ERP und Di­gi­ta­li­sie­rung

Ver­net­zen Un­ter­neh­men mit­tels Da­ten­ma­nage­ment und agi­len Sys­te­men ih­re Ge­schäfts- und Pro­duk­ti­ons­ab­läu­fe stär­ker, kön­nen sie die Wett­be­werbs­fä­hig­keit ih­rer Ge­schäfts­mo­del­le spür­bar stei­gern. Je­doch ge­lingt dies nur mit der rich­ti­gen It-in­fra­struk­tur.

Digital Manufacturing - - INHALT - VON JÖRG WEINHEIMER Jörg Weinheimer ist Vice Pre­si­dent En­ter­pri­se Mar­ket bei Sa­ge und Ge­schäfts­füh­rer der Sa­ge Bäu­rer Gm­bh.

Ei­ne Zu­kunft für den Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau

RUND 23 PRO­ZENT zur ge­sam­ten Wert­schöp­fung trägt der Ma­schi­nen­und An­la­gen­bau zur deut­schen Wirt­schaft bei. Und das seit zwei Jahr­zehn­ten. Je­doch müs­sen sich auch Vor­zei­ge­bran­chen in ak­tu­el­len Zei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung und des ver­schärf­ten in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werbs neu­en Her­aus­for­de­run­gen stel­len. Es geht nicht we­ni­ger noch mehr um die Zu­kunfts­fä­hig­keit ei­ner gan­zen Bran­che.

An­ge­sichts der Trag­wei­te wird im­mer mehr Ver­ant­wort­li­chen der Mo­der­ni­sie­rungs­be­darf ih­rer It-in­fra­struk­tur und der Be­darf nach ex­zel­len­ten, ver­netz­ten Ab­läu­fen auf al­len ope­ra­ti­ven Ebe­nen be­wusst. Vor die­sem Hin­ter­grund wird die vier­te in­dus­tri­el­le Re­vo­lu­ti­on in im­mer mehr Be­trie­ben der An­la­gen- und Ma­schi­nen­bau­bran­che All­tag: Un­ter­neh­men set­zen zu­neh­mend auf die Mo­der­ni­sie­rung ih­rer be­triebs­in­ter­nen Pro­zes­se, um ihr Pro­dukt­port­fo­lio aus­zu­bau­en und da­ten­ge­trie­be­ne Dienst­leis­tun­gen ins Pro­gramm auf­zu­neh­men.

In die­sem Zu­sam­men­hang wird der Ein­satz von Erp-sys­te­men als Di­gi­ta­li­sie­rungs­mo­tor für Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se zum ent­schei­den­den Er­folgs­fak­tor.

In­te­gra­ti­ons­fä­hig­keit – der Schlüs­sel zum Er­folg

Da­mit die Mo­der­ni­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung ge­lingt, ist zu­nächst vie­ler­orts ei­ne An­pas­sung der Un­ter­neh­mens- und Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se er­for­der­lich. Hier kann ein in­te­grier­tes Erp-sys­tem wert­vol­le Un­ter­stüt­zung leis­ten. Es ver­schafft Un­ter­neh­mens­ent­schei­dern ei­nen lü­cken­lo­sen und ganz­heit­li­chen Über­blick über al­le ge­schäfts­re­le­van­ten Ab­läu­fe im Be­trieb. Da­durch wird ei­ne so­li­de Grund­la­ge ge­schaf­fen, um die Ge­samt­heit der Pro­zes­se deut­lich ef­fi­zi­en­ter und agi­ler zu steu­ern.

Im Ma­schi­nen- und An­la­gen­bau ist das In­te­gra­ti­ons­po­ten­zi­al der It-in­fra­struk­tur

es­sen­ti­ell, denn: Ge­schäfts­und Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se kön­nen nur dann in Echt­zeit ko­or­di­niert wer­den, wenn al­le Ab­tei­lun­gen und Funk­tio­nen, die an der Wert­schöp­fung be­tei­ligt sind, an ei­ne ge­mein­sa­me Platt­form an­ge­bun­den sind und die ent­spre­chen­den Da­ten in ei­nem ein­zi­gen Sys­tem zu­sam­men­lau­fen. Ist dies der Fall, sind die ent­schei­den­den Wei­chen ge­stellt für ei­ne hoch­fle­xi­ble und zugleich kos­ten­ef­fi­zi­en­te On-de­mand-pro­duk­ti­on von Klein- und Kleinst­se­ri­en.

In die­sem Kon­text er­füllt das Erp-sys­tem die Funk­ti­on ei­nes zen­tra­len Steue­rungs­tools.

