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MUT ZUR NI­SCHE

- VON GRE­GOR STÜHLER Business · Small Business · Tech · Software · Startups · Business Trends · Deloitte · SAP · Maurice Summen · Google · Software Development · The Dun & Bradstreet Corporation

Vie­les kön­nen, aber nichts so rich­tig. Ein al­tes Sprich­wort er­fährt in der Welt der Un­ter­neh­mens-it sei­ne Re­nais­sance. Stu­di­en le­gen na­he, dass Un­ter­neh­men bei der Neu­an­schaf­fung ver­stärkt in fle­xi­ble, ein­fach ein­setz­ba­re und spe­zia­li­sier­te Soft­ware­lö­sun­gen in­ves­tie­ren. Um­fas­sen­de, kom­ple­xe und kost­spie­li­ge All­round-soft­ware rückt in den Hin­ter­grund. Naht das En­de der Le­ga­cy-it?

Al­le Ju­bel­jah­re die glei­che Schlag­zei­le: Die Zeit alt­ein­ge­ses­se­ner, be­währ­ter doch über­hol­ter Le­ga­cy-it-sys­te­me nä­hert sich dem En­de – und mit ihr die Zeit der All-pur­po­se-soft­ware-lö­sun­gen. In die Lü­cke pre­schen klei­ne, fle­xi­ble und spe­zia­li­sier­te Soft­ware-sys­te­me.

In­ner­halb der Star­t­up-welt mag dies auf Zu­stim­mung tref­fen. Mit­tel­ständ­ler und Groß­un­ter­neh­men ver­trau­ten bei ih­ren Soft­ware­an­wen­dun­gen je­doch – un­ge­ach­tet der Trend-re­ports – noch im­mer An­bie­tern von All­round-lö­sun­gen. Laut ei­ner Stu­die von De­loit­te mo­der­ni­sier­te bis 2018 nur je­des fünf­te Un­ter­neh­men mit ei­nem It-etat von über 10 Mil­lio­nen Eu­ro „sehr um­fang­reich” al­te Sys­te­me.

Die Kö­ni­ge mit dem Ti­tel „All­round-soft­ware” re­gie­ren al­so nach wie vor. Die Vor­tei­le lie­gen auf der Hand. Ein Bei­spiel aus dem Be­schaf­fungs­we­sen: Lie­fe­ran­ten-da­ten­bank, Be­stell­mas­ke, Wa­ren­wirt­schaft, Rech­nungs­we­sen. Al­les ließ und lässt sich über ein Sys­tem ab­wi­ckeln. Kein Wun­der, dass die Bu­si­ness-soft­ware SAP ARIBA welt­weit 4,4 Mil­lio­nen Kun­den auf sei­nem B2b-markt­platz ver­zeich­net. Ähn­li­ches gilt für Ver­trieb, Mar­ke­ting, Buch­hal­tung.

War­um soll­te es dies­mal an­ders sein?

DIE TECH­NO­LO­GI­SCHE VOR­MACHT­STEL­LUNG BRÖ­CKELT

In­zwi­schen be­set­zen Tech-star­tups nicht mehr nur die Lü­cken, wel­che die gro­ßen Play­er of­fen­ge­las­sen ha­ben. Sie for­dern ih­re tech­no­lo­gi­sche Vor­macht­stel­lung her­aus. Zwi­schen 2015 und 2019 sam­mel­ten eu­ro­päi­sche Soft­ware-star­tups im­mer grö­ße­re Un­ter­stüt­zung an Wag­nis­ka­pi­tal ein. 2015 fi­nan­zier­ten Ri­si­ko­ka­pi­tal­ge­ber die­se Un­ter­neh­men noch mit 2,23 Mil­li­ar­den Us-dol­lar; 2019 sind es 7,5 Mil­li­ar­den Us-dol­lar. Gro­ße Tei­le die­ser Sum­men flos­sen in die For­schung und Ent­wick­lung, et­wa von Künst­li­cher In­tel­li­genz. Bei schnell wach­sen­den Soft­ware-un­ter­neh­men lag der An­teil 2019 bei mehr als 20 Pro­zent ih­res Ge­samt­um­sat­zes. Durch hoch-in­no­va­ti­ve, pro­duk­ti­vi­täts­stei­gern­de Pro­duk­te zei­gen sie nun auch gro­ßen Un­ter­neh­men die Vor­tei­le spe­zia­li­sier­ter Soft­ware auf.

