Im­mer tap­fer lä­cheln

Wäh­rend der Wo­che fer­tigt der Meis­ter Tot­ten­ham ab, im ei­ge­nen Sta­di­on gibt es aber ei­ne 1:2-Plei­te ge­gen Hof­fen­heim. Der Wiesn-Be­such ge­rät da­mit zur läs­ti­gen Pflicht

Donau Zeitung - - Sport - VON FLO­RI­AN EI­SE­LE

Mün­chen Es schien al­les per­fekt an­ge­rich­tet für den FC Bay­ern: Nach der Stern­stun­de ge­gen Tot­ten­ham un­ter der Wo­che soll­te am Sams­tag mal eben schnell der Au­ßen­sei­ter aus Hof­fen­heim in der hei­mi­schen Are­na ab­ge­fer­tigt wer­den, be­vor es am Sonn­tag auf die Wiesn ging. Dass die TSG, die bis da­to nur fünf Punk­te ge­holt hat­te und zwei der jüngs­ten drei Spie­le mit 0:3 ver­lo­ren hat­te, nur ein et­was bes­se­rer Spar­rings­part­ner sein wür­de, be­zwei­fel­te nie­mand so rich­tig – auch wenn Bay­ern-Trai­ner Ni­ko Ko­vac noch fast fle­hent­lich drum ge­be­ten hat­te, den Geg­ner doch bit­te­schön ernst zu neh­men. Die War­nun­gen des Trai­ners ver­hall­ten of­fen­bar un­ge­hört: Der Cham­pi­on FC Bay­ern stürz­te über den Au­ßen­sei­ter aus Hof­fen­heim – und der ob­li­ga­to­ri­sche Be­such auf dem Ok­to­ber­fest ge­riet da­mit zur läs­ti­gen Pflicht­ver­an­stal­tung. Ni­ko Ko­vac ließ sich zwar mit Ha­san Sa­lih­a­mid­zic und Karl-Heinz Rum­me­nig­ge ab­lich­ten, der Un­mut über die Bla­ma­ge am Sams­tag war dem Coach aber deut­lich an­zu­mer­ken.

Bei der 1:2-Nie­der­la­ge mach­te sich ei­ner ei­nen Na­men, den eben­falls kei­ner auf der Rech­nung hat­te: Sar­gis Ada­myan traf dop­pelt und dü­pier­te bei sei­nen Tref­fern die Bay­ern-Ab­wehr. Der zwi­schen­zeit­li­che Aus­gleich durch Le­wan­dow­ski wur­de zur Rand­no­tiz: Es war der 16. Tref­fer des Po­len im 17. Spiel ge­gen TSG-Kee­per Oli­ver Bau­mann. Dass Jé­rô­me Boateng sich von Ada­myan zwei­mal tun­neln ließ, ob­wohl sein Tor­wart Ma­nu­el Neu­er ihn schon nach dem ers­ten Ge­gen­tref­fer ge­be­ten hat­te, die Bei­ne zu schlie­ßen, passt zum Vor­wurf, den sich die Bay­ern ma­chen las­sen müs­sen: Sie schie­nen den Geg­ner nicht ernst ge­nom­men zu ha­ben.

Neu­er selbst wi­der­sprach die­ser Sicht­wei­se am Sky-Mi­kro: „Die Mo­ti­va­ti­on war da, sie war die gan­ze Wo­che über da.“Et­was an­ders sah die Sa­che der Bay­ern-Sport­di­rek­tor Ha­san Sa­lih­a­mid­zic. In der Mi­xed Zo­ne nach dem Spiel be­ton­te der 42-Jäh­ri­ge: „Von Be­ginn an ha­ben es nicht ge­schafft, viel­leicht auch die rich­ti­ge Ein­stel­lung zu brin­gen.“Dass man nun mit ei­ner Nie­der­la­ge in die Län­der­spiel­pau­se ge­he, tue weh, so Sa­lih­a­mid­zic. Weil Mön­chen­glad­bach am Sonn­tag das Spiel ge­gen den FC Augs­burg ge­wann, ist der FC Bay­ern mitt­ler­wei­le auch die Ta­bel­len­füh­rung los.