Den Her­aus­for­de­run­gen stel­len

Laut ei­ner Stu­die des Ana­lys­ten PAC ver­fol­gen be­reits 62 Pro­zent der In­dus­trie­un­ter­neh­men das Ziel, ih­re It-in­fra­struk­tur da­hin­ge­hend zu mo­der­ni­sie­ren. Ein be­son­de­rer Fo­kus liegt hier­bei auf den

Be­rei­chen mo­bi­le La­ger­lo­gis­tik, Pro­duk­ti­ons­und Res­sour­cen­pla­nung so­wie Va­ri­an­ten­ma­nage­ment. Um die­se in al­len her­stel­len­den Be­trie­ben wich­ti­gen Funk­tio­nen ef­fi­zi­ent zu ver­net­zen, emp­fiehlt es sich, die bis­her vie­ler­orts vor­herr­schen­den In­sel­lö­sun­gen kon­se­quent ab­zu­schaf­fen.

Der Hin­ter­grund: In­ef­fi­zi­en­te Lö­sungs­an­sät­ze ent­ste­hen vor­wie­gend dort, wo ein­zel­ne Be­rei­che durch je­weils ei­gen­stän­di­ge Sys­te­me ge­steu­ert wer­den, die we­der mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren noch re­le­van­te Da­ten un­ter­ein­an­der aus­tau­schen.

Kla­re Zie­le sind der An­fang

Bei um­fang­rei­chen Im­ple­men­tie­rungs­vor­ha­ben im It-um­feld ist in der Re­gel ei­ne Rei­he von Hin­der­nis­sen zu über­win­den. Um früh­zei­tig vom Nut­zen ei­ner Erp-in­ves­ti­ti­on zu pro­fi­tie­ren und er­kenn­ba­re Fort­schrit­te in­ner­halb der Di­gi­tal-stra­te­gie zu rea­li­sie­ren, hat sich in der Pra­xis ein Fünf-pha­sen-mo­dell zur Ein­füh­rungs­vor­be­rei­tung be­währt.

Am An­fang steht die prä­zi­se Be­stim­mung der Zie­le. Hier gilt es vor al­lem Ant­wor­ten dar­auf zu finden, ob es dem Un­ter­neh­men haupt­säch­lich um Ef­fi­zi­enz­stei­ge­run­gen, agi­le­re Ma­te­ri­al­dis­po­si­ti­on oder ver­bes­ser­te Lie­fer­treue geht oder ob nicht eher der Da­ten­aus­tausch zwi­schen dem ERP- und den Shopf­loor­sys­te­men in Echt­zeit ei­nen wich­ti­gen Schwer­punkt bil­det. Zu­sätz­lich gilt es, Zie­le zur Re­duk­ti­on der It-kos­ten im Las­ten­heft de­tail­liert fest­zu­schrei­ben. Un­ter dem Kos­ten­as­pekt punk­ten ins­be­son­de­re Erp-lö­sun­gen aus der Cloud mit ver­ein­fach­ter Soft­ware­war­tung und un­kom­pli­zier­tem Re­lease-wech­sel.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Aspekt in der Ge­samt­pla­nung ist die Be­rück­sich­ti­gung stra­te­gi­scher Zie­le, wie zum Bei­spiel ei­ne ge­plan­te Markt­ex­pan­si­on oder das Knüp­fen neu­er Lie­fe­r­an­ten­netz­wer­ke. Eben­so un­ver­zicht­bar ist es, die Wachs­tums­zie­le des Un­ter­neh­mens in die Sys­te­maus­wahl ein­zu­be­zie­hen. Ins­be­son­de­re bei Un­ter­neh­men, die sich am­bi­tio­nier­te Zie­le in die­sem Be­reich ge­setzt ha­ben und über ei­ne ent­spre­chen­de Dy­na­mik in der Ex­pan­si­on ih­res Ak­ti­ons­ra­di­us ver­fü­gen, bie­tet sich die Im­ple­men­tie­rung ei­nes cloud­ba­sier­ten Erp-sys­tems an, da es die er­for­der­li­che Ska­lier­bar­keit von Haus aus mit­bringt.

Zu­ver­läs­si­ger Kom­pass ge­sucht

Nur sel­ten er­schöp­fen sich die Op­ti­mie­rungs­vor­ha­ben in der Ein­füh­rung ei­ner neu­en Erp-platt­form. Da in vie­len Un­ter­neh­men ver­schie­de­ne Pro­jek­te, die aus Bud­get­grün­den nicht al­le par­al­lel an­ge­sto­ßen wer­den kön­nen, in In­ves­ti­ti­ons­kon­kur­renz zu ein­an­der ste­hen, ist für Ver­ant­wort­li­che in Un­ter­neh­men die Prio­ri­sie­rung der an­ste­hen­den Vor­ha­ben ei­ne wei­te­re ent­schei­den­de Pha­se auf dem Weg der Ein­füh­rungs­vor­be­rei­tun­gen ei­nes Erp-sys­tems.