Im Be­schaf­fungs­we­sen et­wa ver­ein­ten vie­le All­round-soft­ware-lö­sun­gen den Pro­zess Sour­ce-to-pay – al­so von der Lie­fe­ran­ten­da­ten­bank bis hin zur Be­zah­lung der Lie­fe­rung – in ei­nem Pro­dukt. Den Be­reich Scout-to-sour­ce, das Re­cher­chie­ren von Lie­fe­ran­ten und das Be­fül­len eben je­ner Da­ten­bank, war wei­ter­hin ei­ne hän­di­sche Auf­ga­be. Per Goog­le Su­che, Aus­stel­ler­lis­ten auf Mes­sen, oder den Netz­wer­ken der Ein­käu­fer. Al­lei­ne in das Re­cher­chie­ren pas­sen­der Lie­fe­ran­ten für ein neues Pro­dukt oder die all­ge­mei­ne in­ter­ne Da­ten­bank und den für den Ver­trags­ab­schluss mit dem Zu­lie­fe­rer be­nö­tig­ten In­for­ma­tio­nen – Tüv-in­for­ma­tio­nen, Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten, Ver­trau­ens­wür­dig­keit – in­ves­tie­ren Ein­käu­fer Mo­na­te. Ein wie­der­keh­ren­des Är­ger­nis. Schließ­lich muss die Da­ten­bank stets auf dem ak­tu­el­len Stand sein.

Nun exis­tie­ren al­ter­na­ti­ve Soft­ware-pro­duk­te am Markt. Sie au­to­ma­ti­sie­ren die­sen Pro­zess mit­tels KI. Mo­der­ne Da­ten­ban­ken bau­en gan­ze Schät­ze an Lie­fe­ran­ten­da­ten aus al­ler Welt auf. Sie zie­hen In­for­ma­tio­nen über Lie­fe­ran­ten aus al­len Ecken des Pla­ne­ten über das World Wi­de Web, von Dritt­an­bie­tern wie Dun & Brad­s­treet oder an­de­ren Platt­for­men. An­schlie­ßend durch­fors­tet die KI ba­sie­rend auf den An­for­de­run­gen der Ein­käu­fer die­se Da­ten­ban­ken und stellt Lon­glists mit pas­sen­den Lie­fe­ran­ten zu­sam­men. Und dies in­ner­halb von Ta­gen – nicht über Mo­na­te. Zu­sätz­lich hal­ten sie die fir­men­in­ter­nen Da­ten­ban­ken ak­tu­ell und ver­mei­den so­mit groß­an­ge­leg­te, ma­nu­el­le, zeit­in­ten­si­ve Re­cher­che­pro­jek­te.

MUT ZUR NI­SCHE

Ge­ra­de im Be­reich der Ana­ly­se-soft­ware er­zie­len die tech­no­lo­gisch hoch­wer­ti­gen Ni­schen­pro­duk­te ei­ne im­mer hö­he­re Markt­durch­drin­gung. Ihr un­ter­neh­me­ri­scher Vor­teil springt auch gro­ßen Fir­men ins Au­ge: Ei­ne Stu­die des Markt­for­schungs­un­ter­neh­mens Gart­ner be­tont, dass bis 2022 die Hälf­te der Le­ga­cy-soft­ware-sys­te­me er­setzt wer­den – durch Ki-ba­sier­te Cloud-lö­sun­gen. Gar 80 Pro­zent der Be­frag­ten be­to­nen laut der Stu­die, dass sie ih­re Soft­ware-bud­gets in klei­ne, fle­xi­ble und spe­zia­li­sier­te Lö­sun­gen in­ves­tie­ren, nicht in gro­ße Full-sca­le-pro­duk­te.

Der Ver­gleich mit den ein­gangs auf­ge­führ­ten Zah­len zeigt: Der Um­bruch fin­det die­ses Mal tat­säch­lich statt.

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DER AU­TOR GRE­GOR STÜHLER ist Mit­grün­der und Ge­schäfts­füh­rer des Un­ter­neh­mens scout­bee.

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