Al­di und Lidl kämp­fen um je­den Kun­den

Ob am Stadt­rand oder in der In­nen­stadt: Die bei­den größ­ten deut­schen Dis­coun­ter er­öff­nen selbst in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft Lä­den. In Düsseldorf sind sie sich jetzt be­son­ders eng auf die Pel­le ge­rückt

Donau Zeitung - - Wirtschaft - Erich Rei­mann und Vol­ker Da­nisch, dpa

Düsseldorf Die Düs­sel­dor­fer Kö­nigs­al­lee ist ei­gent­lich kein Re­vier für Dis­coun­ter. Mit ih­ren Shops von Pra­da, Her­mes und Ar­ma­ni zielt sie eher auf Lu­xus­kon­su­men­ten. Doch seit Don­ners­tag schmückt sich nicht nur Al­di, son­dern auch der Ri­va­le Lidl mit ei­ner Fi­lia­le un­ter der re­nom­mier­ten Adres­se. Die Ge­schäf­te lie­gen in Sicht­wei­te – nur durch ei­ne Stra­ßen­kreu­zung ge­trennt. Der im­mer schär­fer wer­den­de Zwei­kampf der Dis­coun­ter wird hier deut­lich sicht­bar.

Für den Han­dels­ex­per­ten Mat­thi­as Qu­eck von Re­taily­tics, der Ana­lys­ten­grup­pe der Le­bens­mit­tel Zei­tung, hat die ei­ne Nach­bar­schaft der Dis­coun­ter auf der „Kö“durch­aus sym­bo­li­schen Wert: „Lidl rückt Al­di im­mer mehr auf die Pel­le“, sagt er. Seit Jah­ren ver­klei­nert der Dis­coun­ter aus Neckar­sulm Schritt für Schritt die Dis­tanz zum deut­schen Markt­füh­rer Al­di. Ge­kämpft wird mit Son­der­an­ge­bo­ten, aber auch mit star­ken Sprü­chen.

So reiz­te der Neckar­sul­mer Kon­zern kürz­lich den Ri­va­len mit Pla­ka­ten mit dem Mot­to: „Lidl lohnt sich. AL­DI an­de­ren sind teu­rer.“Al­di fei­er­te sich im Ge­gen­zug nur we­ni­ge Ta­ge spä­ter als der „Er­fin­der von güns­tig“. Bot­schaft: Lidl sei ei­gent­lich nur ein Nach­ah­mer.

Dis­count-Ket­ten ste­hen un­ter er­heb­li­chem Druck. Denn nach ei­ner Markt­ana­ly­se der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung ver­lo­ren die Bil­lig­an­bie­ter ins­ge­samt in den ers­ten sechs Mo­na­ten spür­bar Markt­an­tei­le an die gro­ßen Su­per­markt­ket­ten wie Ede­ka oder Rewe. Da­bei in­ves­tie­ren die Dis­coun­ter seit Jah­ren Mil­li­ar­den, um ih­re Ge­schäf­te at­trak­ti­ver zu ma­chen und mehr Kun­den an­zu­lo­cken. Wo einst Holz­pa­let­ten und kal­tes Ne­on­licht die Lä­den präg­ten, sor­gen jetzt auf­wen­di­ge Back­statio­nen, im­mer mehr Obst und Ge­mü­se und ei­ne im­mer groß­zü­gi­ge­re La­den­ge­stal­tung für ein an­ge­neh­mes Ein­kauf­sam­bi­en­te. Neu er­öff­ne­te Dis­coun­ter am Rand der Wohn­ge­bie­te ha­ben in­zwi­schen oft Ver­kaufs­flä­chen von 1200 Qua­drat­me­tern und mehr. Sie sind da­mit so groß wie klas­si­sche Su­per­märk­te. Gleich­zei­tig su­chen die Dis­coun­ter aber auch im­mer öf­ter nach neu­en Stand­or­ten in den In­nen­städ­ten wie an der Düs­sel­dor­fer „Kö“– und neh­men da­bei auch Ab­stri­che bei der La­den­grö­ße in Kauf. „Die Dis­coun­ter müs­sen da­hin geBei­de hen, wo die Kun­den sind“, er­klärt der Han­dels­ex­per­te Qu­eck die Ent­wick­lung. Schließ­lich sei der Trend zur Ur­ba­ni­sie­rung un­ter den jün­ge­ren Leu­ten un­ge­bro­chen. Und die sei­en die Zu­kunft auch für Al­di, Lidl und Co.

Erst im Fe­bru­ar er­öff­ne­te Lidl am Isar­tor in Mün­chen ei­ne Fi­lia­le mit ge­ra­de ein­mal 503 Qua­drat­me­tern. Den­noch mach­te die Neu­er­öff­nung in den Au­gen von Lidl Sinn. „Wenn wir na­he bei den Kun­den sein wol­len, müs­sen wir uns an­pas­sen“, be­ton­te ein Lidl-Ma­na­ger. Auch die neue Lidl-Fi­lia­le an der „Kö“hat nur rund 700 Qua­drat­me­ter.

At­trak­tiv ist für den Dis­coun­ter vor al­lem die ho­he Zahl an Kun­den: Die Fi­lia­le lie­ge ide­al, um sich im Vor­bei­ge­hen schnell mit fri­schem Obst und Ge­mü­se, Fer­tig­pro­duk­ten oder Wa­ren für den täg­li­chen Be­darf ein­zu­de­cken, heißt es bei Lidl. Und dass der Kon­kur­rent Al­di in di­rek­ter Nach­bar­schaft prä­sent sei, sei auch ein Vor­teil. „Mehr Händ­ler be­deu­ten eher, dass die An­zie­hungs­kraft die­ses Stand­or­tes ins­ge­samt noch wei­ter steigt.“

Die Fi­lia­len in den In­nen­städ­ten sind aber ei­ne Her­aus­for­de­rung für Al­di und Lidl, ist Qu­eck über­zeugt. Die Lä­den sei­en schwie­ri­ger zu be­kom­men, die Mie­ten eher hoch. Aus Sicht des Kun­den sind die Prei­se für die Wa­ren in den In­nen­stadt­lä­den bis­lang die glei­chen wie in den Fi­lia­len am Stadt­rand. Ob dies al­ler­dings auf Dau­er so bleibt, dar­an hat Han­dels­ex­per­te Qu­eck Zwei­fel.

„Mit­tel- oder lang­fris­tig könn­te das Ein­kau­fen in den In­nen­stadt­lä­den et­was teu­rer wer­den als in den Ge­schäf­ten auf der grü­nen Wie­se“, glaubt er. Al­di ha­be ein sol­ches Mo­dell im be­son­ders teu­ren Lon­don mit sei­nen „Al­di lo­cal“-Lä­den be­reits vor­ex­er­ziert.

Foto: Mar­tin Gerten, dpa

An der Düs­sel­dor­fer „Kö“ha­ben Al­di und Lidl in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft Lä­den er­öff­net.

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