Digital Business Cloud

ECK­PFEI­LER FÜR VER­TRAU­EN UND VER­LÄSS­LICH­KEIT

- VON FILIZ ELMAS DIE AU­TO­RIN FILIZ ELMAS lei­tet die Ge­schäfts­feld­ent­wick­lung Künst­li­che In­tel­li­genz bei DIN und ko­or­di­niert die Ar­beit der Nor­mungs­road­map für KI. Tech Trends · Tech · Business Trends · Machine Learning · Linguistics · Social Sciences · Business · Computer Science · Science · The German government · Auch · China · China · United States of America · Germany · German Ministry of Economics and Technology · Digital Equipment Corporation · Computational Linguistics · Fraunhofer Institute for Industrial Engineering · World Airways · Stephen Hawking · Deutsches Institut für Normung · Aŭstria Laborista Ligo Esperantista

Neue Ge­schäfts­mo­del­le, ef­fi­zi­en­te­re Ab­läu­fe – KI bie­tet Un­ter­neh­men gro­ße Chan­cen. Zu­gleich birgt die Tech­no­lo­gie Ri­si­ken und braucht des­halb ei­nen fes­ten Hand­lungs­rah­men: 300 deut­sche Ki-ex­per­ten er­ar­bei­ten da­her jetzt Nor­men und Stan­dards, die Ver­trau­en in die Qua­li­tät, Si­cher­heit und Zu­ver­läs­sig­keit von Ki-an­wen­dun­gen schaf­fen sol­len.

Ei­nes der Zie­le der Ki-stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung lau­tet: „Deutsch­land soll sei­ne star­ke Po­si­ti­on in der In­dus­trie 4.0 aus­bau­en und füh­rend bei Ki-an­wen­dun­gen in die­sem Be­reich wer­den. Von Ki-an­wen­dun­gen soll auch un­ser star­ker Mit­tel­stand pro­fi­tie­ren.“Das hat gu­te Grün­de, denn kaum ei­ne Tech­no­lo­gie scheint ak­tu­ell so viel Po­ten­zi­al zu ha­ben, wie Künst­li­che In­tel­li­genz. Ob beim Er­ken­nen von Bil­dern oder Spra­che, ob im au­to­no­men Fahr­zeug oder in In­dus­trie 4.0-Um­ge­bun­gen, die Ein­satz­mög­lich­kei­ten sind um­fas­send. KI soll mensch­li­che Wahr­neh­mung und mensch­li­ches Han­deln in Ma­schi­nen ab­bil­den, ih­re Stär­ke liegt vor al­lem dar­in, selbst­stän­dig Rück­schlüs­se aus Ab­läu­fen zu zie­hen und sich so fort­lau­fend zu ver­bes­sern.

Ent­spre­chend sind die Er­war­tun­gen von Un­ter­neh­men, wie die zu An­fang des Jah­res ver­öf­fent­lich­te Stu­die „Künst­li­che In­tel­li­genz in der Un­ter­neh­mens­pra­xis“des Fraun­ho­fer IAO be­stä­tigt. Die For­scher hat­ten mehr als 300 Un­ter­neh­men hier­zu­lan­de be­fragt, 75 Pro­zent be­schäf­ti­gen sich der­zeit mit Fra­ge­stel­lun­gen zu Künst­li­cher In­tel­li­genz – kurz ge­sagt: KI ist ein Top-the­ma bei den Ent­schei­dungs­trä­gern. In ers­ter Li­nie er­hof­fen sich Un­ter­neh­men von KI, ih­re Pro­duk­ti­vi­tät zu stei­gern. Al­ler­dings zeig­te sich auch: Nur 16 Pro­zent ha­ben be­reits prak­ti­sche An­wen­dun­gen im Ein­satz.

WAS DARF KI, WO SIND DIE GREN­ZEN?

Hin­der­nis­se wer­den un­ter an­de­rem in den Be­rei­chen Da­ten­schutz und Da­ten­si­cher­heit ge­se­hen. Das zeigt, dass KI als Chan­ce, aber auch als Ge­fahr wahr­ge­nom­men wer­den kann. Der ver­stor­be­ne Phy­si­ker Ste­phen Haw­king brach­te sei­ne Sicht da­zu pla­ka­tiv auf den Punkt: „Die Ent­wick­lung Künst­li­cher In­tel­li­genz könn­te ent­we­der das Schlimms­te oder das Bes­te sein, was den Men­schen pas­siert ist.“Klar ist ei­nes: Oh­ne Ver­trau­en in die Si­cher­heit, Qua­li­tät und Zu­ver­läs­sig­keit von Ki-an­wen­dun­gen geht es nicht, es braucht da­zu ei­nen de­fi­nier­ten Hand­lungs­rah­men. Ge­nau hier grei­fen Nor­men und Stan­dards – in der von der Bun­des­re­gie­rung ent­wi­ckel­ten Ki-stra­te­gie ist „Stan­dards set­zen“ei­nes von zwölf Hand­lungs­fel­dern.

