Von we­gen Bar­bie vom Land

Por­trät Wer Dol­ly Par­ton nur als Traum von Truck-Fah­rern sieht, un­ter­schätzt die Blon­di­ne. Eben hat die sin­gen­de Un­ter­neh­me­rin ein star­kes Al­bum her­aus­ge­bracht

Donau Zeitung - - Meinung & Dialog - All­ge­mei­ne Frank­fur­ter Ru­pert Hu­ber

Für deut­sche Mu­sik­kri­ti­ker war Dol­ly Par­ton meist ei­ne Blon­di­ne mit Ka­schem­men-Op­tik. Hau­fen­wei­se hoch­tou­pier­tes Haar, auf­ge­spritz­te Lip­pen, hoch ge­push­ter Bu­sen, eng ge­schnür­te Tail­le. Wie ei­ne Hin­ter­wäld­ler-Bar­bie­pup­pe für Truck-Fah­rer halt. Das stört Dol­ly Par­ton nicht, dar­um gibt sie in „Back­woods Bar­bie“zu, „zu­viel Ma­ke-up im Ge­sicht und zu­viel Haar auf dem Kopf“zu tra­gen. Als ei­ne der Kö­ni­gin­nen der Coun­try­mu­sik steht Dol­ly Par­ton aus Se­vier­vil­le, Ten­nes­see, lo­cker über den Kli­schees.

Mit ei­nem un­ge­heu­ren Selbst­be­wusst­sein zog sie in den spä­ten 60er Jah­ren als „Dumb Blon­de“(dum­mes Blond­chen) hin­aus in die Welt, raus aus der Schub­la­de. „Ich se­he aus wie ei­ne Frau und den­ke wie ein Mann“, hat die Sän­ge­rin ein­mal er­klärt. Die Rech­nung ging auf. Acht Gram­mys hat sie ein­ge­heimst, über 100 Mil­lio­nen Al­ben ver­kauft. Die­ser Ta­ge er­schien mit „Dum­plin‘“der Sound­track zu ei­nem auf Net­flix ver­trie­be­nen Film. Aber es ist ein rich­ti­ges Dol­ly-Al­bum ge­wor­den, nicht ei­nes, das als Hin­ter­grund­ge­plät­scher taugt. Neue Songs und mit Gast­stars der Coun­try- und Gos­pel­sze­ne ein­ge­spiel­te äl­te­re Num­mern de­mons­trie­ren die Viel­sei­tig­keit des Stars, der sei­nem Kul­t­hit „Jo­le­ne“ein Bal­la­den-Ar­ran­ge­ment ver­passt, das fern von jed­we­dem Strei­cher­kitsch rü­ber­kommt.

Mit 72 Jah­ren singt Dol­ly Par­ton nach Mei­nung ih­rer Kri­ti­ker noch im­mer wie ei­ne Maus mit Kau­gum­mi-Twang in der Stim­me, wäh­rend die „Klang­schön­heit und Si­cher­heit in je­dem Ar­ti­ku­la­ti­ons­de­tail“fest­stell­te. Wie auch im­mer, Dol­ly Par­ton hat als vier­tes von zwölf Kin­dern ih­re Wur­zeln nie ver­ges­sen. In „The Coat of Ma­ny Co­lours“er­zählt sie, wie stolz sie war auf den von ih­rer Mom aus Stoff­fet­zen zu­sam­men­ge­näh­ten Man­tel – auch wenn die an­de­ren Schul­kin­der sie da­für hän­sel­ten. Trotz ih­res Rie­sen­hits „I Will Al­ways Lo­ve You“, den Whit­ney Hous­ton im Film „Bo­dy­guard“sang, sind Par­ton die Kind­heits­ge­schich­ten aus der ar­men und doch ir­gend­wie gu­ten al­ten Zeit so wich­tig wie ihr Herz für Au­ßen­sei­ter. Das ge­hört auch dem Pum­mel­chen „Dum­plin‘“, der über­ge­wich­ti­gen Toch­ter ei­ner Ex-Schön­heits­kö­ni­gin. Das Si­zePlus-Mäd­chen stellt – wie Dol­ly – die Schön­heits-Stan­dards der Ge­sell­schaft in­fra­ge.

Dol­ly Par­ton kennt die Nö­te mi­lieu­ge­schä­dig­ter Kin­der. Dar­um stif­tet sie je­des Jahr Mil­lio­nen von Schul­bü­chern. Ne­ben der Mu­sik­Kar­rie­re hat die Un­ter­neh­me­rin in Ten­nes­see mit „Dol­ly­wood“ei­nen Frei­zeit­park auf­ge­baut. Dass sie, die seit 1966 mit dem ehe­ma­li­gen Bau­ar­bei­ter Carl De­an ver­hei­ra­tet ist, sich für die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe ein­setzt, hat Dol­ly Par­ton im US-„Bi­bel­gür­tel“Fein­de be­schert –, aber Li­be­ra­le be­ein­druckt.

Dass im Kör­per der Sän­ge­rin und Schau­spie­le­rin ne­ben den Brüs­ten wei­te­re Er­satz­tei­le ver­baut wur­den – na ja. Kri­tik an den Maß­nah­men kon­tert sie schlag­fer­tig: „Sie wür­den über­rascht sein, wie teu­er es ist, so bil­lig aus­zu­se­hen.“

Fo­to: dpa

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