ge bleibt: Was macht un­ser analoges Ge­hirn in die­sen di­gi­ta­len Zei­ten? Ist un­se­re Kon­zen­tra­ti­ons­span­ne tat­säch­lich ge­rin­ger als die ei­nes Gold­fischs?

Oh­ne Di­gi­ta­li­sie­rung sä­hen wir alt aus. Stimmt! Aber un­ser Ge­hirn ist alt. Und wir er­le­ben täg­lich, wie schwer es ist, bei­des mit­ein­an­der zu kom­bi­nie­ren: Vie­le User be­kla­gen sich über Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me und gro­ße Mü­dig­keit an ei­nem Tag vol­ler Web­mee­tings. Die­ses Phä­no­men nennt sich „Zoom-fa­ti­gue“oder „Zoom-mü­dig­keit“. Und hier zeigt sich auch ganz deut­lich der Bruch zwi­schen di­gi­ta­lem Um­feld und un­se­rem ana­lo­gen Ge­hirn.

DI­GI­TAL IST AL­LES AN­DERS!

Nor­ma­ler­wei­se sam­melt un­ser Ge­hirn aus der Kör­per­spra­che un­se­res Ge­gen­übers non­ver­ba­le Si­gna­le. Dar­aus wer­den Re­ak­tio­nen ab­ge­lei­tet. In ei­nem Web­mee­ting ist die Kör­per­spra­che ex­trem ein­ge­schränkt. Der Kör­per ist nor­ma­ler­wei­se ver­bor­gen, der Kopf als klei­nes Bild oder gar nicht sicht­bar. Un­ser Ge­hirn ver­sucht wäh­rend On­li­ne-mee­tings die gan­ze Zeit, non­ver­ba­le Si­gna­le zu er­ken­nen – oh­ne Er­folg.

Nor­ma­ler­wei­se lo­ten wir in ei­nem kur­zen Small­talk aus, wie die Stim­mung bei den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ist. Jetzt ist un­ser Ge­hirn da­mit be­schäf­tigt, sich aus un­zu­sam­men­hän­gen­den und un­voll­stän­di­gen In­for­ma­tio­nen, die es aus dem On­li­ne-mee­ting zieht, ein Bild zu ma­chen. Da­ne­ben ver­su­chen wir, uns auf das In­halt­li­che zu kon­zen­trie­ren. Da­für ver­braucht un­ser Ge­hirn ziem­lich viel Ener­gie. Und das macht uns mür­be und mü­de. Laut ei­ner Mi­cro­soft-stu­die ist un­se­re Kon­zen­tra­ti­ons­span­ne ge­rin­ger als die ei­nes Gold­fischs.

VIR­TU­EL­LES MUL­TI­TAS­KING IST GIFT

Nicht nur bei den di­gi­tal na­ti­ves ist der „se­cond screen“in al­ler Mun­de bzw. Hän­de. Das be­deu­tet, dass wir bei vir­tu­el­len Mee­tings im­mer wie­der „ne­ben­bei“Nach­rich­ten le­sen oder an­de­res auf dem Smart­pho­ne, bei­spiels­wei­se ei­ne schnel­le Be­stel­lung, er­le­di­gen. Mul­ti­tas­king in Rein­form. Und das kann un­ser Ge­hirn nicht.

Für wie mul­ti­tas­king-fä­hig wir uns auch hal­ten: Wenn wir wäh­rend ei­nes On­li­ne-mee­tings ne­ben­bei E-mails che­cken, be­kom­men wir von bei­dem we­ni­ger mit als wenn wir es nach­ein­an­der er­le­di­gen. Das mer­ken wir spä­tes­tens dann, wenn wir die E-mail, die wir wäh­rend des Mee­tings ge­schrie­ben ha­ben, noch ein­mal sen­den müs­sen, weil wir den An­hang ver­ges­sen ha­ben. Ge­hirn­ge­recht ar­bei­ten be­deu­tet: Ei­ne Auf­ga­be nach der an­de­ren er­le­di­gen, nicht gleich­zei­tig.

FO­KUS UND BA­SICS

Un­ser analoges Ge­hirn kann uns in di­gi­ta­len Zei­ten her­vor­ra­gen­de Di­ens­te leis­ten. Vor­aus­ge­setzt wir schal­ten erst das Hirn ein und dann die Elek­tro­nik – und nicht um­ge­kehrt! Un­se­re Auf­merk­sam­keit – Fo­kus – ent­steht im Ar­beits­ge­dächt­nis. Das hat lei­der ei­ne sehr be­grenz­te Ka­pa­zi­tät. Das be­deu­tet, dass wir nur ver­hält­nis­mä­ßig we­ni­ge Din­ge be­wusst wahr­neh­men und be­hal­ten kön­nen. Um un­ser analoges Ge­hirn da­für mög­lichst fit zu ma­chen, hilft es, ei­ni­ge Ge­hirn-ba­sics zu ken­nen und zu nut­zen:

> Un­ser Ge­hirn ist sehr leis­tungs- und an­pas­sungs­fä­hig. Wich­tig ist, dass die Gr­und­ver­sor­gung passt: Bis zu zwei Li­ter Flüs­sig­keit und ge­hirn­ge­rech­te, al­so aus­ge­wo­ge­ne, Er­näh­rung brin­gen die nö­ti­ge Ener­gie, um kon­zen­triert und fo­kus­siert zu blei­ben.

> Gut ist, wenn wir et­was an­ge­spannt sind, al­so leich­ten Stress ver­spü­ren. Das macht uns kon­zen­triert und auf­merk­sam. Zu­viel Stress schlägt ins Ge­gen­teil um, über lan­ge Zeit schä­digt er gar das Ge­hirn.

> Durch Be­we­gung un­ter­stüt­zen wir un­se­ren Stoff­wech­sel da­bei, die Ener­gie im Kör­per schnell Rich­tung Ge­hirn zu ver­tei­len. Wir re­gen da­mit die Aus­schüt­tung von Do­pa­min an und re­du­zie­ren Stress­hor­mo­ne.

> Die Bo­ten­stof­fe, die uns Kon­zen­tra­ti­on und Fo­kus­sie­rung er­mög­li­chen, schüt­tet un­ser Ge­hirn aus: Se­ro­to­nin für die gu­te Stim­mung, Do­pa­min für das Vor­an­kom­men, und Opi­oi­de, al­so Glücks­hor­mo­ne, wenn wir ein Ziel er­reicht ha­ben.

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