Ar­me noch är­mer

Un­ter­schie­de bei den Ein­kom­men er­rei­chen ei­nen neu­en Höchst­stand

Donau Zeitung - - Politik -

Düsseldorf Trotz gu­ter Kon­junk­tur und der güns­ti­gen La­ge auf dem Ar­beits­markt: Die Sche­re zwi­schen den Wohl­ha­ben­den und den un­te­ren Ein­kom­mens­grup­pen hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren noch wei­ter ge­öff­net. Fest­ge­stellt ha­ben das Ex­per­ten der Hans-Böck­ler-Stif­tung in ei­ner ak­tu­el­len Stu­die. Die Un­gleich­heit bei den Ein­kom­men hät­te ei­nen neu­en Höchst­stand er­reicht. Dies sei ein „Ar­muts­zeug­nis für Deutsch­land“.

Zwar wach­se die Un­gleich­heit ak­tu­ell deut­lich lang­sa­mer als noch zu Be­ginn des Jahr­tau­sends, sag­te Ex­per­tin Do­ro­thee Sp­an­na­gel vom Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tut (WSI) der ge­werk­schafts­na­hen Stif­tung, das die Stu­die er­ar­bei­tet hat. Und die Ent­wick­lung un­ter­mi­nie­re auch nicht mehr so stark die Po­si­ti­on der Haus­hal­te mit mitt­le­ren Ein­kom­men. Doch die Lü­cke zwi­schen den ganz Ar­men und den ganz Rei­chen wer­de im­mer grö­ßer.

„Im­mer mehr Ein­kom­men kon­zen­triert sich bei den sehr Rei­chen“, heißt es in der Stu­die. Denn die ho­hen Ein­kom­mens­grup­pen pro­fi­tier­ten wei­ter von den spru­deln­den Ka­pi­tal- und Un­ter­neh­mens­ein­kom­men. Da­ge­gen sei­en die 40 Pro­zent der Haus­hal­te, die mit den ge­rings­ten Ein­kom­men aus­kom­men müs­sen, wei­ter zu­rück­ge­fal­len – und das auch im Ver­gleich zur so­ge­nann­ten ge­sell­schaft­li­chen Mit­te, die von der gu­ten Ar­beits­markt­la­ge und spür­ba­ren Lohn­stei­ge­run­gen pro­fi­tiert ha­be.

„Im­mer mehr Men­schen sind von Ar­mut be­trof­fen“, be­tont die Stu­die. Die Zahl der Haus­hal­te, die we­ni­ger als 60 Pro­zent des mitt­le­ren Ein­kom­mens zur Ver­fü­gung ha­be und des­halb nach gän­gi­ger wis­sen­schaft­li­cher De­fi­ni­ti­on als arm gel­te, sei zwi­schen 2010 und 2016 von 14,2 auf 16,7 Pro­zent ge­wach­sen.

Den Haus­hal­ten un­ter­halb der Ar­muts­gren­ze ge­he es da­bei im­mer schlech­ter. Die Ar­muts­lü­cke – al­so der Be­trag, der dem durch­schnitt­li­chen ar­men Haus­halt fehlt, um über

Das un­ters­te Zehn­tel hat so­gar Geld ver­lo­ren

die 60-Pro­zent-Hür­de zu kom­men – sei be­trächt­lich grö­ßer ge­wor­den. Lag der Fehl­be­trag 2005 noch bei 2873 Eu­ro im Jahr, so er­reich­te er 2016 in­fla­ti­ons­be­rei­nigt schon 3452 Eu­ro – ei­ne Stei­ge­rung um fast 30 Pro­zent.

Ei­ner der stärks­ten Trei­ber der Ent­wick­lung sei die zu­neh­men­de Sprei­zung der Löh­ne. Ei­ne wach­sen­de Be­völ­ke­rungs­grup­pe am un­te­ren Rand ha­be den An­schluss an die Lohn­stei­ge­run­gen in der Mit­te der Ge­sell­schaft ver­lo­ren. Die un­ters­ten zehn Pro­zent der Haus­hal­te im Ein­kom­mens­ran­king hät­ten 2016 nach Ab­zug der In­fla­ti­on so­gar we­ni­ger Ein­kom­men ge­habt als 2010, stell­ten die For­scher fest.

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