Der un­sicht­ba­re Ele­fant

Donau Zeitung - - GELD & LEBEN - VON MAT­THI­AS ZIM­MER­MANN [email protected]­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Man kennt das ja. Da sitzt ei­ne grö­ße­re Run­de zu ei­nem schö­nen Abend­es­sen ver­sam­melt, es wird ge­lacht, ge­scherzt und das Es­sen ge­lobt. Und der Wein erst, wie gut der doch zu den Spei­sen auf dem Tel­ler passt. Bis plötz­lich das Ge­spräch doch wie­der bei dem The­ma lan­det, das wie ein un­sicht­ba­rer Ele­fant mitt­ler­wei­le bei fast al­len so­zia­len Be­geg­nun­gen mit im Raum steht: Die Nach­hal­tig­keit.

Es ist fast schon egal, von wel­chem Pfad ein Ge­spräch auf­bricht, wel­che Win­dun­gen und Wen­dun­gen es nimmt, am En­de lan­det man doch wie­der auf ei­ner brei­ten ab­schüs­si­gen Stra­ße, die di­rekt zu der Fra­ge führt, ob un­ser Kon­sum den Pla­ne­ten nicht rui­niert. Dass aus­ge­rech­net ein Abend­es­sen der Rah­men für die Klä­rung die­ser Fra­ge ist, ent­larvt uns dann un­an­ge­neh­mer­wei­se schon wie­der als schein­hei­lig, in­kon­se­quent und schwach. Was von dem auf un­se­ren Tel­lern und in un­se­ren Glä­sern ist denn bio? Oder aus der Re­gi­on? Muss­te es denn wirk­lich so viel Fleisch sein, wo doch für sei­ne Pro­duk­ti­on Tie­re lei­den, Re­gen­wald ab­ge­holzt und Kli­ma­gas pro­du­ziert wird? Oder Mee­res­fisch, der doch be­kann­ter­ma­ßen über­fischt ist? Vom Wein gar nicht zu re­den, der ja wohl ei­ne Mo­no­kul­tur ers­ten Ran­ges ist.

War­um schaf­fen wir es nicht, un­ser Wis­sen und un­se­re gu­ten Vor­sät­ze in kon­kre­tes Han­deln um­zu­set­zen? Weil der Han­del mit psy­cho­lo­gisch aus­ge­feil­ten Ver­kaufs­me­tho­den die Mau­er un­se­rer Ent­schlos­sen­heit schon beim Ein­tre­ten in den Su­per­markt zum Ein­sturz bringt? Weil wir gar nicht so viel Ver­ant­wor­tung tra­gen, nicht bei je­der All­tags­ent­schei­dung die Welt ret­ten wol­len und lie­ber dar­auf ver­trau­en, dass je­mand an­ders sich schon küm­mert? Der Staat, der Han­del, die Uno – kann ja wohl nicht sein, dass et­was, das frei ver­käuf­lich und sehr be­geh­rens­wert ist, so schlecht sein soll.

Wir ha­ben dann je­den­falls die nächs­te Fla­sche Wein nicht mehr auf­ge­macht. Scha­de ei­gent­lich. Denn der war bio.

Fo­to: Aa­ron Amat, Adobe Stock

Kann man mit Kon­sum die Welt ret­ten?

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