Für Ni­ko Ko­vac be­deu­te­te die über­ra­schen­de Nie­der­la­ge das En­de ei­ner ver­eins­in­ter­nen Re­kord­jagd: Wä­re die Par­tie ge­gen die TSG nicht ver­lo­ren ge­gan­gen, wä­re es das 21. Bun­des­li­ga­spiel in Fol­ge ge­we­sen, das der FC Bay­ern un­ge­schla­gen be­en­det hät­te. Da­mit wä­re Ko­vac mit dem von der Ver­eins­füh­rung un­gleich hö­her ge­schätz­ten Pep Guar­dio­la gleich­ge­zo­gen, der eben­falls 21 Spie­le lang un­ge­schla­gen blieb. Ge­gen den FC Augs­burg hät­te sich Ko­vac so­gar die al­lei­ni­ge Re­kord­mar­ke ho­len kön­nen. Hät­te.

Statt­des­sen gab es schon kurz vor dem Spiel­be­ginn ei­ne bit­te­re Nach­richt aus der me­di­zi­ni­schen Ab­tei­lung des Re­kord­meis­ters: Da­vid Ala­ba fällt mit ei­nem Haar­riss im Rip­pen­be­reich auf un­be­stimm­te Zeit aus, er­lit­ten hat der Ös­ter­rei­cher die­se Ver­let­zung ge­gen Tot­ten­ham. Weil Lu­cas Hernán­dez Schmer­zen in sei­nem ope­rier­ten Knie ver­spürt, fällt auch der zwei­te Links­ver­tei­di­ger mit Welt­klas­se­for­mat aus. Ge­gen Hof­fen­heim spiel­te Pa­vard links hin­ten. Gut mög­lich, dass Ko­vac noch öf­ter im­pro­vi­sie­ren muss. Är­ger droht zu­dem, wenn Hernán­dez ge­gen den Wil­len der Bay­ern zur Na­tio­nal­elf rei­sen muss.

Die Per­so­nal­sor­gen tru­gen nicht da­zu bei, die Stim­mung von Ko­vac zu he­ben – am meis­ten är­ger­te den Kroa­ten aber die Nie­der­la­ge, wie er be­ton­te: „Ich hät­te mir mehr Ent­schlos­sen­heit er­war­tet.“Hat­te Ko­wir vac zu­letzt noch freu­dig be­tont, wel­chen Ent­wick­lungs­sprung sei­ne Mann­schaft hin­ge­legt hat­te, kommt die un­nö­ti­ge Nie­der­la­ge ge­gen bie­de­re Hof­fen­hei­mer ei­nem hef­ti­gen Sys­tem­ab­sturz gleich. Die­se Nie­der­la­ge wird in der Län­der­spiel­pau­se wie ein bit­te­rer Nach­ge­schmack am FC Bay­ern haf­ten – das weiß auch Trai­ner Ko­vac, der be­ton­te: „Der letz­te Ein­druck ist im­mer der, der bleibt. Wir kön­nen uns nichts da­für kau­fen, was in Lon­don war.“

Bay­ern Mün­chen Neu­er – Kim­mich, Sü­le, Boateng, Pa­vard – Thia­go, To­lis­so (60. Pe­ri­sic) - Co­man (60. Mül­ler), Phil­ip­pe Cou­tin­ho, Gn­ab­ry – Le­wan­dow­ski

Hof­fen­heim Bau­mann – Posch, Ak­po­gu­ma, B. Hüb­ner, Skov – Gril­litsch (67. Nordtveit) – Ka­de­ra­bek (62. Sta­fy­li­dis), Ru­dy, Gei­ger, Be­bou – Ada­myan (81. Bi­cak­cic) To­re: 0:1, 1:2 Ada­myan (54., 79.), 1:1 Le­wan­dow­ski (73.), Zu­schau­er 75 000 Schieds­rich­ter Sti­e­ler

Foto: Ste­fan Matz­ke, Pau­la­ner

Es gab schon Zei­ten, in de­nen beim FC Bay­ern lei­den­schaft­li­cher ge­fei­ert wur­de. Am Tag nach der Nie­der­la­ge muss­ten Sport­di­rek­tor Ha­san Sa­lih­a­mid­zic, Trai­ner Ni­ko Ko­vac und Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge im Bier­zelt die Maß­krü­ge stem­men. Rich­tig zum Fei­ern zu­mu­te scheint Ko­vac aber nicht zu sein.

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