Stel­len Sie sich vor, es ist ein Un­fall, und kei­ner kommt hin

Auf der B 16 blo­ckier­ten am Frei­tag Au­to­fah­rer den Weg der Ret­tungs­kräf­te. Wie Po­li­zei und Feu­er­wehr re­agie­ren

Donau Zeitung - - Dillingen -

Lau­in­gen Als am Frei­tag zwei Au­tos auf der B16 bei Lau­in­gen in­ein­an­der­krach­ten und zwei Men­schen ver­letzt wur­den, ka­men die Hel­fer kaum zur Un­fall­stel­le. Die Au­to­fah­rer bil­de­ten kei­ne Ret­tungs­gas­se. Noch da­zu wen­de­ten ei­ni­ge von ih­nen, was den Ret­tungs­kräf­ten den Weg zu­sätz­lich er­schwer­te. Be­son­ders dreist war der Fah­rer ei­nes Wohn­wa­gen­ge­spanns, der laut Po­li­zei sei­nen An­hän­ger ab­kop­pel­te, um zu­erst sein Au­to zu wen­den und den Wohn­wa­gen an­schlie­ßend wie­der an­zu­hän­gen (wir be­rich­te­ten).

Lau­in­gens Kom­man­dant Mar­tin Kol­ler, der auf dem Weg zur Un­fall­stel­le von den Au­to­fah­rern blo­ckiert wur­de, är­gert sich. Im­mer­hin: „Bei uns pas­siert das Gott sei Dank nicht so häu­fig“, sagt er. Bei Un­fäl­len auf Land­stra­ßen staue sich der Ver­kehr we­ni­ger, und ei­ne Au­to­bahn gibt es im Land­kreis nicht. Auf der viel be­fah­re­nen B 16 kom­me es glück­li­cher­wei­se sel­te­ner zu Un­fäl­len als frü­her. Das macht ei­ne Si­tua­ti­on wie am Frei­tag je­doch nicht we­ni­ger är­ger­lich. „Wir sind ja be­müht, den Ver­kehr so schnell wie mög­lich auf­zu­lö­sen“, sagt Kol­ler. Je schnel­ler die Hel­fer da sind, des­to schnel­ler ist die Un­fall­stel­le ge­räumt und sind Um­lei­tun­gen ein­ge­rich­tet. Mal ganz da­von ab­ge­se­hen, dass im schlimms­ten Fall Ver­letz­te auf ei­nen Not­arzt war­ten und Zeit ver­lo­ren geht, die über Le­ben und Tod ent­schei­den kann. Kat­ha­ri­na von Rönn von der Dil­lin­ger Po­li­zei nennt das Ver­hal­ten der Au­to­fah­rer „ab­so­lut nicht nach­voll­zieh­bar“. Ver­letz­te, die auf der Fahr­bahn lie­gen und auf ei­nen Ret­tungs­dienst war­ten – weil an­de­ren Ver­kehrs­teil­neh­mern die Ge­duld fehlt. „Die den­ken da nicht nach.“Sie be­ob­ach­tet, dass Men­schen, die in so ei­ner Si­tua­ti­on im Stau ste­hen, im­mer we­ni­ger da­zu be­reit sind, das Rich­ti­ge zu tun: zu war­ten. Auch als die Stra­ße spä­ter noch ein­mal kurz ge­sperrt war, als die Un­fall­wa­gen ab­trans­por­tiert wur­den, wen­de­ten wie­der Au­to­fah­rer, um dem Stau zu ent­kom­men. Da­bei gilt: „Wen­den auf der Bun­des­stra­ße ist nicht er­laubt. Auch dann nicht, wenn die Au­tos ste­hen.“Kei­ne Ret­tungs­gas­se zu bil­den, kos­tet laut Buß­geld­ka­ta­log 200 Eu­ro, hin­zu kom­men zwei Punk­te. Wenn, wie es am Frei­tag der Fall war, Ret­tungs­kräf­te be­hin­dert wer­den, er­höht sich die Stra­fe auf 240 Eu­ro, zu den zwei Punk­ten kommt ein Mo­nat Fahr­ver­bot. Da­bei geht es nur um den Ver­stoß ge­gen die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung – ei­ne Nö­ti­gung nach­zu­wei­sen sei al­ler­dings meist schwer, so die Po­li­zis­tin. Die Au­to­fah­rer, die am Frei­tag den Weg blo­ckier­ten, kom­men wohl oh­ne Stra­fe da­von. Der Po­li­zei feh­len die Kenn­zei­chen der Blo­ckie­rer. Die Ein­satz­kräf­te küm­mern sich schließ­lich vor­ran­gig um die Ver­letz­ten und um die Un­fall­stel­le.

Fo­to: Ma­rio Obeser

Eh­ren­amt­li­che Hel­fer hat­ten am Frei­tag Pro­ble­me, zur Un­fall­stel­le auf der B16 zu ge­lan­gen.

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