Oh­ne Frau­en­quo­te geht es nicht

Ei­ne Ana­ly­se aus 41 Län­dern zeigt: In vie­len Staa­ten be­herr­schen Män­ner die po­li­ti­schen Füh­rungs­po­si­tio­nen – auch in Deutsch­land

Donau Zeitung - - POLITIK - VON DET­LEF DRE­WES

Brüs­sel Po­li­tik ist in wei­ten Tei­len Eu­ro­pas wei­ter­hin Män­ner­sa­che. Dies ist das Er­geb­nis ei­ner Stu­die, die der Rat der Ge­mein­den und Re­gio­nen Eu­ro­pas (CEMR) am Di­ens­tag in Brüs­sel vor­ge­stellt hat. In ei­ner na­he­zu bei­spiel­los um­fas­sen­den Un­ter­su­chung al­ler Ebe­nen vom Ge­mein­de­rat bis zum Eu­ro­päi­schen Par­la­ment wur­den die Frau­en­an­tei­le in ins­ge­samt 41 Staa­ten er­ho­ben.

Fa­zit: Nur ein Drit­tel der eu­ro­päi­schen Ent­schei­dungs­trä­ger sind weib­lich – und nur rund 15 Pro­zent der Bür­ger­meis­ter. Das ist zwar ein Plus ge­gen­über dem Stand vor zehn Jah­ren, aber nur um vier Pro­zent. „Wie vie­le Jah­re brau­chen wir noch, bis ein 50:50-Ge­schlech­ter­ver­hält­nis in der eu­ro­päi­schen Po­li­tik er­reicht ist?“, frag­te denn auch Pi­piLiis Sie­mann, Gou­ver­neu­rin von Tü­ri (Est­land) und Mit­glied des Stän­di­gen Aus­schus­ses für Gleich­be­rech­ti­gung im CEMR. „Die Eu­ro­pä­er ver­die­nen et­was Bes­se­res und die Welt er­war­tet mehr.“

In den un­ter­such­ten Län­dern ge­hen die Quo­ten weit aus­ein­an­der. So stieg die Be­tei­li­gung von Po­li­ti­ke­rin­nen in Ge­mein­de­rä­ten von 23,4 Pro­zent im Jahr 2008 auf 29 Pro­zent in die­sem Jahr – al­ler­dings mit gra­vie­ren­den Un­ter­schie­den. In tür­ki­schen Kom­mu­nal­ver­tre­tun­gen sit­zen le­dig­lich 10,7 Pro­zent Frau­en, wäh­rend es in Is­land 47,2 Pro­zent sind. In den un­ter­such­ten 11042 Bür­ger­ver­tre­tun­gen der deut­schen Ge­mein­den und kreis­frei­en Städ­te wa­ren es 29 Pro­zent.

Das Bild setzt sich auch in den Re­gio­nal­ver­samm­lun­gen fort: 13,9 Pro­zent die­ser Par­la­men­ta­ri­er in der Slo­wa­kei sind weib­lich, 49 Pro­zent in Frank­reich, wo es schon seit dem Jahr 2000 fes­te Quo­ten gibt. In den na­tio­na­len Par­la­men­ten stieg der durch­schnitt­li­che Frau­en­an­teil von 21,9 Pro­zent 2009 auf 28,5 Pro­zent in die­sem Jahr an. Die Zah­len für Deutsch­land se­hen et­was bes­ser aus: Im Bun­des­tag stel­len Frau­en der­zeit 30,5 Pro­zent der Ab­ge­ord­ne­ten, al­ler­dings wa­ren es 2008 auch schon mal 32 Pro­zent. Deut­lich mehr Gleich­stel­lung wur­de im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment er­reicht: Seit der ers­ten Di­rekt­wahl 1979 klet­ter­te der An­teil der Po­li­ti­ke­rin­nen von zu­nächst 15 auf in­zwi­schen 40 Pro­zent an. Den­noch klaf­fen die Wer­te aus­ein­an­der: In ei­ni­gen Frak­tio­nen sind nur 35 Pro­zent der Par­la­men­ta­ri­er weib­lich. Von den ins­ge­samt 96 deut­schen Man­da­ten für das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment gin­gen nur 35 an Frau­en. Die Stu­die kommt zu dem Er­geb­nis, dass ei­ne ver­bind­li­che Quo­te über­all dort, wo sie ein­ge­führt wur­de, für ei­ne Ver­bes­se­rung der Gleich­stel­lung ge­sorgt hat. Dem­nach stieg bei­spiels­wei­se auf der lo­ka­len Ebe­ne der An­teil der Frau­en von 22,8 Pro­zent vor zehn Jah­ren auf heu­te 31,5 Pro­zent.

Trotz­dem schei­tern selbst gut ge­mein­te Vor­stö­ße manch­mal an der po­li­ti­schen Rea­li­tät. In der ge­druck­ten Fas­sung der Stu­die wird die de­si­gnier­te Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ur­su­la von der Ley­en noch für ih­re An­kün­di­gung ge­lobt, ihr Team pa­ri­tä­tisch mit Män­nern und Frau­en zu be­set­zen. In­zwi­schen ist ab­seh­bar: Sie wird das Ziel wohl ver­feh­len. Denn zwei Be­wer­be­rin­nen wur­den vom EU-Par­la­ment ab­ge­wie­sen. Die zu­stän­di­gen Re­gie­run­gen schick­ten Män­ner als Er­satz.

Foto: dpa

Will ei­ne pa­ri­tä­ti­sche EU-Kom­mis­si­on: Ur­su­la von der Ley­en.

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