Ge­mein­sam ge­gen Hass im Netz

Bay­erns Me­di­en und Jus­tiz ko­ope­rie­ren

Donau Zeitung - - Bayern - VON HEN­RY STERN

Mün­chen Ob Leug­nung des Ho­lo­caust, Hass ge­gen Min­der­hei­ten oder Ge­walt­fan­ta­si­en ge­gen Frau­en: Bay­erns Jus­tiz und Bay­erns Me­di­en wol­len künf­tig en­ger zu­sam­men­ar­bei­ten, um Hass-Kom­men­ta­ren und Het­ze im In­ter­net ent­ge­gen­zu­tre­ten. CSU-Jus­tiz­mi­nis­ter Ge­org Ei­sen­reich und der Prä­si­dent der Baye­ri­schen Lan­des­zen­tra­le für neue Me­di­en (BLM), Sieg­fried Schnei­der, ha­ben da­zu am Mon­tag die Initia­ti­ve „Jus­tiz und Me­di­en – kon­se­quent ge­gen Hass“ge­star­tet.

Sie un­ter­zeich­ne­ten ei­nen Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag, der von mehr als 60 baye­ri­schen Me­di­en­häu­sern un­ter­stützt wird – dar­un­ter die Me­di­en­grup­pe Pres­se­druck, in der un­ter an­de­rem die Augs­bur­ger All­ge­mei­ne mit ih­ren Hei­mat­zei­tun­gen er­scheint, so­wie die All­gäu­er Zei­tung.

Kern­stück der Ver­ein­ba­rung ist ein ver­ein­fach­tes Ver­fah­ren, mit dem Me­di­en straf­recht­lich re­le­van­te In­hal­te in den Kom­men­tar-Funk­tio­nen ih­rer In­ter­net-Sei­ten, aber auch auf ei­ge­nen Sei­ten in so­zia­len Me­di­en an die Staats­an­walt­schaft wei­ter­lei­ten kön­nen. Statt wie bis­her schrift­lich un­ter Bei­fü­gung von Da­ten­trä­gern An­zei­ge zu er­stat­ten, kön­nen Hass-Pos­tings un­mit­tel­bar über ein On­line-For­mu­lar an ei­ne zen­tra­le Spe­zi­al­ab­tei­lung der Staats­an­walt­schaft in Mün­chen über­mit­telt wer­den.

„Wir müs­sen der Ver­ro­hung in der Dis­kus­si­ons­kul­tur ent­ge­gen­tre­ten“, for­der­te Mi­nis­ter Ei­sen­reich: „Denn Hass im Netz kann schnell zu rea­ler Ge­walt wer­den.“Schon bis­lang hät­ten Me­di­en recht­lich frag­wür­di­ge In­hal­te in ih­ren Kom­men­tar-Spal­ten ge­löscht. Al­len Sei­ten sei aber klar, dass dies nicht aus­rei­che. In der Initia­ti­ve sieht er „ein kla­res Si­gnal an die Ge­sell­schaft“, dass das In­ter­net kein rechts­frei­er Raum ist. „Hass-Kom­men­ta­re sind

Jus­tiz­mi­nis­ter: Ver­ro­hung der Dis­kus­si­ons­kul­tur

kein Ka­va­liers­de­likt“, be­ton­te auch BLM-Chef Schnei­der. Im ver­meint­li­chen Schutz der An­ony­mi­tät des In­ter­nets sei­en Be­lei­di­gun­gen, Dif­fa­mie­run­gen und Be­dro­hun­gen all­täg­lich. „Die Tä­ter müs­sen kon­se­quent ver­folgt wer­den“, for­der­te er. Die Durch­set­zung des gel­ten­den Straf­rechts be­schrän­ke kei­nes­falls ge­sell­schaft­li­che De­bat­ten, füg­te er hin­zu: „Im Ge­gen­teil: Es schützt die Mei­nungs­frei­heit.“

„Bis­her fehl­te uns ein kla­rer An­sprech­part­ner und ein prak­ti­ka­bles Ver­fah­ren zur recht­li­chen Ahn­dung“, er­klär­te Mar­kus B. Rick, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­bands Baye­ri­scher Zei­tungs­ver­le­ger. Bay­erns Zei­tungs­häu­ser hät­ten die Initia­ti­ve des­halb von An­fang an aus vol­ler Über­zeu­gung un­ter­stützt. „Der Kampf ge­gen Hass im Netz ist ei­ne ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be, der sich die Zei­tun­gen in be­son­de­rer Wei­se ver­pflich­tet füh­len“, so Rick.

Er hof­fe, dass das neue An­ge­bot nun re­ge an­ge­nom­men wird, sag­te der zu­stän­di­ge Münch­ner Ober­staats­an­walt Hans Korn­probst. Zwar sei die Ver­fol­gung von „Ha­te­Speech“auch we­gen un­zu­rei­chen­der Ko­ope­ra­ti­on der In­ter­net-Kon­zer­ne oft schwie­rig: „Das ist aber kein Grund, nicht zu ver­fol­gen.“Drei Staats­an­wäl­te aus der Ab­tei­lung für po­li­tisch mo­ti­vier­te Straf­ta­ten stün­den nun für die recht­li­che Prü­fung der Me­di­en-An­zei­gen zur Ver­fü­gung. Er hof­fe zu­dem auf ei­ne vor­beu­gen­de Wir­kung, „die Men­schen da­von ab­hält, sich im In­ter­net straf­bar zu äu­ßern“.

Im Land­tag sag­ten der­weil die Grü­nen mit ei­ge­nen Vor­schlä­gen dem Hass im Netz den Kampf an: So for­der­ten sie für al­le Be­trof­fe­nen staat­li­che Hil­fe et­wa durch leicht er­reich­ba­re An­sprech­part­ner bei Po­li­zei und Jus­tiz.

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