Mein Kind isst ganz fürch­ter­lich

Donau Zeitung - - Wochenend Journal - ERZIEHUNGS­TIPPS AUS DEM FA­MI­LI­EN-ALL­TAG Re­gi­na, An­ge­stell­te, zwei Söh­ne (16 und 22) und ei­ne Toch­ter (27)

Lin­ker Arm un­term Tisch, Kinn knapp über Tel­ler­hö­he, die Ga­bel als Schau­fel und dann los! Es gibt welt­weit ganz un­ter­schied­li­che Wei­sen zu spei­sen, die Ih­res Kin­des aber gilt ver­mut­lich we­der in Pa­pua-Neu­gui­nea noch in Grön­land als fein. Was al­so tun, wenn beim Es­sen Schnel­lig­keits­re­kor­de ge­bro­chen wer­den, die Hal­tung der ei­nes Rü­cken­kran­ken ent­spricht und beim Kau­en auch das Gau­men­zäpf­chen zu se­hen ist? Den Raum ver­las­sen, es mit Spä­ßen ver­su­chen, von der Groß­mut­ter er­zäh­len, de­ren Haa­re noch am Stuhl fest­ge­bun­den wur­den? Auf­ge­ben? Wie brin­ge ich mei­nem Kind Ma­nie­ren bei?

Wir ha­ben ih­nen al­les er­klärt! Mehr­fach! Sie wis­sen es al­so… Ich hal­te das wie mit den Kla­mot­ten. Es gibt An­läs­se, da kommt man an gu­tem Be­neh­men nicht vor­bei. Und es gibt Si­tua­tio­nen, da sind wir mal lo­cker. An ei­nem Tag saß ich mit mei­ner jüngs­ten Toch­ter und zwei gro­ßen Schüs­seln Spa­ghet­ti im Bett und schau­te Har­ry Pot­ter. Wun­der­bar! Am nächs­ten Tag kam ih­re Freun­din und prak­ti­zier­te die für mich ty­pisch ame­ri­ka­ni­sche Ess­wei­se: Al­les vor­schnei­den, Ga­bel um­grei­fen, El­len­bo­gen auf den Tisch und mit der Rech­ten rein­schau­feln – mei­ne Toch­ter saß dar­auf­hin plötz­lich ker­zen­ge­ra­de, tupf­te sich vor dem Trin­ken den Mund ab – fast schon pein­lich! Al­les gut. Andrea, Un­ter­neh­me­rin, drei Töch­ter (19, 20 und 22)

Ich se­he das ent­spannt. So­lan­ge der Mund beim Kau­en zu ist, darf der El­len­bo­gen auf den Tisch – zu­min­dest zu Hau­se. Ich fin­de es viel wich­ti­ger, dass wir uns am Tisch un­ter­hal­ten und die Zeit ge­mein­sam nut­zen. Da will ich nicht stän­dig er­mah­nen. Es­sen soll Spaß ma­chen. Kürz­lich bei ei­nem Fest hat­te ein Fünf­jäh­ri­ger to­tal or­dent­lich ge­ges­sen. Ich fand es zwar ir­gend­wie toll, aber auch to­tal un­na­tür­lich. Ich je­den­falls schä­me mich nicht für mein Kind, auch wenn es ein­fach rein­schau­felt. Dann schmeckt es! Hei­ke, Mar­ke­ting­as­sis­ten­tin, ein Sohn (5) Ich bie­te re­gel­mä­ßig an, dass wir ei­nen Stall an­bau­en und mein jüngs­ter Sohn dann ger­ne da sein Es­sen zu sich neh­men kann. Ab­ge­se­hen da­von: Nur nie nach­las­sen! Stän­dig kor­ri­gie­ren! An­dro­hen, dass das Es­sen weg­ge­nom­men wird, der Fern­se­her aus­bleibt, das Han­dy Pau­se ma­chen muss. Bit­te nicht auf­ge­ben! Es macht mich fer­tig, wenn schlaue und net­te Kin­der bei mir beim Es­sen fast auf dem Tisch lie­gen.

Auch Ih­nen brennt ei­ne Er­zie­hungs­fra­ge auf den Nä­geln? Dann schrei­ben Sie uns an Fa­mi­[email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de. Die Ko­lum­ne wird be­treut von den Re­dak­teu­rin­nen Do­ris Weg­ner und Ste­fa­nie Wir­sching, bei­de Müt­ter, und Au­to­rin­nen des Bu­ches „Su­per­müt­ter“(er­hält­lich bei den Ser­vice-Part­nern un­se­rer

Zei­tung).

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