DigitalPHOTO (Germany)

Das per­fek­te Ka­me­ra­sys­tem

- TIM HER­PERS Chef vom Di­enst

MARKENCHEC­K | Al­le Her­stel­ler prä­sen­tie­ren ih­re Ka­me­ras und Ob­jek­ti­ve im bes­ten Licht. Doch wer hat die Na­se tat­säch­lich vorn? Wir ha­ben die Vor- und Nach­tei­le der Ka­me­ra­sys­te­me für Sie hier zu­sam­men­ge­fasst und lie­fern Ih­nen 36 Emp­feh­lun­gen für Ka­me­ras und Ob­jek­ti­ve je­der Preis­klas­se.

Wenn mich je­mand um ei­ne Ka­mera­kauf­be­ra­tung bit­tet, ist mei­ne ers­te Ge­gen­fra­ge, ob der- oder die­je­ni­ge be­reits mit ei­nem Ka­me­ra­sys­tem ver­traut ist. Klar, über den Kauf ei­ner Ka­me­ra soll­te nicht nur die ei­ge­ne Er­fah­rung ent­schei­den, al­ler­dings ist es wich­tig, dass sich je­der mit sei­nem Ka­me­ra­sys­tem wohl­fühlt. Ich ha­be mich beim Ein­stieg in die di­gi­ta­le Fo­to­gra­fie vor rund zehn Jah­ren für die EOS 500D ent­schie­den, ei­ne Ein­stei­ger-dslr von Ca­non. Folg­lich konn­te ich al­le nach­fol­gen­den Eos-mo­del­le prak­tisch im Schlaf be­die­nen. Das

Hand­ling an­de­rer Ka­me­ra­sys­te­me fiel mir hin­ge­gen deut­lich schwe­rer. Al­ter­na­ti­ve Ka­me­ras von Ni­kon und Co. ha­be ich zum An­fang teil­wei­se ver­flucht. Nach ei­ner kur­zen Ein­ge­wöh­nung ha­be ich aber auch die an­de­ren Sys­te­me ver­stan­den, sie wert­ge­schät­zen ge­lernt und mir teil­wei­se so­gar Funk­tio­nen von Kon­kur­renz­mo­del­len bei mei­ner Ca­non ge­wünscht. Kurz­um: Ob man die ei­ne oder an­de­re Ka­me­ra­mar­ke be­vor­zugt, ist auch im­mer ei­ne Fra­ge der in­di­vi­du­el­len Er­fah­rung. Au­ßer­dem ist die Wahl ei­ner neu­en Ka­me­ra zum Start in die Fo­to­gra­fie weit­aus of­fe­ner, als wenn Sie be­reits zahl­rei­che Ob­jek­ti­ve ei­nes Ka­me­ra­sys­tems be­sit­zen. Hier sind zwar Objektivad­apter ei­ne mög­li­che Lö­sung, al­ler­dings soll­te das Ziel ein na­ti­ves Ka­me­ra­sys­tem sein. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve ist der Ver­kauf des ge­sam­ten Equip­ments für ei­nen Neu­start mit ei­nem neu­en Ka­me­ra­sys­tem. Das Pro­blem: Ähn­lich wie beim ers­ten Kauf hat man dann die Qu­al der Wahl.

Sys­tem­ka­me­ras im Vor­teil

Was al­so tun, wenn Sie oh­ne ei­ge­ne Aus­rüs­tung in die Welt der di­gi­ta­len Fo­to­gra­fie ein­stei­gen möch­ten? Das An­ge­bot der Wech­sel­ob­jek­tiv­ka­me­ras teilt sich in zwei La­ger: die klas­si­schen DSLRS (di­gi­ta­len Spie­gel­re­flex­ka­me­ras) und die in­no­va­ti­ven CSCS (kom­pak­ten Sys­tem­ka­me­ras). Im Be­reich der DSLRS sind vor al­lem Ca­non, Ni­kon und Pen­tax stark auf­ge­stellt. Die Her­stel­ler ha­ben sich über vie­le Jah­re ein ex­or­bi­tant gro­ßes Ka­me­ra­sys­tem auf­ge­baut. Doch dann folg­ten vor gut zwölf Jah­ren die ers­ten Sys­tem­ka­me­ras. Pa­na­so­nic er­öff­ne­te mit der Lumix

G1 als Pio­nier den Markt der spie­gel­lo­sen Di­gi­tal­ka­me­ras mit Wech­sel­ob­jek­tiv. Die Lumix in Form ei­ner klas­si­schen, kom­pak­ten DSLR war mit ei­nem 12,1-Me­ga­pi­xel-mi­cro­fourthird­sSen­sor aus­ge­stat­tet, der ei­nen Licht­emp­find­lich­keits­be­reich von ISO 100 bis 3.200 bot und aus­schließ­lich der Fo­to­gra­fie dien­te. Ei­ne Vi­de­o­funk­ti­on gab es noch nicht – aus heu­ti­ger Sicht völ­lig un­vor­stell­bar, set­zen doch vie­le Her­stel­ler, ins­be­son­de­re Pa­na­so­nic, in­zwi­schen kon­se­quent auf Hy­brid­mo­del­le für Fo­to und Vi­deo.

