Der Bes­te al­ler Zei­ten. Vor­erst.

Donau Zeitung - - Sport - VON TILMANN MEHL [email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Die Fried­hö­fe der Welt sind voll von Leu­ten, die sich für un­ent­behr­lich hal­ten. Je­der ist er­setz­bar. Nichts ist für die Ewig­keit. Das gilt im Be­son­de­ren für den Sport. Ihm ist es zu Ei­gen, dass Re­kor­de in un­re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den ge­bro­chen wer­den. Ei­ne Best­mar­ke ist im­mer nur ei­ne Mo­ment­auf­nah­me – auch wenn sie im Kleid der Unend­lich­keit auf­tritt.

Für Su­per­la­ti­ve al­ler Art sind vor al­lem Bo­xer und Fuß­bal­ler be­kannt. Wer sei­nem Ge­gen­über ger­ne die Faust ans Kinn na­gelt, ist auch nicht zim­per­lich, wenn es um das Her­aus­stel­len der ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten geht. Als „Der Größ­te al­ler Zei­ten“lie­ßen sich oh­ne gro­ße Wi­der­re­de schon un­ter an­de­rem Mu­ham­mad Ali, Mi­ke Ty­son und Floyd May­wea­ther be­ti­teln.

Kei­ne fal­sche Be­schei­den­heit auch bei den Ki­ckern des FC Ar­senal. Sie fir­mie­ren in En­g­land als „The In­vin­ci­bles“, al­so: Die Un­be­sieg­ba­ren. Weil sie ei­ne Sai­son lang in der Li­ga un­ge­schla­gen blie­ben. Da­für ver­lo­ren sie das Fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague. Un­be­zwing­bar­keit ist dann doch eher re­la­ti­ver Na­tur. Un­auf­fäl­lig ha­ben sich hin­ge­gen bis­lang die Schach­spie­ler ge­zeigt. Be­schei­den­heit ist von je­her kein Aus­druck von Dumm­heit. Kaum ein Schach­spie­ler, der prot­zend sei­ne Elo-Zahl auf Ins­ta­gram pos­tet. Oder, der in Vi­de­os groß­mäu­lig sei­nen nächs­ten

Geg­ner ver­höhnt und ihm droht, sein Maul mit ei­nem Bau­ern­op­fer zu stop­fen.

Dass Welt­meis­ter Magnus Carl­sen trotz­dem als bes­ter Spie­ler in der Ge­schich­te sei­nes Sports gilt, liegt auch an ei­ner nun auf­ge­stell­ten Best­mar­ke. Der Nor­we­ger ab­sol­vier­te un­längst sei­ne 101. Par­tie in Fol­ge, oh­ne das Brett als Ver­lie­rer zu ver­las­sen. Das gab es auf die­sem Ni­veau noch nie. Letzt­mals muss­te er im Ju­li des ver­gan­ge­nen Jah­res ei­nem Geg­ner zum Sieg gratuliere­n.

Bo­xer kön­nen ei­nen miss­ra­te­nen Kampf durch ei­nen Lu­cky Punch ret­ten. Fuß­bal­ler ge­win­nen auch mal, weil der Ball ei­ne glück­li­che Li­ai­son mit dem Pfos­ten ein­geht. Schach hat mit Glück und Pech we­nig zu tun. Magnus Carl­sen ist schlicht der Bes­te al­ler Zei­ten. Bis ein Bes­se­rer kommt.

Fo­to: dpa

Welt­meis­ter und Dau­er­sie­ger: Schach­spie­ler Magnus Carl­sen

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