Ex­tra­va­gant: Wenn op­ti­sche Stan­dard­lö­sun­gen nicht ge­nü­gen, gibt es im­mer noch den De­vi­alet Phan­tom Gold

Es gibt Laut­spre­cher, und dann gibt es den De­vi­alet Gold Phan­tom. Bei­des in ei­ne Ka­te­go­rie zu ste­cken, wird kei­nem von bei­dem ge­recht. Ein Ge­rät, das mit sei­ner Spiel­freu­de über­zeugt, stell­te sich dem Test.

Digital Tested - - Inhalt - JO­HAN­NES STROM

Wenn man den Zah­len des fran­zö­si­schen Her­stel­lers De­vi­alet glaubt, so wer­den über 200 000 Phan­tom-Laut­spre­cher pro Jahr her­ge­stellt. Nicht al­le tra­gen das Prä­di­kat Gold, so wie un­ser Test­mus­ter, denn es gibt ne­ben der roya­len Va­ri­an­te auch noch die Ver­si­on Sil­ber und ei­nen nor­ma­len Phan­tom, ganz oh­ne At­tri­but und Ti­tel. Der Un­ter­schied? Zwi­schen der Stan­dard­ver­si­on und dem Gold Phan­tom lie­gen gan­ze 1 100 Eu­ro und 3 300 Watt Dif­fe­renz! Der Gold Phan­tom hat laut Spe­zi­fi­ka­ti­on 4500 Watt, ge­mes­sen als Peak. Nein, wir ha­ben hier kein Kom­ma ver­ges­sen. Der Phan­tom ist laut Her­stel­ler „der bes­te Wi­re­less-Laut­spre­cher der Welt“und als sol­cher darf man ru­hig auch mal ein biss­chen dick auf­tra­gen. Aber hin­ter den Ver­spre­chen der Mar­ke­ting-Ab­tei­lung ver­ber­gen sich kei­ne lee­ren Hül­len, son­dern ech­te Tech­no­lo­gie-Wun­der in Klang, Fer­ti­gung und De­sign.

Hol­ly­woodreif

Was auf den ers­ten Blick an­mu­tet wie die Zeit­kap­sel ei­nes Ali­ens aus ei­nem Sci­ence-Fic­tion Film, ist ein ziem­lich aus­ge­tüf­tel­ter 3-We­ge-Laut­spre­cher mit Hoch­tö­ner, Mit­tel­tö­ner und ei­nem ziem­lich spek­ta­ku­lä­rem Tief­tö­ner. Der Hoch­tö­ner ist noch ziem­lich of­fen­sicht­lich am blu­men­för­mig ge­lö­cher­ten Git­ter zu er­ken­nen, dass der brei­te­re Ring dar­um aber be­reits den Mit­tel­tö­ner dar­stellt, kann man kaum er­ah­nen. Den drit­ten Weg, al­so den Tief­tö­ner, ha­ben die Fran­zo­sen in dop­pel­ter Aus­füh­rung links uns rechts an die Sei­ten ge­setzt, so­dass man prin­zi­pi­ell von ei­ner ech­ten Punkt­schall­quel­le spre­chen kann.

Die­ses ex­zen­tri­sche Ob­jekt, wel­ches aus un­glaub­li­chen 1610 Bau­tei­len be­steht, wird in höchs­ter Prä­zi­si­on ge­fer­tigt. In 60 Ar­beits­schrit­ten durch­läuft es über 250 stan­dar­di­sier­te Qua­li­täts­si­che­rungs­checks. Mehr, als je­der an­de­re Laut­spre­cher. Je­der nor­ma­le Mensch wür­de jetzt sa­gen, okay, ei­ne High-End-Ma­nu­fak­tur – wie zum Bei­spiel die von Bur­mes­ter – kann das auch. Aber nicht al­le 2 Mi­nu­ten. Denn das ist der Ab­stand, in dem die Phan­toms pro­du­ziert wer­den. Das geht na­tür­lich nur noch mit Hil­fe von Ro­bo­tik und Com­pu­ter­steue­rung. Und

ge­nau wie das Pro­dukt, so se­hen auch die La­bors und Pro­duk­ti­ons­stre­cken der fran­zö­si­schen Fa­b­ri­ken aus, in de­nen der Phan­tom ge­fer­tigt wird. Das Gan­ze er­in­nert ein we­nig an die Se­ri­en­pro­duk­ti­on von Fahr­zeu­gen. Je­des Hol­ly­wood-Film­set aus ei­nem Welt­raum­strei­fen wä­re froh über die Tech­no­lo­gie und die At­mo­sphä­re die­ses Un­ter­neh­mens.

