Sie al­le sa­ßen schon in Sta­del­heim

Seit 125 Jah­ren ver­bü­ßen Häft­lin­ge in Bay­erns größ­ter Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt ih­re Stra­fen. Ei­ni­ge pro­mi­nen­te In­sas­sen und ih­re Ge­schich­ten

Donau Zeitung - - Bayern - VON MICHAEL BÖHM

Mün­chen Ge­burts­ta­ge im Ge­fäng­nis ha­ben in der Re­gel et­was Trau­ri­ges an sich, ist der Ort der Fei­er­lich­keit doch zu­meist nicht ganz frei­wil­lig ge­wählt. Et­was an­ders ge­la­gert war da kürz­lich die Fei­er­lich­keit in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Sta­del­heim – ge­fei­ert wur­de näm­lich de­ren ei­ge­ner „Ge­burts­tag“. Seit 125 Jah­ren gibt es Bay­erns größ­ten Knast (Platz für mehr als 1400 Ge­fan­ge­ne) nun schon. Ob das tat­säch­lich ein Grund zum Fei­ern ist, dar­über lässt sich strei­ten – ist al­lein die Exis­tenz des Ju­bi­lars doch ein un­trüg­li­ches Zei­chen da­für, dass in un­se­rer Ge­sell­schaft ei­ni­ges schief läuft. Da pass­te es ir­gend­wie ins Bild, dass ein Frau­en­mör­der den Fest­got­tes­dienst an der Or­gel be­glei­te­te. Es ist nur ei­ne von vie­len Ge­schich­ten, die es über „St. Adel­heim“, wie die An­stalt ger­ne auch ge­nannt wird, zu er­zäh­len gibt. Da­zu kom­men die Ge­schich­ten der In­sas­sen – hier ei­ni­ge pro­mi­nen­te Bei­spie­le:

● Hans & So­phie Scholl Zu trau­ri­ger Be­rühmt­heit ge­lang­te das auf dem ehe­ma­li­gen Gut Sta­del­heim er­rich­te­te Ge­fäng­nis ins­be­son­de­re in der Zeit der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten: Mehr als 1000 Ge­fan­ge­ne wur­den zwi­schen 1933 und 1945 dort hin­ge­rich­tet. Dar­un­ter die Mit­glie­der der Wi­der­stands­grup­pe Wei­ße Ro­se, Hans und So­phie Scholl. Die Ge­schwis­ter wur­den am 22. Fe­bru­ar 1943 ent­haup­tet. Kurz vor sei­ner Hin­rich­tung hat­te Hans Scholl mit ei­nem Blei­stift noch ein Zi­tat von Jo­hann Wolf­gang von Goe­the an die Wand sei­ner Zel­le ge­schrie­ben: „Al­len Ge­wal­ten zum Trutz sich er­hal­ten.“

● Adolf Hit­ler Gut zehn Jah­re vor­her hat­te auch schon der Mann in Sta­del­heim ge­ses­sen, ge­gen den die Ge­schwis­ter Scholl an­kämpf­ten. Nach­dem er mit ei­ni­gen An­hän­gern ei­ne Ver­an­stal­tung des Bay­ern­bunds im Münch­ner Lö­wen­bräu­kel­ler ge­stürmt hat­te, wur­de Hit­ler zu ei­ner ein­hun­dert­tä­gi­gen Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt. Ei­nen Mo­nat da­von saß er in Sta­del­heim ab: in Zel­le Num­mer 70, in der vor ihm schon der Grün­der des Frei­staa­tes Bay­ern, Kurt Eis­ner, so­wie nach ihm der eins­ti­ge SA-Füh­rer Ernst Röhm in­haf­tiert wa­ren.

● John Dem­jan­juk Als ei­ner der letz­ten NS-Kriegs­ver­bre­cher wur­de 2009 der in der Ukrai­ne ge­bo­re­ne John Dem­jan­juk nach Sta­del­heim ge­bracht. Die­ser hat­te im Zwei­ten Welt­krieg der Ro­ten Ar­mee ge­dient, ehe er von der Wehr­macht ge­fan­gen ge­nom­men und dann als „Hilfs­wil­li­ger“zum Wach­mann im Ver­nich­tungs­la­ger So­bi­bor wur­de. We­gen Bei­hil­fe zum Mord an min

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