Da­bei bil­det der er­war­te­te Re­turn on In­vest­ment (ROI) ei­ne gu­te Ori­en­tie­rungs­hil­fe. Kurz ge­sagt, gilt es zu eru­ie­ren, ob die zu er­war­ten­den mo­ne­tä­ren Ef­fek­te des neu­en Erp-sys­tems wäh­rend der ge­sam­ten Nut­zungs­dau­er die Hö­he der

In­ves­ti­tio­nen über­tref­fen. In die­sem Zu­sam­men­hang spie­len die Ein­spa­run­gen, die sich als Fol­ge ver­bes­ser­ter Pro­zes­s­ef­fi­zi­enz mit der neu­en Un­ter­neh­mens­soft­ware er­zie­len las­sen, ei­ne be­son­ders wich­ti­ge Rol­le bei der Ent­schei­dung.

Nach der Prio­ri­sie­rung gilt es zu klä­ren, ob und in wel­chem Um­fang Sys­te­man­pas­sun­gen der be­ste­hen­den It-in­fra­struk­tur er­for­der­lich sind und wel­che Sys­tem­ar­chi­tek­tur den größ­ten Mehr­wert bie­tet: Zur Wahl ste­hen Best-of-breed, Best-ofsui­te oder das ser­vice­ori­en­tier­te Ar­chi­tek­tur­mo­dell SOA (Ser­vice-ori­en­ted Ar­chi­tec­tu­re), wel­ches ins­be­son­de­re den Vor­teil hat, dass die neue Erp-platt­form mit be­reits im­ple­men­tier­ten On-pre­mi­se­sys­te­men bei­spiels­wei­se in der Pro­duk­ti­on ge­nau­so fle­xi­bel in­ter­agie­ren kann wie et­wa mit Cloud-ba­sier­ten Ana­ly­se­tools.

Auch wei­che Fak­to­ren soll­ten bei der Ein­füh­rungs­vor­be­rei­tung ein­be­zo­gen wer­den: Et­wa durch ein un­ter­neh­mens­wei­tes Chan­ge-ma­nage­ment, das al­le von der Neu­ein­füh­rung des Sys­tems Be­trof­fe­nen früh­zei­tig und auf dem Weg hin zur fi­na­len In­be­trieb­nah­me kon­ti­nu­ier­lich kom­mu­ni­ka­tiv ab­holt. Das be­inhal­tet, et­wa Schu­lun­gen. Letzt­lich hilft an die­ser Stel­le auch Bran­chen­er­fah­rung und Ser­vice­men­ta­li­tät der in Fra­ge kom­men­den An­bie­ter wei­ter, da­mit al­le die sel­be Spra­che spre­chen.

Sorg­fäl­ti­ge Pla­nung wir­ken nach­hal­tig

Die Aus­wahl und Im­ple­men­tie­rung ei­ner neu­en Erp-lö­sung ver­langt al­len Be­tei­lig­ten Zeit ab, da es im Rah­men der Pla­nun­gen zahl­rei­che tech­ni­sche De­tails zu be­den­ken gilt. An­ge­sichts die­ser Kom­ple­xi­tät emp­fiehlt es sich, für der­ar­ti­ge Pro­jek­te aus­rei­chend Zeit ein­zu­pla­nen, um un­nö­ti­gen Zeit­druck und das dar­aus re­sul­tie­ren­de Feh­ler­ri­si­ko wei­test­ge­hend zu ver­mei­den.

Sorg­fäl­tig ge­plan­te und durch­ge­führ­te Erp-pro­jek­te zah­len sich lang­fris­tig po­si­tiv aus, da durch ei­ne gut struk­tu­rier­te An­pas­sung der Be­triebs­ab­läu­fe an die An­for­de­run­gen der In­dus­trie 4.0 die Wett­be­werbs­fä­hig­keit ei­nes Un­ter­neh­mens nach­hal­tig ge­stärkt und der ei­ge­ne Ge­schäfts­er­folg dau­er­haft auf ein so­li­des Fun­da­ment ge­stellt wird.

Bild: Gre­en­but­ter­fly/shut­ter­stock

Das Erp-sys­tem ist im Zu­ge der Di­gi­ta­li­sie­rung fast schon ein Muss. Ne­ben vie­len tech­ni­schen De­tails spielt bei der Ein­füh­rung auch die Bran­che und…

Bild: Sa­ge

… ins­be­son­de­re ein gutes Chan­ge-ma­nage­ment ein wich­ti­ge Rol­le, das al­le Be­tei­lig­ten kon­ti­nu­ier­lich ab­holt.

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