Let’s con­nect

Beim ers­ten An­schal­ten des Laut­spre­chers, wenn er noch mit kei­nem Netz­werk ver­bun­den ist, er­tönt ein Ge­räusch, wel­ches an das cha­rak­te­ris­ti­sche „woow-woow“des Knight-Ri­der Au­tos KITT er­in­nert, nur deut­lich in der Ge­schwin­dig­keit re­du­ziert. Ein biss­chen mys­te­ri­ös wirkt der Laut­spre­cher an die­ser Stel­le schon. An­ge­schlos­sen wer­den kann der Phan­tom über Et­her­net oder ein op­ti­sches Ka­bel. Letz­te­res ist vor al­lem in­ter­es­sant für TVs oder ex­ter­ne Vor­stu­fen als Zu­spie­ler jen­seits des Netz­werks. Bei­de Ein­gän­ge ver­ste­cken sich ex­trem ge­konnt un­ter­halb des Po­wer-But­tons auf der Rück­sei­te hin­ter der Ab­de­ckung des Strom­ka­bels. Sie sind ehr­lich ge­sagt so gut ver­steckt, dass wir sie für un­se­ren Test bei­na­he über­se­hen hät­ten. Aber selbst das wä­re nicht wei­ter tra­gisch, denn schließ­lich tes­ten wir „den bes­ten Wi­re­less-Laut­spre­cher der Welt“und die In­te­gra­ti­on ins Netz­werk ist – oh­ne zu über­trei­ben – wirk­lich ex­zel­lent ge­löst. Auf dem Smart­pho­ne in­stal­lie­ren wir da­für die Phan­tom Re­mo­te-App von De­vi­alet, wel­che den Laut­spre­cher schlag­ar­tig fin­det, denn die­ser sen­det auf Werks­ein­stel­lun­gen ein Blue­tooth-Si­gnal und gibt sich so­mit auch oh­ne Netz­werk öf­fent­lich zu er­ken­nen. Über ei­ne wei­te­re, haus­ei­ge­ne App lässt sich eben­falls ei­ne gan­ze Pa­let­te hoch­klas­si­ger Strea­m­ing­diens­te nut­zen, dar­un­ter al­te Be­kann­te wie Dee­zer, Spo­ti­fy, Qo­buz und Ti­dal, aber auch klas­si­sche Web­ra­di­os oder die haus­ei­ge­ne Platt­form „Li­ve on Phan­tom“, über die De­vi­alet Li­vestreams aus gro­ßen Kon­zert­häu­sern an­bie­tet. Wir ent­schei­den uns ganz schnö­de für un­se­ren lo­ka­len Ser­ver. Doch so­bald man dann ein­mal Zu­gang hat und dem Laut­spre­cher die hei­mi­sche Netz­werk­pe­ri­phe­rie er­öff­net, ist es vor­bei mit schnö­de. Es ist, als hät­te der Phan­tom sein Le­ben lang dar­auf ge­war­tet zu spie­len.

