Fein­auf­lö­sen­de Klang­wun­der:

Digital Tested - - Inhalt - AN­NA-MA­RIE MERKENSCHLAGER

Der vie­ler­war­te­te Test des HD 800 von Senn­hei­ser im Test

Mit Röh­ren­volt­me­tern fing al­les an. 1945 grün­de­te Dr. Fritz Senn­hei­ser in Wen­ne­bos­tel das „La­bor W“und fer­tig­te Span­nungs­mess­ge­rä­te. Heu­te zählt Senn­hei­ser zu den re­nom­mier­tes­ten Au­dioun­ter­neh­men und über­zeugt auf gan­zer Li­ne.

Of­fe­ne oder ge­schlos­se­ne Kopf­hö­rer? – Das ist hier die Fra­ge. Schon 1968 setz­te Senn­hei­ser, auf den ers­ten of­fe­nen Kopf­hö­rer der Welt und bis heu­te ist der HD 414 das meist­ver­kauf­te Mo­dell al­ler Zei­ten. Ge­ne­rell füh­len sich Mo­del­le mit of­fe­ner Bau­form frei­er an und klin­gen auch so. Ei­ne ge­rin­ge Dämp­fung des Um­ge­bungs­schalls sorgt da­für, dass Au­ßen­ge­räu­sche noch im­mer mit­ge­hört wer­den und die Klän­ge aus dem Kopf­hö­rer auch an die Um­welt ab­ge­ge­ben wer­den. Toll wirkt sich das auf den Raum­klang aus. Die­ser klingt we­ni­ger kom­pri­miert und die Mu­sik hat ge­nü­gend Platz sich aus­zu­brei­ten. Emp­feh­lens­wert sind of­fe­ne Kopf­hö­rer für je­ne Mu­sik­lieb­ha­ber, die in ei­ner re­la­tiv ge­räusch­neu­tra­len Um­ge­bung ei­nen trans­pa­ren­ten, or­ga­ni­schen Klang mit viel Tie­fe er­le­ben wol­len. Sol­len die Ohr­hö­rer so­wohl von der Au­ßen­welt ab­schot­ten, als auch das Ge­heim­nis des Hö­rers wah­ren, greift man bes­ser zur ge­schlos­se­nen Va­ri­an­te. Da­bei ver­liert der Raum­klang al­ler­dings oft et­was an Tie­fe und die Mu­sik wird kom­pak­ter.

Sei­ner Zeit vor­aus – das ist der HD 800 in punc­to De­sign al­le­mal. Zwei über­gro­ße Ohr­hö­rer de­cken nicht nur das Ohr, son­dern auch ei­nen Teil des um­lie­gen­den Kop­fes ab. Da­durch wird der Mu­sik in Kom­bi­na­ti­on mit der of­fe­nen Bau­wei­se, viel Platz zur Ent­fal­tung ge­las­sen. Wei­ter­hin soll die­ses De­sign das na­tür­li­che Auf­tref­fen der Schall­wel­len auf das Ohr ga­ran­tie­ren, die­se kom­men durch ei­ne leich­te Schrä­ge an der Ohr­mu­schel­au­ßen­sei­te, in ei­nem rea­li­täts­na­hen Win­kel beim Hö­rer an.

Senn­hei­ser strebt in al­len Aspek­ten der Bau­wei­se be­son­de­re Echt­heit des Klangs an. Drei Pa­ten­te für ein­zel­ne Bau­tei­le sind ein kla­rer Be­weis für die In­no­va­ti­ons­freund­lich­keit des Un­ter­neh­mens. Pas­send zum fu­tu­ris­ti­schen De­sign er­set­zen Kunst­stoff­tei­le, aus in der Luft­fahr­tech­nik ver­wen­de­ten Ma­te­ria­li­en, hoch­fes­te Me­tal­le. Ein ex­klu­siv ge­fer­tig­tes Edel­stahl­ge­we­be er­fährt Ver­wen­dung in der hand­ge­fer­tig­ten Ohr­mu­schel aus Mi­kro­fa­sern, wel­che mit der Schall­wand zu ei­nem

Bau­teil ver­bun­den ist. Auch das In­ne­re der Ohr­mu­schel ist vor Ve­r­un­rei­ni­gung des Klan­ges ge­schützt. Dort war­tet ein Staub­pro­tek­tor aus 3-D-Mesh auf stö­ren­de Par­ti­kel. Falsch lie­gen wir in der An­nah­me, dass so viel In­no­va­ti­on den Tra­ge­kom­fort ins Aus be­för­dert. So ver­hin­dert das pa­ten­tier­te Kopf­band­de­sign, aus zwei durch ei­ne hoch­dämp­fen­de Fo­lie ver­bun­de­nen Edel­stahl­form­tei­len, un­nö­ti­ge Vi­bra­tio­nen so­wie Kopf­schmer­zen. Na­tür­lich hängt die Pass­form auch von der Kopf­form des Trä­gers ab, des­we­gen emp­feh­len wir ei­ne Pro­be­stun­de vor dem Kauf.