Doch war­um sind Nor­men und Stan­dards für KI so es­sen­zi­ell? Wes­halb er­ar­bei­ten die im Deut­schen In­sti­tut für Nor­mung (DIN) en­ga­gier­ten Krei­se aus Wirt­schaft, Ge­sell­schaft und Wis­sen­schaft im Auf­trag der Bun­des­re­gie­rung mit Hoch­druck ei­ne Nor­mungs­road­map für Künst­li­che In­tel­li­genz? Die Ant­wort ist na­he­lie­gend: Oh­ne ein ein­heit­li­ches Ver­ständ­nis, ge­mein­sa­me Spra­che und of­fe­ne Schnitt­stel­len kann KI nicht funk­tio­nie­ren – spä­tes­tens dann, wenn sich Lö­sun­gen im Mas­sen­markt be­haup­ten sol­len oder mit an­de­ren Sys­te­men oder Kom­po­nen­ten zu­sam­men­ar­bei­ten müs­sen. Nor­men und Stan­dards tra­gen zu­dem da­zu bei, Ak­zep­tanz für Ki-an­wen­dun­gen zu schaf­fen, in­dem sie die­se er­klär­bar und nach­voll­zieh­bar ma­chen.

Wich­tig ist auch, Ethik­fra­gen rund um den Ein­satz Künst­li­cher In­tel­li­genz zu klä­ren – zum Hand­lungs­feld „Stan­dards set­zen“der Bun­des­re­gie­rung heißt es: „Die Bun­des­re­gie­rung wird sich auf­grund ih­rer ge­samt­staat­li­chen Ver­ant­wor­tung in Ko­ope­ra­ti­on mit Wirt­schafts­ver­tre­tern auch im Ki-be­reich für Stan­dards und Norm­set­zung auf na­tio­na­ler, eu­ro­päi­scher und in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne durch die na­tio­na­len Nor­mungs­or­ga­ni­sa­tio­nen DIN/DKE ein­set­zen. Da­bei geht es uns nicht nur um tech­ni­sche, son­dern auch um ethi­sche Fra­ge­stel­lun­gen.“Zu klä­ren ist al­so eben­so: Was darf KI, wo sind ih­re Gren­zen?

Ge­sell­schaft und Po­li­tik müs­sen de­fi­nie­ren, wel­ches Ver­hal­ten für ei­ne KI ethisch kor­rekt ist – DIN kann schließ­lich mit tech­ni­schen Stan­dards da­zu bei­tra­gen, die­se ethi­schen Wer­te um­zu­set­zen und so von tech­ni­scher Sei­te et­wa ge­gen Ver­zer­run­gen, Dis­kri­mi­nie­run­gen und Ma­ni­pu­la­tio­nen schüt­zen. Auch aus na­tio­na­ler und eu­ro­päi­scher Sicht ist es äu­ßerst wich­tig, ei­ge­ne Ki-stan­dards zu

set­zen. Be­haup­ten sich da­ge­gen Wett­be­wer­ber wie Chi­na oder die USA in­ter­na­tio­nal mit ih­ren Re­geln, be­steht die Ge­fahr, dass de­ren Wert­maß­stä­be und ethi­schen Richt­li­ni­en für Ki-sys­te­me gel­ten – und die­se kön­nen un­se­ren ei­ge­nen Maß­stä­ben durch­aus wi­der­spre­chen. Oh­ne­hin gilt wie in al­len Be­rei­chen: Wer sei­ne In­ter­es­sen in die in­ter­na­tio­na­le Nor­mung ein­bringt, pro­fi­tiert. Denn dann gel­ten die ei­ge­nen Re­geln und es lässt sich auf be­ste­hen­de Lö­sun­gen auf­bau­en.