User Ex­pe­ri­ence

Um­gangs­sprach­lich wür­de man sa­gen „er geht ab, wie Schmidts Kat­ze“. So sehr, dass un­mit­tel­bar noch wäh­rend un­se­res ers­ten Test­ti­tels die Kol­le­gen aus den Nach­bar­re­dak­tio­nen an­ge­lau­fen ka­men, weil sie ei­nen so gro­ßen Schreck be­kom­men hat­ten, wo­her auf ein­mal die­ser hef­ti­ge Bass kommt. Wir konn­ten es den Kol­le­gen er­klä­ren und für Sie hier noch mal schrift­lich: Der De­vi­alet Gold Phan­tom hat ei­ne un­te­re Grenz­fre­quenz von 14 Hertz. Ge­paart mit den ein­gangs er­wähn­ten 4500 Watt, soll­te das als Er­klä­rung vor­erst hin­rei­chend sein. Die obe­re Grenz­fre­quenz liegt üb­ri­gens bei eben­falls be­ein­dru­cken­den 27 Ki­lo­hertz. Er­gän­zend ist viel­leicht noch für die Fak­ten­samm­ler er­wäh­nens­wert, dass der Gold Phan­tom 108 De­zi­bel Schall­druck auf ei­nen Me­ter Ab­stand er­zeu­gen kann. Lust auf ei­nen Tech­no-Ra­ve? Wir schon. So­fort ent­stand in un­se­rem Hör­raum ein Leip­zi­ger Un­der­ground-Tech­no­club, der dem Ber­li­ner „Tre­sor“zu­min­dest in punc­to Schall­druck und Mu­sik­aus­wahl in nichts nach­ste­hen muss­te. Und wir müs­sen da­zu er­wäh­nen, dass wir nur ei­nen Laut­spre­cher auf­ge­baut hat­ten. Wir re­den hier al­so ge­ra­de von Mono. Wo­von wir hier aber nicht re­den, sind die­se klei­nen, rum­peln­den und zer­ren­den Ak­ku-Boom­bo­xen, die ge­ra­de zu­hauf die Sa­turns und Me­dia Märk­te über­flu­ten und die vor­aus­sicht­lich wie­der zahl­reich zu Weih­nach­ten an En­kel­kin­der und sol­che, die es ge­blie­ben sind, her­aus­ge­ge­ben wer­den. Da­von ist der Gold Phan­tom weit ent­fernt. Nicht nur des­halb, weil er kei­nen Ak­ku hat und weil er mit sei­nen 11,4 Ki­lo­gramm ein we­nig schwer für den Schul­ran­zen ist, nein, vor al­lem ist der Gold Phan­tom kein All­tags­ge­gen­stand. Er ist, wie die fran­zö­si­sche Le­bens­art „sa­voir-vi­v­re“, al­so ei­ner­seits ei­ne Form gu­ten Be­neh­mens, aber auch die Kunst des Le­bens sel­ber. Ein Spiel­zeug für Er­wach­se­ne. Da­für spricht nicht nur die blo­ße, strot­zen­de Kraft des Bo­li­den, son­dern auch sein Un­der­state­ment, um die Bri­ten wie­der mit ins Boot zu ho­len. Die Sei­ten mit ed­lem 22 Ka­rat Ro­sé-Blatt­gold sind eben­so Zei­chen sei­ner le­bens­be­ja­hen­den Art, wie die Leich­tig­keit der Tief- und Mit­tel­tö­ner-Mem­bra­nen aus Alu­mi­ni­um. Nur die Hoch­tö­ner-Mem­bran aus Ti­tan bringt ei­ne leich­te Pri­se Här­te mit ins Spiel, aber das mei­nen wir na­tür­lich nicht klang­lich. Denn was das Tim­bre be­trifft, spielt der Gold Phan­tom ge­nau­so ma­kel­los auf, wie sein op­ti­sches Auf­tre­ten sug­ge­riert. Weiß be­inhal­tet schließ­lich al­le Far­ben des Spek­trums in sei­ner Ganz­heit und Rein­heit. Es ist al­so sinn­bild­lich die op­ti­ma­le Far­be um das zu­sam­men­zu­fas­sen, was akus­tisch pas­siert. Denn das Weiß des Phan­tom – ei­gent­lich ein RAL 9016 – ver-

mit­telt den Charme ei­ner Lein­wand, auf die far­ben­fro­he Bil­der ge­zeich­net wer­den. Oder viel­leicht auch das Weiß ei­ner Tisch­de­cke ei­ner reich­hal­tig ge­deck­ten Ta­fel in­mit­ten von Wein­ber­gen der Pro­vence.

C’est la vie

Gibt es ei­nen bes­se­ren Weg ei­nen fran­zö­si­schen Laut­spre­cher zu tes­ten, als mit fran­zö­si­scher Mu­sik? Wir ent­schei­den uns für „Le Fa­bu­leux Des­tin d‘Amé­lie Pou­lain“, den meis­ten wohl bes­ser be­kannt als „Die fa­bel­haf­te Welt der Amé­lie“, ge­nau­er ge­sagt dem Sound­track da­zu. Wir be­gin­nen mit dem mar­kan­ten Pia­no­the­ma von Yann Thier­sen, Ti­tel 4 auf dem Sound­track mit dem ge­tra­ge­nen, wie klin­gen­den Na­men „Comp­ti­ne d‘un aut­re été, l‘après-mi­di“.