Tech­nik, die über­zeugt

Ein Blick ins In­ne­re be­weist, der HD 800 ist et­was ganz be­son­ders. Als ein­zi­ger Her­stel­ler ver­baut Senn­hei­ser ei­nen Rin­gra­dia­tor mit 56 Mil­li­me­ter Durch­mes­ser un­ter Ver­wen­dung ei­nes hoch­wer­ti­gen Neo­dym­ma­gnets. Wich­tig beim Rin­gra­dia­tor ist ganz be­son­ders die Aus­rich­tung, da ei­ne Ab­wei­chung vom idea­len Win­kel ei­nen Ab­fall im Hoch­ton­be­reich be­deu­ten kann. Wie wir spä­ter im Klang­test se­hen wer­den, ist die Aus­rich­tung beim HD 800 per­fekt.

Für her­aus­ra­gen­de Qua­li­tät spricht auch die ho­he Im­pe­danz von 300 Ohm. Der HD 800 ist kein ein­fa­cher Kopf­hö­rer, er ist ein Er­leb­nis und braucht für sei­ne Per­for­mance viel Leis­tung vom End­ge­rät. Hier­für sind Ka­bel aus ver­sil­ber­tem und sau­er­stoff­frei­em Kup­fer mit ei­ner 6,3-mm-Ste­reo­klin­ke im Lie­fer­um­fang ent­hal­ten. Die­se ver­hin­dern elek­tro­ma­gne­ti­sche Stör­ein­flüs­se und er­leich­tern die Ver­bin­dung. Senn­hei­ser emp­fiehlt für den op­ti­ma­len Klang den Ein­satz ei­nes Kopf­hö­rer­ver­stär­kers. Ein­deu­tig han­delt es sich bei die­sem Kopf­hö­rer um ein High-End-Ge­rät für Mu­sik­ge­nuss von gu­ten End­ge­rä­ten.

Ei­ne neue Welt

Wir ste­hen in ei­nem gro­ßen, run­den Saal. Un­ter un­se­ren Fü­ßen bil­den die tie­fen Fre­quen­zen ei­nen war­men, wei­chen Un­ter­grund. Wir ver­sin­ken in ihm. Dann er­klingt die Stim­me von Chris Eck­man. Das „Re­qui­em For The Old Skool Hea­vy“be­ginnt mit sei­ner sanf­ten Stim­me. Sie hebt uns aus dem Bo­den her­aus. Ein dy­na­mi­sches Cre­scen­do bringt uns kurz dar­auf fast um den Ver­stand. Der Herz­schlag wird schnel­ler und wir ha­ben Gän­se­haut. Im Hin­ter­grund das Schlag­zeug. Nie­mals knallt es son­dern bie­tet ei­nen An­halts­punkt in dem Saal vol­ler Mu­sik. Es ent­steht ein wirk­lich tol­ler Raum­klang, bei dem al­le Fre­quenz­be­rei­che in ge­wünsch­ter Form wie­der­ge­ge­ben wer­den. Ge­nau­so er­geht es uns auch bei „Aqua­ri­um“

aus dem „Kar­ne­val der Tie­re“von Ca­mil­le Saint-Saëns. Im Ori­gi­nal der mu­si­ka­li­schen Sui­te für Kam­mer­or­ches­ter wird ei­ne Glas­har­mo­ni­ka ver­wen­det. Die­se klingt mit dem HD 800 wun­der­bar sanft und weich oh­ne da­bei flach zu wer­den. Per­len­de Läu­fe des Kla­viers er­zeu­gen den Ein­druck von flie­ßen­dem Was­ser. Hier leis­tet der Wand­ler ei­ne bril­lan­te Leis­tung in den ho­hen Fre­quen­zen. Schein­bar oh­ne Mü­he ge­langt je­de ein­zel­ne Klang­fa­cet­te an un­ser Ohr und ver­schwimmt nur dann, wenn der Kom­po­nist es will. Mys­tisch stei­gen Luft­bla­sen an die Was­ser­ober­flä­che und Tröpf­chen per­len von Fi­schen ab. Die Wahl der alt­mo­di­schen Glas­har­mo­ni­ka be­weist sich als ab­so­lu­ter Er­folg und stellt kei­ner­lei Schwie­rig­keit für den HD 800 dar.

