Strobl für Ent­waff­nung von Ver­fas­sungs­fein­den

War­um der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche In­nen­mi­nis­ter das Waf­fen­recht für nicht scharf ge­nug hält

Donau Zeitung - - Politik - VON MICHA­EL SCHWARZ

Stutt­gart Wer Mit­glied ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on ist, die vom Ver­fas­sungs­schutz auf Bun­des- oder Lan­des­ebe­ne be­ob­ach­tet wird, soll künf­tig kon­se­quent ent­waff­net wer­den. Dies for­dert Ba­den-Würt­tem­bergs In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) und bringt da­zu ei­nen An­trag auf der Res­sort­mi­nis­ter­kon­fe­renz der Län­der ein, die ab dem heu­ti­gen Mitt­woch bis Frei­tag in Kiel statt­fin­det.

„Wir müs­sen al­les da­für tun, das Si­cher­heits­ri­si­ko so ge­ring wie mög­lich zu hal­ten“, er­klärt Strobl ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on. Des­halb müs­se man auch „die recht­li­che Grund­la­ge da­für schaf­fen, dass Per­so­nen, die Mit­glied ei­ner ver­fas­sungs­feind­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­on sind, au­to­ma­tisch, oh­ne Wenn und Aber, ent­waff­net wer­den, und zwar un­ab­hän­gig von der Qua­li­tät ih­rer Mit­glied­schaft in der je­wei­li­gen Ver­ei­ni­gung“, so der CDU-Po­li­ti­ker wei­ter. Ver­ab­schie­den die In­nen­mi­nis­ter der Län­der den An­trag aus Ba­den-Würt­tem­berg, könn­te dies in ei­ner Bun­des­rats­in­itia­ti­ve mün­den. Denk­bar wä­re auch, dass sich der für das Waf­fen­recht zu­stän­di­ge Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) der For­de­rung an­nimmt und ein Ge­setz ein­bringt, um für ei­ne neue Rechts­la­ge zu sor­gen. Im deut­schen Waf­fen­recht ist in Ar­ti­kel fünf ge­re­gelt, wer we­gen Un­zu­ver­läs­sig­keit kei­ne Waf­fen be­sit­zen darf. Dies be­zieht sich zu­nächst vor al­lem auf Mit­glie­der ver­bo­te­ner Ver­ei­ne und Par­tei­en. Strobl will hier ei­ne Ge­set­zes­ver­schär­fung. Er kri­ti­siert, dass Mit­glie­der ver­fas­sungs­feind­li­cher, aber nicht ver­bo­te­ner Or­ga­ni­sa­tio­nen nicht au­to­ma­tisch per Ge­setz als un­zu­ver­läs­sig ein­ge­stuft wür­den. Ih­nen müs­se der Staat erst ein „in­di­vi­du­ell zu­re­chen­ba­res, ak­ti­ves Un­ter­stüt­zen ver­fas­sungs­feind­li­cher Be­stre­bun­gen“nach­wei­sen. Auf der Ba­sis der Re­ge­lung kön­ne man bis­lang nur Funk­tio­nä­re ent­waff­nen. Genau die­sen Punkt will In­nen­mi­nis­ter Strobl än­dern. So sol­le er­reicht wer­den, dass al­len Mit­glie­der ver­fas­sungs­feind­li­cher Or­ga­ni­sa­tio­nen die Waf­fen ab­ge­nom­men wer­den kön­nen. In der Ver­gan­gen­heit gab es – vor al­lem auch in Bay­ern – im­mer wie­der Fäl­le, bei de­nen so- ge­nann­te Reichs­bür­ger, die die Bun­des­re­pu­blik nicht an­er­ken­nen, Schuss­waf­fen ein­setz­ten oder da­mit droh­ten.

Stro­bls Vor­stoß be­zieht sich auf ge­neh­mi­gungs­pflich­ti­ge, al­so schar­fe Schuss­waf­fen. Ei­ne Schreck­schuss­pis­to­le ge­hört hier­zu nicht. Setzt sich der CDU-Po­li­ti­ker durch, wä­re der Kreis von durch die Ver­schär­fung be­trof­fe­nen Ver­ei­ne und Or­ga­ni­sa­tio­nen groß. Al­lei­ne in Ba­den-Würt­tem­berg um­fasst das is­la­mis­ti­sche Po­ten­zi­al laut dem ak­tu­el­len Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 3860 Per­so­nen. Beim Rechts­ex­tre­mis­mus sind es 1700 Per­so­nen, beim Links­ex­tre­mis­mus 2950. Deutsch­land­weit ist es je­doch ein Pro­blem, dass kaum ge­naue­re In­for­ma­tio­nen dar­über vor­lie­gen, wie vie­le ge­walt­be­rei­te Ver­fas­sungs­fein­de tat­säch­lich ei­ne Waf­fe be­sit­zen. Die Si­cher­heits­be­hör­den

„Wir kön­nen nicht nur for­dern, dass kei­ne Waf­fen in die Hän­de von Ex­tre­mis­ten ge­lan­gen dür­fen. Wir müs­sen auch die Grund­la­ge da­für schaf­fen.“

In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl

ge­hen al­ler­dings da­von aus, dass ins­be­son­de­re An­hän­ger des ex­tre­men rech­ten po­li­ti­schen Spek­trum be­waff­net sind.

Der An­trag Stro­bls steht am Frei­tag auf der Ta­ges­ord­nung. Bis­lang ist be­kannt, dass er von Bay­ern un­ter­stützt wird. Strobl: „Wir kön­nen nicht nur for­dern, dass kei­ne Waf­fen in die Hän­de von Ex­tre­mis­ten ge­lan­gen dür­fen. Wir müs­sen auch die Grund­la­ge da­für schaf­fen.“

Fo­to: Fa­bi­an Som­mer, dpa

Der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) will sei­ne Amts­kol­le­gen für ei­ne Ver­schär­fung des Waf­fen­rechts ge­win­nen.

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