Das be­kann­te Stück er­klingt voll, mit al­lem Schmerz, der sich in den schwin­de­nen Kind­heits­er­in­ne­run­gen des Äl­ter­wer­dens ma­ni­fes­tiert. Und ob­wohl wir das Stück nicht in Ste­reo hö­ren, kann die Phan­tom den Raum mit Esprit und Con­ten­an­ce plas­tisch aus­staf­fie­ren. Der Druck und die Me­lan­cho­lie der Tie­fen, fast schwim­men­den Bass­be­glei­tung der lin­ken Hand, wird von den Alu­mi­ni­um-Tief­tö­nern äu­ßerst sau­ber und mit au­ßer­ge­wöhn­li­cher So­no­ri­tät ab­ge­bil­det. Man könn­te mei­nen, statt ei­nes Up­right-Pia­nos steht ein 3-Me­ter lan­ger Flü­gel im Hör­raum, doch geht das auch mit ei­nem gan­zen Orches­ter? Ja, es geht. Der „Val­se d‘Amé­lie“vom sel­ben Al­bum be­weist es. Die Strei­cher er­klin­gen atem­be­rau­bend ro­man­tisch, das fei­ne Schlag­werk setzt sich ge­konnt im Ober­ton­s­pek­trum ab und bei al­ler Ver­schmel­zung der ge­gen­läu­fi­gen Me­lo­di­en des Stücks, be­hält der Phan­tom den Über­blick und zau­bert ech­te Tie­fe, ganz oh­ne sei­nen Ste­reo-Part­ner. Da­bei hilft die enor­me Ver­zer­rungs­frei­heit der Wie­der­ga­be. Nicht nur un­ter La­bor­be­din­gun­gen und bei den Mess­wer­ten kann der Gold Phan­tom mit ex­tre­men -112 De­zi­bel To­tal Har­mo­nic Dis­tor­ti­on über­zeu­gen. Auch in der Rea­li­tät, al­so im hei­mi­schen Wohn­zim­mer, kommt die­ser Vor­zug zum tra­gen. Die Orches­ter­dar­stel­lung klingt wahr­lich meis­ter­haft und über­zeugt durch her­vor­ra­gen­de Durch­hör­bar­keit und Aus­ge­wo­gen­heit. Kein Wun­der, dass De­vi­alet sich der Live­über­tra­gung von Kon­zer­ten ver­schrie­ben hat. Ein we­nig trau­rig wur­den wir an die­ser Stel­le. Nicht ob der me­lan­cho­li­schen Mu­sik, son­dern weil uns ge­wahr wur­de, dass wir ge­ra­de wirk­lich et­was ver­pas­sen: Die Mög­lich­keit, die Phan­tom als Ste­reo-Set zu hö­ren. Das geht mit­hil­fe von „Dia­log“, ei­nem Wi­re­less-Hub von De­vi­alet, der die zwei Laut­spre­cher da­zu bringt, sich mit­ein­an­der als Paar zu sy­chro­ni­sie­ren. Wir glau­ben, das könn­te sich wirk­lich loh­nen, müs­sen je­doch vor­erst bei Mono in­ne­hal­ten, denn De­vi­alet ist ganz nah ran ge­kom­men, an den „bes­ten Wi­re­less-Laut­spre­cher der Welt“. Ob er es wirk­lich ist, kann ei­gent­lich nur ein Ste­reo-Test zei­gen. Aber ei­ne Rei­se zu ei­nem De­vi­alet-Fach­händ­ler ist auch Mono mit Si­cher­heit ein Hoch­ge­nuss.

Fa­zit

Zu Be­ginn hat er uns ob sei­nes ex­zen­tri­schen De­signs ver­stört und die Re­dak­ti­on po­la­ri­siert. Zum Schluss hat er uns mit sei­ner Lei­den­schaft und Spiel­freu­de ver­zau­bert und in sei­nen Bann ge­ris­sen. Ein ech­ter, fran­zö­si­scher Le­cker­bis­sen, die­ser Gold Phan­tom. So­wohl tech­no­lo­gisch, als auch klang­lich. Wie ein fri­sches Crois­sant zum Früh­stück: Auch als Ein­zel­gän­ger zu emp­feh­len.

Die Ex­plo­si­ons­zeich­nung – hier vom klei­ne­ren Mo­dell Sil­ver – ge­währt Ein­blick in die im­men­se In­ge­nieurs­leis­tung der Fran­zo­sen. Gro­ße Kunst auf engs­tem Raum

Die Un­ter­sei­te ist kon­fek­tio­niert, um den Gold Phan­tom auf ei­nem Tri­pod auf­zu­stel­len

In der Re­mo­te-App von De­vi­alet kann der Gold Phan­tom kon­fi­gu­riert wer­den

Das Who-Is-Who der Strea­m­ing-Bran­che steht als Qu­el­len zur Ver­fü­gung

Der Ti­tan-Hoch­tö­ner hin­ter dem blu­mi­gen Git­ter wird ge­rahmt vom Alu­mi­ni­um-Mit­tel­tö­ner und er­gibt im Team ei­ne ech­te Punkt­schall­quel­le

Sind sind fast zu über­se­hen, aber kaum zu über­hö­ren. Die Alu­mi­ni­um-Tief­tö­ner ha­ben ei­nen ex­tre­men Hub und ei­ne be­ein­dru­cken­de, ma­xi­ma­le Aus­len­kung

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