Ja zu „drei ge­gen drei“– aber nur im Trai­ning

Im Kreis Do­nau ste­hen bei Klein­feld­teams in die­ser Sai­son wei­ter je­weils sechs Spie­ler und ein Tor­wart auf dem Platz. Die noch um­strit­te­ne Va­ri­an­te „Fu­ni­no“soll bei ei­nem Tur­nier ge­tes­tet wer­den. Was Spiel­grup­pen- und Ju­gend­lei­ter sa­gen

Donau Zeitung - - Sport Vor Ort - VON GÜN­THER HER­DIN (sie­he In­fo­kas­ten

Vor ein paar Jah­ren führ­te der ehe­ma­li­ge DFB-Nach­wuchs­ver­ant­wort­li­che Mat­thi­as Sam­mer die Fair-Play-Li­ga oh­ne Schieds­rich­ter ein. Seit­dem wer­den von den G- bis zu den F-Ju­nio­ren Spie­le oh­ne Schi­ri ab­sol­viert. In die­ser Sai­son woll­te der Baye­ri­sche Fuß­ball-Ver­band (BFV) ei­gent­lich die Richt­li­ni­en zum Klein­feld­fuß­ball er­neut än­dern und da­bei ge­ne­rell den Tor­wart ab­schaf­fen. Da­mit der Nach­wuchs bes­ser das Drib­beln lernt, und al­le Kin­der beim so­ge­nann­ten „Fu­ni­no“auf al­len Po­si­tio­nen zum Ein­satz kommt, soll­ten ab den U 9-Ju­nio­ren ab­wärts nur noch Mi­ni-To­re, wie man sie ge­mein­hin zum „Käst­le­bolz“ver­wen­det (1,2 x 0,8 Me­ter), auf­ge­stellt wer­den. Die Em­pö­rung über die­sen ge­plan­ten ra­di­ka­len Ein­schnitt war vie­ler­orts groß. Bei Do­nau-Kreis­ju­gend­lei­ter Hol­ger Ar­delt (Thannhause­n) stand im Früh­jahr das Te­le­fon nicht mehr still: „Auf­schreie gab es mehr als ge­nü­gend. Ich konn­te aber al­le wie­der be­ru­hi­gen.“Denn der BFV re­agier­te auf die Pro­tes­te und will das aus Spa­ni­en im­por­tier­te Kon­zept nun aus­drück­lich nur als Wahl­mög­lich­keit ver­stan­den wis­sen. „Die neu­en Spiel­for­men er­set­zen kei­nes­falls die ak­tu­el­le Spiel­form. Ver­ei­ne kön­nen beim sie­ben ge­gen sie­ben mit Tor­wart blei­ben oder die neu­en Spiel­for­men für sich aus­zu­pro­bie­ren und eta­blie­ren“, hieß es in der Pres­se­mit­tei­lung.

Die Kurz­form beim „Fu­ni­no“lau­tet: Spiel­feld, To­re und Mann­schaf­ten wer­den klei­ner, wach­sen dann aber je nach Jahr­gang wie­der mit. Bei­spiel: In der G-Ju­gend (Bam­bi­ni) spie­len drei ge­gen drei, oh­ne Tor­wart, auf ins­ge­samt vier Mini­to­re. Nach je­dem Tor, spä­tes­tens aber nach zwei Mi­nu­ten, wird aus­ge­wech­selt. Ei­ne Li­ga gibt es nicht mehr, statt­des­sen sol­len an Spiel­ta­gen Tur­nie­re statt­fin­den.

Dass der BFV die et­was an­de­re Spiel­form le­dig­lich als Wahl­mög­lich­keit ver­stan­den wis­sen möch­te, er­klärt auch der in Dil­lin­gen le­ben­de Spiel­lei­ter der E- und F-Ju­gend im Kreis Do­nau, Kris Stei­ber. Der 37-Jäh­ri­ge konn­te den Pro­test der Ver­ei­ne frei­lich nicht so rich­tig nach­voll­zie­hen. „Vie­le ha­ben of­fen­bar die Richt­li­ni­en nur ober­fläch­lich durch­ge­le­sen“. Bei ei­ner ge­nau­en Be­trach­tung hät­ten die Funk­tio­nä­re fest­stel­len müs­sen, dass die neue Spiel­form kei­nes­falls die ak­tu­el­le ver­drän­gen soll, son­dern die Ver­ei­ne die freie Wahl ha­ben, beim „sie­ben ge­gen sie­ben“mit Tor­wart zu blei­ben, oder die neue Spiel­form „Fu­ni­no“, al­so „drei ge­gen drei“ein­fach aus­zu­pro­bie­ren und zu eta­blie­ren. Hin­ter Fu­ni­no un­ten) steckt die Idee, vor al­lem den klei­nen Ki­ckern mehr Ge­le­gen­heit zum Spie­len zu ge­ben. Sie sol­len mehr Spiel­zeit und Ball­kon­tak­te be­kom­men, mehr in­di­vi­du­ell mit dem Ball ar­bei­ten und frei auf dem Spiel­feld agie­ren kön­nen. Stei­ber, der ne­ben sei­ner Tä­tig­keit beim BFV auch als Ju­gend­lei­ter beim FC Gun­del­fin­gen tä­tig ist, be­jaht per­sön­lich die Va­ri­an­te „Fu­ni­no“, doch die­se müs­se auf Frei­wil­lig­keit ba­sie­ren. In der lau­fen­den Sai­son spie­len im Kreis Do­nau noch al­le Grup­pen nach den bis­he­ri­gen Richt­li­ni­en, al­so „sie­ben ge­gen sie­ben“.