In den Fol­ge­jah­ren hat­ten es die spie­gel­lo­sen Sys­tem­ka­me­ras nicht leicht. Vor al­lem die elek­tro­ni­schen Su­cher bo­ten im Ver­gleich zu den op­ti­schen Su­chern von DSLRS kei­ne ver­gleich­ba­re Über­sicht über das Mo­tiv. Zu­dem fiel die Ak­ku­lauf­zeit ver­gleichs­wei­se ge­ring und der Au­to­fo­kus deut­lich lang­sa­mer aus als der von Spie­gel­re­flex­ka­me­ras. Doch nun hat sich das Blatt ge­wen­det. Spie­gel­lo­se Sys­tem­ka­me­ras sind mitt­ler­wei­le deut­lich ge­frag­ter als klas­si­sche DSLRS. Die Kin­der­krank­hei­ten sind be­ho­ben und so kon­zen­trie­ren sich auch die Ka­me­ra­her­stel­ler auf den Aus­bau der spie­gel­lo­sen Ka­me­ra­sys­te­me. Ein­zig Pen­tax hält nach ei­nem kur­zen Aus­flug in die Welt der CSCS an sei­nem Dslr-an­ge­bot fest und lockt mit ei­ner Ent­wick­lungs­an­kün­di­gung ei­ner Flagg­schif­fAPS-C-DSLR. Al­le an­de­ren Her­stel­ler, selbst Ca­non und Ni­kon, le­gen ih­ren Fo­kus mitt­ler­wei­le auf CSCS – vor al­lem auf Voll­for­mat­ka­me­ras.

Was be­deu­tet das für Ih­re Kauf­ent­schei­dung? Möch­ten Sie in die Fo­to­gra­fie ein­stei­gen, kön­nen Sie na­tür­lich trotz­dem zu ei­ner klas­si­schen

Al­le Her­stel­ler (au­ßer Pen­tax) le­gen ih­ren Fo­kus auf den Aus­bau ei­nes spie­gel­lo­sen Ka­me­ra­sys­tems.

Tim Her­pers, Chef vom Di­enst

DSLR grei­fen. Mit Blick auf den ak­tu­el­len Markt und die Auf­stel­lung der Her­stel­ler ist ei­ne spie­gel­lo­se Sys­tem­ka­me­ra aber die deut­lich bes­se­re Wahl. Blickt man auf das An­ge­bot der Her­stel­ler, kon­zen­trie­ren sich be­reits vier Her­stel­ler aus­schließ­lich auf spie­gel­lo­se Mo­del­le: So­ny, Fu­ji­film, Pa­na­so­nic und Olym­pus. Ent­spre­chend groß ist die Aus­wahl: Für je­des Bud­get gibt es ei­ne Ka­me­ra. Zu­dem ist der Ge­braucht­markt rie­sig.

Von MFT über APS-C bis Voll­for­mat

Es soll ei­ne spie­gel­lo­se Sys­tem­ka­me­ra wer­den? Gu­te Ent­schei­dung! Hier ha­ben Sie die Wahl zwi­schen drei Sen­sor­for­ma­ten: Mi­cro­fourthirds (17,3 x 13 mm), APS-C (her­stel­ler­ab­hän­gig, et­wa 23,6 x 15,8 mm) und Voll­for­mat (36 x 24 mm). Da­rü­ber hin­aus gibt es noch Son­der­for­ma­te, wie das Gfx-sys­tem von Fu­ji­film, das so­gar ei­nen mit­tel­for­mat­ähn­li­chen Sen­sor bie­tet (43,8 x 32,9 mm). Schau­en wir uns zu­nächst das Mi­cro­Fourthirds-for­mat ein­mal ge­nau­er an. Hier kom­men zwei Her­stel­ler in­fra­ge: Pa­na­so­nic und Olym­pus. An­ders als beim APS-C- und Klein­bild­for­mat, bei de­nen es un­ter­schied­li­che Ka­me­ra­an­schlüs­se gibt, ist das Mi­cro­fourthirds-for­mat her­stel­ler­un­ab­hän­gig kom­pa­ti­bel. Sie kön­nen al­so pro­blem­los ei­ne Op­tik von Olym­pus an ei­ner Pa­na­so­nic Lumix mon­tie­ren und an­ders­her­um.

Ein wei­te­rer Vor­teil von Mft-ka­me­ras ist die Grö­ße: Da der Sen­sor im Ver­gleich zum Voll­for­mat­sen­sor er­heb­lich klei­ner ist, kann auch die Ka­me­ra klei­ner ge­baut wer­den. Ein gu­tes Bei­spiel da­für ist die neue Lumix G110 (Test sie­he Sei­te 32), die tat­säch­lich ex­trem klein ist. Doch es gibt auch deut­lich klo­bi­ge­re Mft-ka­me­ras und so­gar Voll­for­mat­ka­me­ras, die klei­ner als ver­gleich­ba­re Mft-ka­me­ras sind. Den Be­weis da­für hat Pa­na­so­nic erst kürz­lich ge­lie­fert: Die neue Lumix S5 (Be­richt sie­he Sei­te 16) ist klei­ner und leich­ter als die Lumix GH5, das ak­tu­el­le Hy­brid-top­mo­dell aus dem Mft-sor­ti­ment von Pa­na­so­nic. Die Re­gel „Je klei­ner der Sen­sor, des­to klei­ner die Ka­me­ra – und um­ge­kehrt“ist dem­nach in­zwi­schen klar über­holt.

Die Mi­cro­fourthirds-ka­me­ras von Pa­na­so­nic und Olym­pus zeich­nen sich meist durch ei­nen ex­trem gro­ßen Aus­stat­tungs­um­fang aus. Bei­spiels­wei­se ist auf­grund des ver­gleich­bar klei­nen Sen­sors ei­ne sehr ef­fi­zi­en­te dua­le Bild­s­ta­bi­li­sie­rung mög­lich. Nicht zu ver­nach­läs­si­gen ist zu­dem die kom­pak­te Bau­grö­ße der Ob­jek

ti­ve. Nach­tei­le von Mi­cro­fourthirds-ka­me­ras zei­gen sich oft im High-iso-be­reich. Hier leis­ten in der Re­gel Ka­me­ras mit ei­nem APS-C-SEN­sor ei­nen deut­lich bes­se­ren Job.

Vier­kampf ums Aps-c-for­mat

Das An­ge­bot im Aps-c-seg­ment ist rie­sig. Be­zo­gen auf die spie­gel­lo­sen Sys­tem­ka­me­ras spie­len hier gleich vier Her­stel­ler im Wett­be­werb um das bes­te Sys­tem mit. Fu­ji­films Kern­ge­schäft um­fasst die X-trans-ka­me­ras mit ei­nem APS-CSen­sor. Die­se Ka­me­ras zeich­nen sich durch ei­ne be­son­de­re Sen­sor­struk­tur aus und punk­ten in un­se­ren Bes­ten­lis­ten oft bes­ser als gleich­prei­si­ge Voll­for­mat­ka­me­ras. So­ny be­sitzt mit den Mo­del­len der 6000er-se­rie ech­te Ver­kaufs­schla­ger und fährt ei­ne in­ter­es­san­te Pro­dukt­stra­te­gie:

In­ner­halb we­ni­ger Jah­re hat es der Her­stel­ler ge­schafft, ein viel­fäl­ti­ges Port­fo­lio mit ähn­li­chen, aber im De­tail doch un­ter­schied­li­chen Ka­me­ras auf­zu­bau­en – sei es im APS-C- oder Voll­for­mat-seg­ment. An­statt Ka­me­ra­mo­del­le zu er­set­zen, blei­ben äl­te­re Mo­del­le im Sor­ti­ment – ne­ben den neu­wer­ti­ge­ren Schwes­ter­mo­del­len. Ein Bei­spiel da­für ist die Al­pha 6000. Die Aps-c-ka­me­ra kam vor über 6,5 Jah­ren auf den Markt und ist nach wie vor er­hält­lich und das zu ei­nem güns­ti­gen Neu­preis von we­ni­ger als 400 Eu­ro. Zum Ver­gleich: Das Aps-c-flagg­schiff von So­ny, die Al­pha 6600, kos­tet mit 1.402 Eu­ro über 1.000 Eu­ro mehr. So bie­tet So­ny selbst im Aps-c-be­reich für je­des Bud­get ei­ne Ka­me­ra.

Ca­non hat mit den Eos-m-ka­me­ras seit Herbst 2012 ein spie­gel­lo­ses Ka­me­ra­sys­tem mit

Aps-c-sen­sor im An­ge­bot. An­fangs wur­den die ers­ten Mo­del­le be­gin­nend mit der EOS M von uns noch hart ab­ge­straft. Vor al­lem der lang­sa­me Au­to­fo­kus mach­te jeg­li­che Freu­de an der Fo­to­gra­fie zu­nich­te. Doch Ca­non blieb dran und stell­te im Früh­ling 2018 mit der EOS M50 ei­ne groß­ar­ti­ge Aps-c-ka­me­ra mit ei­nem sehr fai­ren Preis-leis­tungs-ver­hält­nis vor. Mit der EOS M6 Mark II folg­te ein wei­te­res emp­feh­lens­wer­tes Mo­dell. Scha­de, dass Ca­non das Ef-m-port­fo­lio stief­müt­ter­lich be­han­delt und gera­de ein­mal acht Ob­jek­ti­ve mit Ef-m-an­schluss an­bie­tet.

Mit der Z 50 ist dann En­de letz­ten Jah­res auch Ni­kon ins spie­gel­lo­se Aps-c-bu­si­ness ein­ge­stie­gen. Dank des Z-ba­jo­netts ist die Ka­me­ra, ähn­lich wie beim E-mount von So­ny, auch mit Voll­for­mat­ob­jek­ti­ven kom­pa­ti­bel. Das er­leich­tert

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