Neu­an­fang: Ja. Re­vo­lu­ti­on? Eher nein.

Der Kampf um die Mer­kel-Nach­fol­ge hat CDU und Re­pu­blik auf­ge­weckt. Aber kein Kan­di­dat über­zeug­te rest­los – al­so könn­te Mer­kel vor­erst blei­ben

Donau Zeitung - - Meinung & Dialog - [email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Man muss sich die CDU ge­ra­de als ei­ne glück­li­che Par­tei vor­stel­len. Sie wirkt auf­ge­weckt, im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Noch vor we­ni­gen Mo­na­ten, in je­ner „blei­er­nen Zeit“(An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er), ge­nüg­te ei­ne Fra­ge, um al­le De­bat­ten über das En­de der Ära Mer­kel ver­stum­men zu las­sen: Wer soll es denn dann ma­chen?

Nun ist es so ge­kom­men, wie es in der Ge­schich­te im­mer kommt: Wenn ein Gro­ßer – oder in die­sem Fall ei­ne Gro­ße – ab­tritt, fol­gen ein­fach an­de­re. Dies­mal so­gar drei. Denn ganz gleich, wie man den par­tei­in­ter­nen Wahl­kampf der vo­ri­gen Wo­chen be­wer­tet: Ein Er­folg ist, dass sich al­le Kan­di­da­ten nicht des­avou­iert ha­ben. Kei­ner von ih­nen wür­de in der Uni­on – oder der Re­pu­blik – schlaf­lo­se Näch­te aus­lö­sen. Und nie­mand aus dem Trio wird die Par­tei so spal­ten, dass sie erst müh­sam wie­der zu­sam­men­wach­sen müss­te.

Al­ler­dings, das ist die Kehr­sei­te von so viel Ei­nig­keit: Rest­los über­zeugt hat auch nie­mand. Fried­rich Merz hat­te dar­auf am meis­ten ge­hofft, an­ge­sichts der ers­ten Eu­pho­rie nach sei­ner Rück­kehr. Doch di­ver­se Fehl­trit­te ha­ben sei­ner Be­wer­bung die Kraft zum Durch­marsch ge­raubt. Da­bei ist sei­ne Wirt­schafts­ver­gan­gen­heit das ge­rin­ge­re Pro­blem; zu­min­dest un­ter den CDU-De­le­gier­ten wird dies nicht ge­gen ihn ver­wen­det (auch wenn Be­den­ken über ei­ne „Ver­mit­tel­bar­keit“bei ei­ner Bun­des­tags­wahl durch­aus kur­sie­ren).

Schwe­rer wiegt ge­gen ihn der la­ten­te „Ge­ruch von ges­tern“– und die Kraft des Fak­ti­schen. Als Merz et­wa vor­schlug, die Uni­on sol­le kon­ser­va­ti­ve Po­si­tio­nen wie die Wehr­pflicht wie­der be­set­zen, muss­te er ein­räu­men: Ein­füh­ren wür­de auch er die­se nicht wie­der.

Merz könn­te es den­noch schaf­fen – Jens Spahn, der jun­ge Au­ßen­sei­ter, wird ihm al­ler Vor­aus­sicht nach im ers­ten Wahl­gang nicht all­zu vie­le Stim­men rau­ben. Und Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Kramp-Kar­ren­bau­er („AKK“) hat zwar Dis­tanz zu Mer­kel auf­ge­zeigt, et­wa in der Flücht­lings­po­li­tik. Aber rhe­to­risch konn­te sie nur sel­ten be­geis­tern.

Setzt Merz sich nur knapp durch (oder ge­lingt dies AKK doch), heißt dies aber: Es wird sich zwar We­sent­li­ches än­dern, His­to­ri­sches fast. Denn we­der die CDU noch die Re­pu­blik ha­ben je Ver­gleich­ba­res er­lebt. Mer­kel hat ja zwar nicht den so­for­ti­gen Rück­tritt er­klärt, aber ei­ne neue Kan­di­da­tur aus­ge­schlos­sen. Sie ist Kanz­le­rin auf Ab­ruf. Das gab es so noch nie.

Doch es wird sich ver­mut­lich nicht rasch al­les än­dern. Ein ge­ra­de so ge­wähl­ter Par­tei­chef Merz oder ei­ne hauch­dünn er­nann­te Par­tei­vor­sit­zen­de Kramp-Kar­ren­bau­er wer­den nicht im Tri­umph an Mer­kels Bü­ro­tür im Kanz­ler­amt rüt­teln kön­nen. Wahr­schein­li­cher ist, dass ein mehr oder we­ni­ger un­glei­ches Tan­dem erst ein­mal wei­ter­ra­deln wird. Ein Par­tei­chef Merz hät­te so Zeit, sich in die ak­tu­el­le Po­li­tik ein­zu­ar­bei­ten. Und Kramp­Kar­ren­bau­er könn­te so­gar in Ein­ver­neh­men mit Frau Mer­kel Auf­ga­ben­tei­lung prak­ti­zie­ren – hier ei­ne er­fah­re­ne Welt­kanz­le­rin, vor al­lem au­ßen­po­li­tisch im Ein­satz. Und dort ei­ne neue Par­tei­vor­sit­zen­de, wel­che die In­nen­po­li­tik auf­rollt und zur Kanz­ler­kan­di­da­tin reift.

Ob sich die an­de­ren Par­tei­en das ein­fach an­schau­en wer­den? Die ge­schun­de­ne SPD dürf­te in der Ko­ali­ti­on blei­ben, so­lan­ge es sie nicht zer­reißt. Und die CSU ist der Po­lit­kämp­fe zu Recht mü­de, sie kon­zen­triert sich ge­ra­de voll und ganz auf ih­re Er­neue­rung. Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der wür­de wohl mit Merz wie AKK gut zu­sam­men­ar­bei­ten – zu­mal dann die Par­tei­chefs von CSU und CDU bei­de nicht im Bun­des­ka­bi­nett sä­ßen.

Es herrsch­te al­so zu­nächst viel Har­mo­nie. Fragt sich nur, ob das auch de­nen reicht, die eher ei­ne Re­vo­lu­ti­on woll­ten.

Erst ein­mal gibt es wohl Har­mo­nie. Zu viel?

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