Der Schmoll­mund der Na­ti­on

Bri­git­te Bar­dot galt als In­be­griff ei­nes ero­ti­schen Stars. Frech, frei, un­be­küm­mert. Nach ih­rem Rück­zug aus dem Film­ge­schäft wur­de die Pa­ri­se­rin vor al­lem un­be­quem und um­strit­ten

Donau Zeitung - - Panorama - VON RU­PERT HU­BER Neue Post

Augs­burg Sie war die sinn­lich-ver­spiel­te Fran­zö­sin mit kes­sem Schmoll­mund. Frech, frei und die fleisch­ge­wor­de­ne Atta­cke auf das Bür­ger­tum der 50er Jah­re. Das heißt, sie war es. Denn man darf die Frau mit den welt­be­rühm­ten Initia­len B.B. und ih­re se­xu­el­le Aus­strah­lung durch­aus in der Ver­gan­gen­heit an­sie­deln, auch wenn sie an die­sem Sams­tag ih­ren 85. Ge­burts­tag fei­ert.

Als In­be­griff ei­nes ero­ti­schen Stars sei ihr Le­ben „grau­en­er­re­gend ge­we­sen, ein Mar­ty­ri­um“, er­in­nert sich die Bar­dot selbst in ih­rer Bio­gra­fie „Trä­nen des Kamp­fes“. Dar­um wohl hat sie sich 1973, kei­ne 40 Jah­re alt, auch aus dem Film­ge­schäft zu­rück­ge­zo­gen.

Und sie hat ihr Ver­spre­chen wahr ge­macht, das sie in ei­nem In­ter­view gab: „Ich wer­de mein gan­zes Le­ben lang sa­gen, was ich den­ke, ob das ge­fällt oder nicht.“Und da gab es ei­ni­ges, was nicht nur die Fran­zo­sen auf die Pal­me brach­te.

Kom­pro­miss­los wid­me­te sich Bri­git­te Bar­dot dem Kampf ge­gen Tier­ver­su­che, die Rob­ben­jagd und das ri­tu­el­le Schäch­ten von Tie­ren. Ihr Ein­satz für den Tier­schutz hat

Was drau­ßen auf dem Kotz­hü­gel pas­siert, ist das ei­ne. Bun­te aber in­ter­es­siert sich auf der Wiesn für das an­de­re. „Aus dem Maß­krug schäumt die Lie­be“, gluckst das Pro­mi­blatt und ba­det re­gel­recht in Bier und Ge­füh­len. „Hier braucht kei­ner ei­ne Da­ting-App. Übe­r­all wird ge­lacht, ge­flir­tet, ge­küsst – mit teils nach­hal­ti­gem Er­folg.“Nach­hal­ti­ger Er­folg? Was im­mer das ist: Nach­hal­tig­keit steht ja sehr, sehr hoch im Kurs! Und ist gut nicht nur für das zwi­schen­mensch­li­che Kli­ma, son­dern eben auch fürs Welt­kli­ma. Bun­te steht ge­rührt in Zel­ten: „Jetzt spru­deln die Ge­füh­le, al­les kann, nichts muss.“

Al­les kann? Fin­det über­haupt nicht. Das Blatt mo­kiert sich über „Ger­ma­ny’s Next Top-Zot­tel“, des­sen Steck­brief so schon lan­ge ei­nen Grad von Ver­bis­sen­heit er­reicht, der die al­ten Fans ab­schreckt.

Mit har­ten Atta­cken griff sie zu­dem il­le­ga­le Ein­wan­de­rer an, die die Kir­chen in „Sau­stäl­le“ver­wan­deln wür­den, so­wie Mus­li­me und Ho­mo­se­xu­el­le. Mehr­mals stand sie we­gen An­stif­tung zum Ras­sen­hass vor Ge­richt, muss­te Buß­gel­der zah­len. Als Sym­pa­thi­san­tin des rechts­po­pu­lis­ti­schen Front Na­tio­nal rief Bar­dot 2012 zur Wahl von Ma­ri­ne Le Pen („ei­ne be­wun­derns­wer­te Frau“) auf. Ins rech­te po­li­ti­sche Fahr­was­ser war die Bar­dot ge­ra­ten, als sie 1992 Ber­nard d‘Or­ma­le hei­ra­te­te, ei­nen Ge­folgs­mann von Je­an-Ma­rie Le Pen, Va­ter von Ma­ri­ne Le Pen.