Um Spie­lern, Übungs­lei­tern, Be­treu­ern und Zu­schau­ern die an­de­re Art des Klein­feld­fuß­balls zu de­mons­trie­ren, plant der Kreis Do­nau laut Stei­ber wo­mög­lich noch in die­sem Herbst, spä­tes­tens aber im kom­men­den Früh­jahr, ein Vor­füh­rungs­tur­nier mit sechs bis acht Mann­schaf­ten. Stei­ber ist zu­ver­sicht­lich, dass er da­für ge­nü­gend Teams fin­den wird.

Nicht viel von Be­geg­nun­gen im of­fi­zi­el­len Spiel­be­trieb mit „drei ge­gen drei“hält Wer­ner May­ers­ho­fer, Ju­gend­lei­ter beim TSV Un­terthür­heim. „Wenn Ver­ei­ne ge­nü­gend Kin­der ha­ben, ist es ver­nünf­ti­ger, auf nor­ma­le To­re mit Tor­wart und ‘sie­ben ge­gen sie­ben‘ zu spie­len“, plä­diert er für die bis­he­ri­gen Richt­li­ni­en. Bei ei­ner De­mons­tra­ti­on von „Fu­ni­no“am Ju­gend-Stütz­punkt in Rain konn­ten sich May­ers­ho­fer und an­de­re Be­treu­er sei­nes Ver­eins nicht für das Spiel auf ei­nem klei­ne­ren Spiel­feld und auf To­re oh­ne Tor­wart er­wär­men. Im Trai­ning sei die­se Spiel­form je­doch ei­ne gu­te Übungs­ein­heit, wel­che die Kin­der vor­an­brin­ge. Beim TSV Un­terthür­heim, der in Ko­ope­ra­ti­on mit dem SV Wor­tel­stet­ten die­se Sai­son zwei F- und zwei E-Ju­gend­teams im Spiel­be­trieb hat, wer­de viel Wert dar­auf ge­legt, dass auch schwä­che­re Spie­ler Ein­satz­zei­ten er­hal­ten. Dies sei bei „sie­ben ge­gen sie­ben“leich­ter zu ver­wirk­li­chen als bei „drei ge­gen drei“. „Fu­ni­no“, so May­ers­ho­fer ab­schlie­ßend, sei eher für Ver­ei­ne in Städ­ten ge­eig­net, nicht aber für klei­ne­re Klubs wie Un­terthür­heim oder Wor­tel­stet­ten, die auf ge­nü­gend Spie­ler in den un­te­ren Al­ters­klas­sen zu­rück­grei­fen kön­nen.

Et­was dif­fe­ren­zier­ter sieht Ju­gend­lei­ter De­nis Dres­sel vom TSV Bis­sin­gen das The­ma „Fu­ni­no“. Für Ver­ei­ne, die ei­nen vor­über­ge­hen­den Spie­ler­man­gel be­kla­gen, sei die Va­ri­an­te „drei ge­gen drei“durch­aus ei­ne tem­po­rä­re Al­ter­na­ti­ve. Er ver­gleicht die Si­tua­ti­on mit dem Flex­mo­dell im Se­nio­ren­be­reich, wo Mann­schaf­ten die Mög­lich­kei­ten ha­ben, bei ge­rin­ge­rem Per­so­nal ein Spiel mit nur neun statt mit elf Mann zu be­strei­ten. Beim TSV Bis­sin­gen, so Dres­sel, sei man froh, dass im Kreis Do­nau das Mo­dell „Fu­ni­no“nicht als Pflicht­spiel­be­trieb ein­ge­führt wor­den ist, son­dern es bei der G- und F-Ju­gend bei Du­el­len „sie­ben ge­gen sie­ben“ge­blie­ben ist. Doch wie in Un­terthür­heim und Wor­tel­stet­ten wird auch im Kes­sel­tal im Trai­ning flei­ßig bei Spiel­chen mit „drei ge­gen drei“ge­übt. Da­mit die vie­len Fuß­ball­knirp­se ja ge­nü­gend Ball­kon­tak­te ha­ben.

Ar­chiv­fo­to: Axel Schmidt

So se­hen die Fu­ni­no-To­re aus, auf die drei ge­gen drei ge­spielt wird. Im Fuß­ball-Kreis Do­nau wird die Spiel­form „Fu­ni­no“in die­ser Sai­son noch nicht ein­ge­führt. Sie soll lang­sam wach­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.