300 EX­PER­TEN ER­AR­BEI­TEN DEN KI-FAHR­PLAN

Den Ki-fahr­plan für Deutsch­land, die Nor­mungs­road­map für Künst­li­che In­tel­li­genz, trei­ben DIN und DKE seit Herbst 2019 in ei­nem ge­mein­sa­men Pro­jekt mit dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie (BMWI) vor­an. Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten aus Wirt­schaft, For­schung und Ge­sell­schaft er­stel­len ei­ne Über­sicht über be­ste­hen­de Nor­men und Stan­dards zu ver­schie­de­nen Aspek­ten der KI und zei­gen Nor­mungs­be­dar­fe auf – ins­be­son­de­re hin­sicht­lich Qua­li­tät, Nach­voll­zieh­bar­keit, Er­klär­bar­keit und Ver­läss­lich­keit von Ki-sys­te­men. Die Road­map wird in ei­nem trans­pa­ren­ten, of­fe­nen Pro­zess er­ar­bei­tet und soll an­läss­lich des Di­gi­tal-gip­fels der Bun­des­re­gie­rung En­de 2020 vor­ge­stellt wer­den.

Ei­ne Steue­rungs­grup­pe aus hoch­ran­gi­gen Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern aus Wirt­schaft, Po­li­tik, Wis­sen­schaft und Zi­vil­ge­sell­schaft steu­ert und be­glei­tet die Nor­mungs­road­map für KI:

Oh­ne ein ein­heit­li­ches Ver­ständ­nis, ge­mein­sa­me Spra­che und of­fe­ne Schnitt­stel­len kann KI nicht funk­tio­nie­ren.

Sie ver­ant­wor­tet die in­halt­li­che und stra­te­gi­sche Aus­rich­tung der Road­map und eb­net so den Weg für den Aus­bau des Ki-stand­or­tes Deutsch­land. Vor­sit­zen­der ist Prof. Wolf­gang Wahls­ter, Mit­glied des Len­kungs­krei­ses der Platt­form Ler­nen­de Sys­te­me und füh­ren­der deut­scher Wis­sen­schaft­ler im Be­reich KI. Sie­ben Ar­beits­grup­pen zu den The­men Grund­la­gen, Ethik, Qua­li­tät, Kon­for­mi­täts­be­wer­tung und Zer­ti­fi­zie­rung, It-si­cher­heit bei Ki-sys­te­men, in­dus­tri­el­le Au­to­ma­ti­on, Mo­bi­li­tät und Lo­gis­tik so­wie KI in der Me­di­zin ver­fas­sen die In­hal­te der Road­map. Mehr als 300 Ex­per­ten brin­gen hier ihr Fach­wis­sen ein.

NOR­MUNG IST OF­FEN FÜR AL­LE

Steht der Fahr­plan, kann es an die Er­ar­bei­tung be­nö­tig­ter Ki-nor­men ge­hen. Ein gro­ßer Vor­teil des Nor­mungs­ver­fah­rens ist es, dass sich je­der be­tei­li­gen kann. Weil da­bei das grund­sätz­li­che Prin­zip gilt, dass nicht der Grö­ße­re, son­dern der Kon­sens ent­schei­det, bie­ten sich ge­ra­de dem deut­schen Mit­tel­stand hier gro­ße Chan­cen. In­no­va­ti­ve klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men kön­nen ei­ge­ne Vor­stel­lun­gen in den Nor­mungs­pro­zess ein­brin­gen. Mit der Kom­mis­si­on Mit­tel­stand (KOMMIT) ha­ben sie zu­dem ei­ne An­lauf­stel­le bei DIN, die sie un­ter an­de­rem da­bei un­ter­stützt, sich an der Nor­mungs­ar­beit zu be­tei­li­gen. Das bie­tet die Mög­lich­keit, auf Au­gen­hö­he mit gro­ßen na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Kon­zer­nen an der Zu­kunft von KI mit­zu­ar­bei­ten.

 ??  ??
 ??  ??
 ??  ?? PROF. WOLF­GANG WAHLS­TER, Mit­glied des Len­kungs­krei­ses der Platt­form Ler­nen­de Sys­te­me und füh­ren­der deut­scher Wis­sen­schaft­ler im Be­reich KI, lei­tet die Ki-nor­mungs-road­map für den Aus­bau des Ki-stand­or­tes Deutsch­land.
PROF. WOLF­GANG WAHLS­TER, Mit­glied des Len­kungs­krei­ses der Platt­form Ler­nen­de Sys­te­me und füh­ren­der deut­scher Wis­sen­schaft­ler im Be­reich KI, lei­tet die Ki-nor­mungs-road­map für den Aus­bau des Ki-stand­or­tes Deutsch­land.
 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany