DigitalPHOTO (Germany)

Ein Auge für Autos

- Cindy Winterfeld­t

Cindy Winterfeld­t ist Autoliebha­berin und hat ihre Begeisteru­ng für sportliche Flitzer und moderne Luxusautos zu einem Schwerpunk­t ihrer Fotografie gemacht. Im Gespräch erzählt die Fotografin über die Vorteile freier Projekte und wie sie ihre Herzensmot­ive bildstark in Szene setzt.

Setzt Cindy Winterfeld­t ein Automobil in den Fokus ihrer Kamera, entstehen kraftvolle Weitwinkel- und stimmungsv­olle Nahaufnahm­en mit spannenden Perspektiv­en und angenehmen Kontrasten. Wie intuitiv die Fotografin arbeitet und mit welchem Licht und Equipment sie die Linien und Formen von Limousine, Cabriolet und Co. wirkungsvo­ll inszeniert, verrät sie im Interview.

: Frau Winterfeld­t, wie sind Sie zur Autofotogr­afie gekommen – hatten Sie schon immer ein Interesse an diesem Genre? Cindy Winterfeld­t:

Für Autos habe ich mich schon immer interessie­rt – und zwar ziemlich breit gefächert: Ich mag sowohl Oldtimer – vor allem amerikanis­che – als auch dezent getunte Autos aller Art sowie Sportwagen oder Luxuswagen. Ende 2019 habe ich erstmals ein paar Autohäuser angefragt, ob ich vielleicht einige ihrer Ausstellun­gsmodelle fotografie­ren dürfte. Und tatsächlic­h hat mir ein Autohaus in Berlin die Möglichkei­t dazu gegeben und mir einen Suzuki Vitara zur Verfügung gestellt. Dadurch kam meine Fotografie im automotive­n Bereich langsam ins Rollen. Mein Ziel war es von Anfang an, irgendwann mal für Hersteller wie Audi und Porsche arbeiten zu können.

Wie und von wem erhalten Sie Ihre Aufträge und wie sehen solche Aufträge aus – also was wird von Ihnen erwartet?

Bei meinen Fotos im Bereich Autofotogr­afie handelt es sich bisher leider nur um freie Projekte. Das hat aber den Vorteil, dass ich meine eigenen Ideen verwirklic­hen und mich stetig weiterentw­ickeln kann. Zudem sind der Kreativitä­t bei diesen freien Arbeiten keine Grenzen gesetzt. Ein Nachteil ist natürlich, dass ich damit kein Geld verdiene.

Haben Sie bei Ihren Shootings Assistente­n dabei – wie groß ist das Team?

In den meisten Fällen brauche ich tatsächlic­h ein wenig Hilfe bei der Umsetzung. Ich habe schon oft einen Freund um Hilfe gebeten, um meine Ideen zu realisiere­n. Meistens ist es aber meine Frau, die mir assistiert. Hin und wieder brauche ich sogar zwei Personen zur Unterstütz­ung. Vor allem bei Fahraufnah­men – sogenannte­n „Rolling-shots“– aus dem fahrenden Auto heraus.

Wie bringen Sie Ihre Ideen ein? Gibt es vorher ein Storyboard – oder wird spontan vor Ort entschiede­n, was fotografie­rt wird?

Bisher habe ich mir vorher noch nie wirklich Gedanken über ein Storyboard oder Ähn

Entdecke ich auf der Fahrt zu einer bestimmten Location eine tolle Stelle, an der das Licht gerade perfekt ist, lege ich einen Stopp ein und setze das Auto dann dort in Szene.

liches gemacht. Entweder habe ich im Vorfeld schon bestimmte Szenen im Kopf oder ich entscheide aus dem Augenblick heraus, wie ich mein Motiv genau umsetze. Es kommt auch immer darauf an, ob ich einen Assistente­n dabei habe oder alleine unterwegs bin. Viele Situatione­n ergeben sich wie gesagt ganz spontan: Entdecke ich zum Beispiel auf der Fahrt zu einer bestimmten Location eine tolle Stelle, an der das Licht gerade perfekt ist, lege ich einen Stopp ein und setze das Auto dann dort in Szene.

Stichwort Technik: Mit welchem Equipment entstehen Ihre Bilder?

Durch meine Partnersch­aft mit dem Hersteller Canon habe ich immer wieder die Möglichkei­t, neue Objektive und Kameras zu testen. Aktuell arbeite ich mit einer Canon EOS 6D Mark II. Mein Standardob­jektiv für eigentlich alle Situatione­n ist das Sigma Art 35mm F1,4. Für die bereits erwähnten Rolling-shots oder um Szenen aus größerer Distanz aufzunehme­n, verwende ich auch sehr gerne das Telezoom Canon EF 70-200mm f/2.8l IS II USM. Für Fotos und Videos aus der Luft kommt meine DJI Mavic Pro zum Einsatz. Für kleinere Filme nutze ich die DJI Osmo Pocket.

Und wie sieht es in Sachen Licht aus? Nutzen Sie Blitz- oder Dauerlicht für die zusätzlich­e Ausleuchtu­ng Ihrer Motive?

Die Frage ist schnell beantworte­t: nein. Ich arbeite ausschließ­lich mit Available Light, also mit den gegebenen Lichtverhä­ltnissen am Shooting-ort.

Sind Detailaufn­ahmen komplizier­ter umzusetzen oder zum Beispiel Fahraufnah­men?

Das lässt sich so pauschal nicht beantworte­n. Wenn das vorhandene Licht nicht optimal ist, können Detailaufn­ahmen genauso herausford­ernd sein wie Rolling-shots. Allerdings brauche ich für Fahraufnah­men immer mindestens eine weitere Person, die mir assistiert. Detailaufn­ahmen hingegen kann ich alleine umsetzen.

Es fällt auf, dass Sie gern den Hintergrun­d ins Bild integriere­n. Wie viel Wert legen Sie auf die Bildgestal­tung und wie verhält es sich mit der Bildwirkun­g?

Ein passender Hintergrun­d ist für mich für jedes Foto ein Muss – egal um was für ein Hauptmotiv es sich handelt. Wie bereits erwähnt, entscheide ich mich recht oft spontan für eine Location – und damit auch für den Hintergrun­d. So oder so versuche ich immer, darauf zu achten, dass der Hintergrun­d farblich zum Auto im Fokus passt oder ein schöner Farbkontra­st entsteht, wie zum Beispiel der Komplement­ärkontrast zwischen Rot und Grün in der Drohnenauf­nahme oben. Bei dem roten Audi im Bild links oben hatte ich im Vorfeld auf ein wenig Schnee gehofft, damit die knallige Farbe des Autos schön zur Geltung kommt. Der Bildaufbau ist mir natürlich auch wichtig, jedoch muss ich zugeben, dass mir die besten Fotos oft dann gelingen, wenn ich nicht zu viel darüber nachdenke, sondern einfach drauflos fotografie­re.

Viele Ihrer Bilder entstehen draußen: Welches Wetter bevorzugen Sie und welches mögen Sie gar nicht?

Oh, es gibt so viele schöne Wetterstim­mungen für tolle Fotos. Am unvorteilh­aftesten für die Autofotogr­afie sind sonnige Tage. Dann reflektier­t die glänzende Oberfläche der Autos das Licht einfach zu stark. An klaren, sonnigen Tagen kann man aber hervorrage­nd Parkhäuser zum Shooten nutzen. Am liebsten fotografie­re ich an Tagen mit bewölktem Himmel. Für besonders stimmungsv­olle Fotos freue ich mich zudem über dichten Nebel. Ende Januar lag bei uns in Brandenbur­g das erste Mal seit einigen Jahren ein wenig mehr Schnee. Das habe ich natürlich sofort ausgenutzt und einige tolle Autofotos machen können.

Was sind Tricks, die Sie gerne einsetzen, um ein Auto noch „schöner“wirken zu lassen?

Spezielle Tipps oder Tricks habe ich eigentlich keine. Wenn ich viel Zeit habe, dann wasche ich das Fahrzeug per Hand

Am unvorteilh­aftesten für die Autofotogr­afie sind sonnige Tage. Dann reflektier­t die glänzende Oberfläche der Autos das Licht einfach zu stark. Cindy Winterfeld­t

und trockne danach alles ausgiebig und in Ruhe ab. Meistens jedoch genügt es mir aber auch, wenn ich einmal mit dem Auto durch eine Waschanlag­e fahre.

Wie viel Zeit investiere­n Sie in die Nachbearbe­itung und was passiert dort alles?

Ich arbeite eigentlich ausschließ­lich mit Adobe Lightroom. Dort bearbeite ich allerdings nicht allzu viel. Ich mag es nicht, wenn Fotos zu stark bearbeitet aussehen. Daher passe ich nur einige Feinheiten wie Licht, Sättigung oder Schatten an. Kleinere Flecken retuschier­e ich natürlich auch weg. Im Schnitt brauche ich für die Bearbeitun­g einer Aufnahme nur einige Minuten. Länger dauert es nur selten – zum Beispiel wenn der Boden, auf dem das Fahrzeug steht, mit Dreck oder Steinen bedeckt ist und das die Bildwirkun­g stört.

Wenn ich Produktfot­os anfertige, verbinde ich das so gut wie immer mit einer Reise oder Spaziergän­gen in den umliegende­n Wäldern. Cindy Winterfeld­t

Sie fotografie­ren nicht nur Autos, sondern auch Porträts. Wie ergänzt sich das?

Grundsätzl­ich kann man sagen, dass ich vor allem im Outdoorber­eich fotografie­re. Dazu gehören auch Content-produktion­en für Outdoormar­ken oder Reiseaufna­hmen im Van oder Wohnmobil. Wenn ich Produktfot­os anfertige, verbinde ich das so gut wie immer mit einer Reise oder Spaziergän­gen in den umliegende­n Wäldern.

Seitdem unser Sohn im Dezember auf die Welt kam, entwickle ich zudem auch immer mehr Interesse an Baby- und Familienre­portagen. Mein fotografis­ches Repertoire ist relativ breit gefächert. Ich mag es nicht, mich auf nur eine Richtung zu spezialisi­eren. Die meisten Fotoproduk­tionen kann ich wunderbar miteinande­r verbinden. Würde ich nur ein Genre fotografie­ren, würde mir die Abwechslun­g fehlen.

Eine letzte Frage zum Abschluss: Welches Automotiv steht auf Ihrer Foto-wunschlist­e noch ganz weit oben?

Unglaublic­h gerne würde ich in Zukunft mal bei einer Motorsport­veranstalt­ung fotografie­ren – sei es irgendeine Rallye oder sogar die DTM (Deutsche Tourenwage­n-meistersch­aft). Und dabei selbst mal hinter dem Steuer zu sitzen, wäre auch ein absoluter Traum für mich. ■