Mit ei­ner ei­ge­nen Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on ver­folgt sie von Pa­ris aus ih­re Zie­le. Doch kei­nen Ort ver­bin­det man so sehr mit B.B. wie St. Tro­pez. Was na­tür­lich mit dem Film „Und im­mer lockt das Weib“zu tun hat, in dem sie sich nackt im Sand rekelt. Re­gis­seur Ro­ger Va­dim, der ihr ers­ter Ehe­mann war, ließ da­rin sei­nen ero­ti­schen Fan­ta­si­en frei­en Lauf. Den schwü­len Mam­bo, den Bri­git­te hier tanzt, kom­men­tier­te die Schrift­stel­le­rin Si­mo­ne de Be­au­voir: „Selbst ein Hei­li­ger wür­de dem Teu­fel sei­ne See­le ver­kau­fen, um sie tan­zen zu se­hen.“Sorg­los und un­be­küm­mert wie sie ih­re Film­rol­len an­ging, war sie auch bei der Wahl ih­rer Män­ner.

1959 hei­ra­te­te B.B. den Schau­spie­ler Jac­ques Char­ri­er, Va­ter ih­res Soh­nes Ni­co­las-Jac­ques, der 1960 ge­bo­ren wur­de. Für Auf­se­hen in deut­schen Bou­le­vard-Me­di­en sorg­te ih­re Ehe mit dem Play­boy Gun­ter Sachs, der Ro­sen auf das Lie­bes­nest in St. Tro­pez reg­nen ließ. Wel­che Frau träumt nicht von ei­ner sol­chen Ges­te? Wich­ti­ger als ih­re Fil­me wie „Das Gän­se­blüm­chen wird ent­blät­tert“war al­ler­dings ih­re ju­gend­lich­nai­ve Aus­strah­lungs­kraft.

Noch heu­te kom­men Tou­ris­ten nach St. Tro­pez, um ei­ne al­te Frau zu se­hen, die mal ei­ner der be­gehr­tes­ten Film­stars war. Bri­git­te Bar­dot lebt dort mit ih­ren Vier­bei­nern, die sie aus Tier­hei­men und Zir­kus­sen holt. Gan­ze Ge­ne­ra­tio­nen kön­nen sich beim An­blick ih­res in­zwi­schen ver­härm­ten, ver­bit­ter­ten Ge­sichts die Fas­zi­na­ti­on nicht vor­stel­len, die einst von der lo­cken­den Blon­di­ne aus­ging. Schö­ner kann man die Bar­dot, als sie jung war, nicht be­schrei­ben als der Dreh­buch­au­tor Mar­cel Achard: „Der ein­zi­ge Vamp der Welt, der der klei­nen Cou­si­ne gleicht, in die man ein­mal ver­liebt war. Et­was Un­ge­wis­ses in der Hal­tung und et­was sehr Ge­wis­ses in den Hüf­ten. Das Haar ei­ner Me­li­san­de, das Ge­sicht ei­ner Ko­lom­bi­ne.“

Die Jun­gen bei uns in der Schu­le dach­ten da prag­ma­ti­scher. Plötz­lich hat­ten sich die Mäd­chen in en­ge Je­ans ge­zwängt, an den Fü­ßen tru­gen sie Bal­le­ri­nas und das blon­de Haar war hoch­tou­piert. Die Äl­te­ren un­ter uns ent­zück­te die Mi­schung aus raf­fi­nier­ter Un­schuld und pro­vo­zie­ren­der Sinn­lich­keit. Auch wenn die Mä­dels mit nicht im­mer glück­lich wat­tier­ten BHs an den Schul­go­ckeln vor­bei stol­zier­ten, stell­ten die fach­kun­dig fest: „Schau mal, die kommt aus Spitz­ber­gen.“Und Schuld war B.B.

Die de­mons­triert neu­er­dings mit den „Gelb­wes­ten“ge­gen die So­zi­alund Wirt­schafts­po­li­tik des fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Em­ma­nu­el Ma­cron. Das Geld des Staa­tes wer­de „sinn­los aus­ge­ge­ben, für Rei­sen von Po­li­ti­kern in Pri­vat­flug­zeu­gen“, wäh­rend an­de­re kei­nen Eu­ro mehr hät­ten. Sie bleibt eben ih­rem Mot­to treu, dass sie sagt, was sie denkt. Egal, ob das ih­ren Kri­ti­kern passt oder nicht.

Fo­tos: UPI, dpa (2); Eric Fe­fer­berg, dpa

„Der ein­zi­ge Vamp der Welt, der der klei­nen Cou­si­ne gleicht, in die man ein­mal ver­liebt war. Et­was Un­ge­wis­ses in der Hal­tung und et­was sehr Ge­wis­ses in den Hüf­ten“– so wur­de Bri­git­te Bar­dot ein­mal be­schrie­ben.

Heu­te ist Bar­dot we­gen ih­rer po­li­ti­schen Aus­sa­gen höchst um­strit­ten.

Ih­re Ehe mit Play­boy Gun­ter Sachs sorg­te in den 60ern für Schlag­zei­len.

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