„Wich­tig sind ge­naue und rich­ti­ge An­ga­ben“

Wer Bafög be­an­tra­gen will, muss sich be­ei­len. Denn je­der Mo­nat be­deu­tet ba­res Geld. Ein Ex­per­te er­klärt, was jetzt für Stu­den­ten wich­tig ist und wie sich Ne­ben­jobs aus­wir­ken kön­nen

Donau Zeitung - - Geld & Leben - In­ter­view: Tan­ja Schuh­bau­er

Zum Stu­di­en­be­ginn ist viel Pa­pier­kram zu er­le­di­gen: Wo­mit fan­ge ich an? Und was kann war­ten?

Ma­ri­us Zie­gen­bein: Wer jetzt sein Stu­di­um be­ginnt und für Ok­to­ber noch Bafög er­hal­ten will, muss bis 31. Ok­to­ber sei­nen An­trag ein­ge­reicht ha­ben. An­dern­falls wird für Ok­to­ber kei­ne För­de­rung ge­zahlt. Das Bafög-Amt braucht bis zu vier Mo­na­te, bis der An­trag be­ar­bei­tet ist. Es gibt na­tür­lich Aus­nah­men und Här­te­fäl­le, bei de­nen die Be­ar­bei­tung noch län­ger dau­ern kann. Bafög gibt es frü­hes­tens ab dem Mo­nat, in dem der An­trag ge­stellt wur­de. Zü­gig ab­schlie­ßen soll­te man auch ei­nen Miet­ver­trag. Ich war selbst lan­ge Pend­ler. Das hat mich in mei­nen ers­ten bei­den Se­mes­tern je­den Tag drei St­un­den Zeit ge­kos­tet, die mir für das Ler­nen ge­fehlt ha­ben. Was in der Re­gel war­ten kann, ist ei­ne ei­ge­ne Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung, da man als Stu­dent meis­tens erst mal bei den El­tern mit­ver­si­chert bleibt. Auch die Steu­er­er­klä­rung ist erst zum Jah­res­en­de fäl­lig. Not­falls kann ich sie nach­rei­chen.

Lohnt sich der Stress mit dem BafögAn­trag, wenn viel­leicht nur ein klei­ner Be­trag raus­kommt?

Zie­gen­bein: Auf je­den Fall. Selbst wenn man nur 20 Eu­ro im Mo­nat be­kom­men wür­de, hat man – wenn man al­lei­ne wohnt – auch die GEZGe­büh­ren­be­frei­ung mit da­bei. Das macht dann noch mal 20 Eu­ro im Mo­nat aus. Hoch­ge­rech­net auf sechs Se­mes­ter kommt schon ein Be­trag zu­sam­men. Wich­tig ist beim Bafög-An­trag, ge­naue und rich­ti­ge An­ga­ben zu ma­chen. Gibt man zu we­nig Ein­kom­men an, kann es pas­sie­ren, dass man Rück­zah­lun­gen leis­ten muss, die ei­nen hart tref­fen.

Wie auf­wen­dig ist ein Bafög-An­trag? Zie­gen­bein: Für den Erst­an­trag muss man drei bis vier St­un­den op­fern. Aber wenn der fer­tig ist und die Vor­la­ge ab­ge­spei­chert, ist das in den Fol­ge­jah­ren nur noch ei­ne Sa­che von 45 Mi­nu­ten. Dann müs­sen nur we­ni­ge An­ga­ben wie Be­wil­li­gungs­zeit­räu­me, Ein­kom­men und Ver­mö­gen an­ge­passt wer­den. Zu­sam­men mit der Im­ma­tri­ku­la­ti­ons­be­schei­ni­gung kann der An­trag dann di­rekt wie­der ab­ge­ge­ben wer­den.

Gibt das Bafög-Amt Hin­wei­se, wie gut die Chan­cen ste­hen, be­vor ich den An­trag stel­le?

Zie­gen­bein: Mei­ne Er­fah­rung ist: Wenn man per­sön­lich zum BafögAmt geht, die per­sön­li­che Si­tua­ti­on kurz er­klärt und freund­lich nach­fragt, be­kommt man oft ei­ne gro­be Ein­schät­zung. Wenn aber je­mand rup­pig an­kommt und fragt: „Wie viel krie­ge ich?“, dann kann sein, dass die Ant­wort auch un­be­frie­di­gend aus­fällt. Al­so: nett sein, freund­lich sein und per­sön­lich vor­stel­len.

In­wie­fern er­leich­tern Bafög-Ser­vice­an­bie­ter wie „Dei­neStu­di­en­fi­nan­zie­rung“den Start?

Zie­gen­bein: Sol­che Ser­vice­an­bie­ter kön­nen prak­tisch sein, weil dem Kun­den di­rekt ge­sagt wird, wel­che Un­ter­la­gen noch feh­len. Die­se Ser­vice­an­bie­ter über­set­zen den klas­si­schen Bafög-An­trag auch in ei­ne ein­fa­che­re Spra­che. Das kann hilf­reich sein, wenn man frisch von der Schu­le kommt und sich zum ers­ten Mal mit der Be­hör­den­spra­che ei­nes Bafög-An­trags aus­ein­an­der­set­zen muss. Aber wer mal drei St­un­den in­ves­tiert und die Fra­gen sorg­fäl­tig durch­liest, der kann sich den Ser­vice spa­ren. Ein Bafög-An­trag ist ver­ständ­lich ge­nug, dass man ihn selbst stel­len kann.