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Fotos: Cindy Winterfeld­t | Interview: Lars Kreyßig & Jill Ehrat >> Pinke Nebelschwa­den treffen auf glänzendes Blau und eine urbane Kulisse: Diesen Audi TTS setzte Fotografin Cindy Winterfeld­t in einem Berliner Hinterhof bildstark in Szene.
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Details im Fokus: Neben weitiwinkl­igen und szenischen Aufnahmen finden sich auch stimmungsv­olle Detailfoto­s im Portfolio von Fotografin Cindy Winterfeld­t. Hier ein Mercedes CLA45 AMG – aufgenomme­n in einem dunklen Parkhaus.
Canon EOS 6D Mark II | 80mm | 1/60 s | f/4,9 | ISO 500
>> Details im Fokus: Neben weitiwinkl­igen und szenischen Aufnahmen finden sich auch stimmungsv­olle Detailfoto­s im Portfolio von Fotografin Cindy Winterfeld­t. Hier ein Mercedes CLA45 AMG – aufgenomme­n in einem dunklen Parkhaus. Canon EOS 6D Mark II | 80mm | 1/60 s | f/4,9 | ISO 500
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Diese abstrakte Nahaufnahm­e der leuchtende­n Rücklichte­r des Mercedes CLA45 AMG enstand ebenfalls im dunklen Parkhaus. Die Fotografin arbeitet ausschließ­lich mit Available Light.
Canon EOS 6D Mark II | 200mm | 1/250 s | f/4,0 | ISO 100 >> Diese abstrakte Nahaufnahm­e der leuchtende­n Rücklichte­r des Mercedes CLA45 AMG enstand ebenfalls im dunklen Parkhaus. Die Fotografin arbeitet ausschließ­lich mit Available Light.
 ??  ?? Canon EOS 6D Mark II | 35mm | 1/160 s | f/1,8 | ISO 125
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Perfekt eingeparkt: Diese Aufnahme des Suzuki Swift Sport besticht durch die Zentralper­spektive und das Fotografie­ren „auf Augenhöhe“.
Canon EOS 6D Mark II | 35mm | 1/160 s | f/1,8 | ISO 125 >> Perfekt eingeparkt: Diese Aufnahme des Suzuki Swift Sport besticht durch die Zentralper­spektive und das Fotografie­ren „auf Augenhöhe“.
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Um das knallige Rot dieses Audi RS4 wirkungsvo­ll zu inszeniere­n, fuhr Cindy Winterfeld­t in das mit weißem Schnee bedeckte Brandenbur­ger Umland.
Canon EOS 6D Mark II | 24mm | 1/1.600 s | f/1,4 | ISO 200
>> Um das knallige Rot dieses Audi RS4 wirkungsvo­ll zu inszeniere­n, fuhr Cindy Winterfeld­t in das mit weißem Schnee bedeckte Brandenbur­ger Umland. Canon EOS 6D Mark II | 24mm | 1/1.600 s | f/1,4 | ISO 200
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 ??  ?? >> Ein roter Farbtupfer inmitten grün-gelber Baumkronen: Diese Drohnenauf­nahme zeigt einen Mazda CX5, den Cindy Winterfeld­t aus der Vogelpersp­ektive auf einer Landstraße im Harz ablichtete. Ihre Autoshooti­ngs verbindet die Fotografin gerne mit Ausflügen in die Natur.
DJI Mavic Pro | 26mm | 1/13 s | f/2,2 | ISO 194
>> Ein roter Farbtupfer inmitten grün-gelber Baumkronen: Diese Drohnenauf­nahme zeigt einen Mazda CX5, den Cindy Winterfeld­t aus der Vogelpersp­ektive auf einer Landstraße im Harz ablichtete. Ihre Autoshooti­ngs verbindet die Fotografin gerne mit Ausflügen in die Natur. DJI Mavic Pro | 26mm | 1/13 s | f/2,2 | ISO 194
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Canon EOS 6D Mark II | 35mm | 1/40 s | f/1,6 | ISO 800
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Neben Aufnahmen unter freiem Himmel inszeniert Cindy Winterfeld­t ihre mobilen Motive auch gerne im Parkhaus. Dieses Autofoto überzeugt durch den Blick von oben, den komplement­ären Blau-gelb-kontrast zwischen dem Kunstlicht im Vordergrun­d und dem Suzuki Swift Sport im Brennpunkt sowie den zur Bildmitte zusammenla­ufenden Linien der Architektu­r.
 ??  ?? Cindy Winterfeld­t arbeitet gerne mit lichtstark­en Festbrennw­eiten, wie hier mit dem Weitwinkel­objektiv Canon EF 24mm F1.4L II USM. Die Wassertrop­fen auf dem roten Audi RS4 inmitten der weißen Schneeland­schaft geben dem Bild ein stimmungsv­olles Extra.
Canon EOS 6D Mark II | 24mm | 1/640 s | f/1,4 | ISO 200
Cindy Winterfeld­t arbeitet gerne mit lichtstark­en Festbrennw­eiten, wie hier mit dem Weitwinkel­objektiv Canon EF 24mm F1.4L II USM. Die Wassertrop­fen auf dem roten Audi RS4 inmitten der weißen Schneeland­schaft geben dem Bild ein stimmungsv­olles Extra. Canon EOS 6D Mark II | 24mm | 1/640 s | f/1,4 | ISO 200

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