Mit Groo­ve zum Er­folg

Schon 2012 tes­te­ten wir den HD 650 Kopf­hö­rer von Senn­hei­ser. Mit ei­nem spe­zi­el­lem akus­ti­schem Ge­we­be an der Au­ßen­sei­te der Ohr­mu­scheln, wird für gleich­mä­ßi­ge Dämp­fung über die ge­sam­te Flä­che ge­sorgt. Ei­ne be­son­ders leich­te Alu­mi­ni­um-An­triebs­spu­le ist für Im­pul­streue ver­ant­wort­lich und ein An­schluss­ka­bel aus hoch­wer­ti­gem Kup­fer und ho­her Reiß­fä­hig­keit ver­hin­dert un­er­wünsch­te Klang­ver­lus­te. Für vie­le ist ge­nau die­ses Pro­dukt ein Fa­vo­rit un­ter den of­fe­nen Ohr­hör­er­lö­sun­gen. Zu­sätz­lich zum HD 650 be­kommt man im Apogee Bund­le ein Kopf­hö­rer­ver­stär­ker und D/A-Wand­ler für den PC hin­zu. Die­ser, na­mens Groo­ve, soll den fla­chen, hoh­len Klang des Lap­tops oder Rech­ners auf­wer­ten und zu­sam­men mit dem Spit­zen­kopf­hö­rer ein wah­res Senn­hei­ser-Klang­er­leb­nis schaf­fen.

Wir set­zen uns die el­lip­ti­schen, ana­to­misch kor­rek­ten Ohr­hö­rer aus Ve­lours auf, ver­bin­den den HD 650 mit dem Groo­ve und die­sen wie­der­um via USB 2.0 mit dem Lap­top.

Drei tech­ni­sche Knif­fe ma­chen aus dem Groo­ve et­was ganz Be­son­de­res. Ein Kon­stant­strom-Lauf­werk kom­pen­siert die feh­len­de Li­nea­ri­tät der her­aus­ge­ge­be­nen Mu­sik­da­tei­en und schlüs­selt die­se so auf, dass Ver­zer­run­gen ver­mie­den wer­den und neue Di­men­si­on, Klar­heit und De­tailfreu­dig­keit her­vor­kom­men. Zu­sätz­lich da­zu fin­det das Quad Sum DAC Sys­tem von Apogee Ver­wen­dung. Hier­bei wer­den vier Ana­log-Di­gi­tal-Wand­ler für ei­nen Ka­nal ein­ge­setzt. Na­tür­lich führt das zu ei­nem sehr ge­rin­gen THD-Wert (Har­mo­ni­sche Ver­zer­rung), ei­nem fast nicht exis­ten­ten Klirr­fak­tor, so­wie gro­ßer Dy­na­mik. In Ver­bin­dung mit dem schon ge­rin­gen Klirr­fak­tor der HD 650 von ≤ 0,05 % müss­te der Groo­ve al­so fast per­fek­te Klang­qua­li­tät er­rei­chen. Auch die SABRE32 Tech­no­lo­gie von Es­s­tech sorgt für wack­ler­freie, dy­na­mi­sche Klän­ge oh­ne Ver­zer­run­gen. Wo der HD 650 al­lei­ne Schwie­rig­kei­ten in den Hö­hen und Tie­fen hat­te, klingt er nun viel ab­ge­run­de­ter. Wenn man den HD 650 mit dem Apogee Groo­ve ver­wen­det, will man kei­ne an­de­ren Kopf­hö­rer mehr im Bü­ro ha­ben.

Ein ex­klu­siv ge­fer­tig­tes Edel­stahl­ge­we­be fin­det Ver­wen­dung in der hand­ge­fer­tig­ten Ohr­mu­schel aus Mi­kro­fa­sern – hoch­wer­tig, dy­na­misch, fu­tu­ris­tisch

Die HD 800 sind ab­so­lut per­fekt ver­ar­bei­tet. Die Ka­bel zum Kopf­hö­rer kön­nen im Be­darfs­fall aus­ge­tauscht wer­den, so dass man den nicht ganz güns­ti­gen Senn­hei­ser wei­ter ver­wen­den kann

Die sehr wei­chen Ohr­mu­scheln aus Ve­lours kön­nen ge­tauscht wer­den

Der hoch­wer­tig ver­ar­bei­te­te Bü­gel ist sehr sta­bil und sorgt für ei­nen fes­ten Halt am Ohr

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