Und was ma­che ich, wenn mich der gan­ze Pa­pier­kram über­for­dert? Zie­gen­bein: Im Prin­zip hilft im­mer: fra­gen, fra­gen, fra­gen – und um Hil­fe bit­ten. Vie­le Unis ha­ben psy­cho­so­zia­le Be­ra­tungs­stel­len, die ge­nau die­sen Stress der Stu­den­ten ken­nen und gut be­ra­ten kön­nen. Mit Fra­gen zum Bafög kann ich di­rekt zum Bafög-Amt ge­hen. Was pas­siert im schlimms­ten Fall, wenn ich das al­les schlei­fen las­se? Zie­gen­bein: Wer sehr we­nig Zeit hat oder kom­plett über­for­dert ist, kann bis spä­tes­tens 31. Ok­to­ber we­nigs­tens ei­nen form­lo­sen An­trag ab­ge­ben (https://www.ba­fo­eg-ak­tu­ell.de/ ba­fo­eg/an­trag-form­los.html). Das ist nur ei­ne Sei­te, die aus­ge­füllt wer­den muss. Da­mit muss das Amt dann nach­träg­lich für Ok­to­ber Geld aus­zah­len, auch wenn der kom­plet­te An­trag erst spä­ter ab­ge­ge­ben wird. Au­ßer­dem gibt es Al­ter­na­ti­ven wie den Bil­dungs- und Stu­di­en­kre­dit und das Bafög-Voll­dar­le­hen, ei­ne Teil­zeit­be­schäf­ti­gung, das Wohn­geld und für man­che si­cher­lich auch das Sti­pen­di­um. Ei­nen Stu­di­en­ab­bruch we­gen Geld­not soll­ten sich die we­nigs­ten in den Kopf set­zen.

Wie gut sind Bafög-Rech­ner im Netz? Zie­gen­bein: Die sind teil­wei­se schon rea­lis­tisch. Nur se­he ich den Sinn dar­in nicht, weil ein Stu­dent da­für ein bis zwei St­un­den im In­ter­net ver­brin­gen muss. In die­ser Zeit ha­be ich ja schon die Hälf­te ei­nes ech­ten An­trags aus­ge­füllt und be­kom­me dann auch ei­ne ech­te Ant­wort.

Was muss ein Stu­dent be­ach­ten, wenn er ne­ben­bei job­ben möch­te? Zie­gen­bein: Wer Bafög er­hält, muss dar­auf ach­ten, we­ni­ger als 450 Eu­ro im Mo­nat (5400 Eu­ro im Jahr) zu ver­die­nen, da an­sons­ten Tei­le des Bafögs wie­der ge­stri­chen wer­den. Au­ßer­dem dür­fen 20 Ar­beits­stun­den pro Wo­che nicht über­schrit­ten wer­den, weil man an­sons­ten so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig wird und nicht mehr als Voll­zeit­stu­dent gilt. Beim Sti­pen­di­um ist das ge­nau­so, weil sich Sti­pen­dia­ten ja ganz dem Stu­di­um wid­men soll­ten, wenn sie die­se Leis­tun­gen er­hal­ten. Was to­le­riert wird, ist zu­sätz­li­che eh­ren­amt­li­che Ar­beit. Das Stu­di­um gilt auch dann noch als vor­ran­gig, wenn man nur in den Se­mes­ter­fe­ri­en voll ar­bei­tet.

Gilt der Min­dest­lohn auch für Stu­den­ten, Prak­ti­kan­ten und Werk­stu­den­ten?

Zie­gen­bein: Der der­zei­ti­ge Min­dest­lohn von 9,19 Eu­ro pro St­un­de gilt für 450-Eu­ro-Jobs und Werk­stu­den­ten­tä­tig­kei­ten glei­cher­ma­ßen, nicht aber für Prak­ti­ka. Wenn je­mand al­so ein Pflicht­prak­ti­kum im Rah­men des Stu­di­ums macht oder ein Ori­en­tie­rungs­prak­ti­kum von ei­ner Dau­er bis zu drei Mo­na­ten, gibt es kei­nen An­spruch auf Min­dest­lohn.

Wie mi­ni­mie­re ich GEZ-Ge­büh­ren? Zie­gen­bein: Wer Bafög be­kommt, er­hält ein For­mu­lar, das zur GEZ ge­schickt wer­den muss. Da­mit sind Bafög-Emp­fän­ger von der GEZ kom­plett be­freit. Das Pro­blem ist: Wenn ich als Bafög-Emp­fän­ger in ei­ner WG woh­ne, mei­ne an­de­ren Mit­be­woh­ner aber kein Bafög er­hal­ten, muss die WG als Gan­zes trotz­dem GEZ-Ge­büh­ren zah­len. Es lohnt sich al­so nur dann, wenn al­le WG-Be­woh­ner Bafög er­hal­ten oder man al­lei­ne wohnt. Mi­ni­mie­ren ist eher in Aus­nah­me­fäl­len mög­lich, zum Bei­spiel bei ei­ner Be­hin­de­rung oder Schwan­ger­schaft.

Fo­to: Ad­o­beS­tock

Das erst­ma­li­ge Aus­fül­len des Bafög-An­tra­ges kos­tet viel Zeit. Drei bis vier St­un­den müs­sen in­ves­tiert wer­den, sagt der Ex­per­te. Aber auch schon 20 Eu­ro Bafög im Mo­nat er­ge­ben im Lau­fe ei­nes Stu­di­ums zu­sam­men ei­nen statt­li­chen Be­trag.

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